Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Schutz vor Starkregen: Stadt muss Millionen investieren

Gewitter üben eine große Faszination aus. Diese Aufnahme hat Leser Jochen Heim am Dienstagabend mit Blick aufs Hambacher Schloss
Gewitter üben eine große Faszination aus. Diese Aufnahme hat Leser Jochen Heim am Dienstagabend mit Blick aufs Hambacher Schloss gemacht. Zugleich muss die Stadt Vorbereitungen treffen, was zu tun ist, wenn ein Gewitter zu Starkregen führt.

Wie kann sich Neustadt vor den Folgen von Starkregen schützen? Antworten darauf liefert ein umfassendes Konzept. Die Arbeit hat sich offensichtlich gelohnt: 201 Schwachstellen wurden identifiziert.

Wer sich in Neustadt umschaut, sieht die Folgen der trockenen Wochen und der großen Hitze: Wo im Frühjahr noch alles saftig grün war, dominiert jetzt die Farbe braun. Alle sehnen Regen herbei. Und doch geschieht dies mit einem mulmigen Gefühl: Denn kommt es zu einem Gewitter, sind extreme Regenmengen und somit Überflutungen mit großen Schäden möglich. Nicht zuletzt die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal und in Nordrhein-Westfalen vor zwei Jahren hat gezeigt, was Regenmassen anrichten können.

Die Stadt Neustadt hat sich im Juli 2022 auf den Weg gemacht, ein Hochwasser- und Starkregenkonzept zu erarbeiten. Die Federführung hat dabei das Neustadter Büro IPR-Consult. Doch nicht nur die Experten des Büros und aus der Verwaltung saßen zusammen, sondern der Ansatz war viel umfassender. Denn außer historischen Daten über Starkregenereignisse und aktuellen Informationen über Regenmengen waren insbesondere die Bürger gefragt. Dazu wurde das Stadtgebiet in acht Zonen unterteilt. Es gab Ortsbegehungen, bei denen die Bürger auf ihnen bekannte Schwachstellen hinweisen konnten. IPR arbeitete alles in Konzepte ein und besprach diese dann in zwei Workshop-Runden mit Bürgern. Auf der Hambacher Höhe wird noch eine Ortsbegehung nachgeholt, ansonsten ist die Bürgerbeteiligung nun abgeschlossen. Das Konzept von IPR-Consult ist weitgehend fertig und wird am Dienstagabend im Stadtrat präsentiert.

Karten zeigen Schwachstellen

Umweltdezernentin Waltraud Blarr sowie Thomas Baldermann und Robert Leimkühler von der Umweltabteilung sind zufrieden. Der Aufwand habe sich gelohnt, denn man habe nun für die jeweiligen Bezirke ganz konkrete Karten erarbeiten können. Erkennbar sei, wo es bei Starkregen zu Überschwemmungen kommen kann, wo sich an Hanglagen kleine Bäche bilden können und welche Straßenabschnitte wie stark betroffen sind. Und vermerkt sei außerdem, welche Schwachstellen identifiziert wurden. Dort soll nun investiert werden. Insgesamt werden 201 solcher Stellen aufgelistet. Die Bandbreite ist groß. Mal geht es nur um einen Rechen, der ausgebessert werden muss, mal sind Wasserläufe anders zu führen. Aber es geht auch darum, in bestehende Leitungssysteme zu investieren. Als Gesamtsumme stehen im Papier bei den Investitionen 1,9 Millionen Euro. „Aber das ist die Netto-Summe, außerdem kommen noch Grundstückserwerbskosten hinzu“, sagt Blarr und verdeutlicht damit: Das wird alles noch deutlich teurer. Baldermann ergänzt: „Was auch nicht aufgeführt ist, sind die Kosten für Pflege und Unterhalt von Gräben und Gewässern. Das ist laufendes Geschäft und kommt obendrauf.“

Man sei gespannt auf den Vortrag und die Reaktionen dazu im Stadtrat. Am Dienstag wird erst einmal kompakt informiert. Um die genauen Maßnahmen und was wann umgesetzt werden soll, wird es dann im September gehen. Denn an vielen Stellen muss die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd als Genehmigungsbehörde beteiligt werden. „Das schalten wir vor. Sie schauen sich die Vorhaben gerade an und sagen uns dann, was möglich ist und wie es mit der Förderung aussieht“, so Blarr. Daher könne im September dann über eine genaue Liste und konkrete Kosten beraten werden.

Beratung möglich

Leimkühler ergänzt, dass das Konzept eine „Gemeinschaftsaufgabe“ sei. Die Bürger könnten nicht nur auf die Verwaltung zeigen, sondern müssten auch selbst etwas tun, um ihre Immobilien zu schützen. Auf Wunsch sei eine Beratung vor Ort in ihrem Haus möglich. Wer daran interessiert sei, könne sich bei der Umweltabteilung melden (umwelt@neustadt.eu). Mit Blick auf die Aufgaben für die Stadt sei der Stadtrat gefragt: Er müsse die Vorschläge einordnen und je nach Wichtigkeit dann in Auftrag geben. Zugleich wolle die Stadt Anregungen aufnehmen und interne Abläufe verbessern, sagt Baldermann. Bürger hätten sich zum Beispiel zentrale Nummern und Ansprechpartner gewünscht, wenn Probleme rund um Gewässer und Überschwemmungen auftreten. Blarr ergänzt: „Es geht darum, Schäden an Gebäuden und Infrastruktur zu vermeiden.“

Info

  • Zwischenergebnisse aus dem Konzept werden am Dienstag im Stadtrat präsentiert. Sitzungsbeginn ist um 18 Uhr im Ratsaal im Rathaus.
  • Außerdem findet noch eine Ortsbegehung auf der Hambacher Höhe sowie im angrenzenden nördlichen Hambach statt, zu der auch Bürger eingeladen sind. Treffpunkt dafür ist am Freitag, 21. Juli, um 16.30 Uhr die Pauluskirche (Dr.-Wirth-Straße 17). Die Begehung dauert bis etwa 20.30 Uhr.
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