Neustadt
Schulsport: Alternative Bewegungsangebote im Unterricht
Für die Sportvereine und den Breitensport sind die Turnhallen dicht. Schulsport in der Halle ist jedoch unter gewissen Bedingungen möglich. Ab Klasse fünf gilt auch beim Sport Maskenpflicht. In den Grundschulen hingegen darf ohne Maske in der Halle geturnt werden. Meist jedoch gehen die Lehrer mit den Schülern zum Bewegen an die frische Luft. Am Käthe-Kollwitz-Gymnasium (KKG) wird indes zusätzlich in der Halle Sportunterricht erteilt, auch wenn das Schul- und Sportamt dazu eine andere Auffassung hat.
Auf Anfrage teilt die Verwaltung mit: „In Neustadt sind derzeit nur die Schulturnhallen geöffnet, die von Grundschulen genutzt werden können. Für die weiterführenden Schulen gilt das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auch im Unterricht. Das Bildungsministerium hat angeordnet, dass regulärer Sportunterricht in Innenräumen derzeit nicht mit Maske stattfinden kann.“ In einer „Handreichung zur Maskenpflicht an Schulen“ des Landes vom 3. November heißt es: „Der Sportunterricht kann im Freien weiterhin regulär ohne Maske, aber mit Abstand stattfinden. Sporttheoretischer Unterricht in Innenräumen kann ebenfalls regulär (mit Maske) abgehalten werden. Regulärer sportpraktischer Unterricht in Innenräumen kann nicht mit Maske stattfinden.“
Alternative Sportangebote
Thorsten Preuß, Leiter der Sportfachschaft am KKG, betont, dass „ein ,regulärer Schulsport’ tatsächlich nicht stattfindet“. Das KKG orientiert sich an dem Leitfaden. Preuß zitiert daraus: „Wenn kein Ersatz im Freien möglich ist, sollte versucht werden, alternative Bewegungsangebote zu unterbreiten, die im Innenbereich mit Maske durchgeführt werden können.“ Für Preuß ist klar, dass die Klassen, sofern es die Witterung weiterhin zulässt, vor allem im nahe gelegenen Stadion an der Sauterstraße Sport treiben. Er betont: „Wir sind natürlich mehr draußen als drinnen. Wir gehen auch zum Haardter Sportplatz oder auf dem Sonnenweg. Die Schüler sollen sich mit ,Zwiebeltechnik-Kleidung’ vor der Witterung schützen. Aber wir gehen auch in die Halle.“
Die große Halle ist laut Preuß gut durchlüftet, Bälle und Geräte werden immer desinfiziert. Jeder Schüler übt mit je einem Ball, der nicht von Schüler zu Schüler wechselt. Der Lehrer gesteht, es sei so zwar kein „regulärer“ Unterricht, aber technische Übungen bei den Ballsportarten wie Sprungwurf oder Korbleger seien auch mit Maske durchzuführen. Selbst eine Spielsequenz, begrenzt auf wenige Minuten, sei möglich.
Eltern sollen mit Kindern raus
Preuß setzt zudem auf die Eltern, damit diese mit ihren Kindern in der Freizeit möglichst viel draußen sind und nennt Radfahren, Joggen und Wandern als Alternativen. Ihm ist wichtig, dass die Jugendlichen „nicht komplett ihren Körper herunterfahren“. Sein Motto: „Bewegt euch.“ Dabei komme es bisweilen zu kuriosen Begegnungen mit Passanten. Diese seien erstaunt, auf den Wegen eine größere Gruppe anzutreffen. Preuß: „Die Leute wundern sich, weil doch mittlerweile die Kontakte beschränkt sind. Sie merken zunächst nicht, dass wir als Schulklasse in dieser Art unterwegs sein dürfen.“
Viel unterwegs sind auch die Schüler der Gebrüder-Ullrich-Realschule in Hambach und Maikammer. Das Schulgelände an beiden Standorten liegt eingebettet in den Weinbergen. Schulleiter Gunther Grünenthal: „Wir gehen nicht in die Turnhalle, mit Maske ist das nicht sinnvoll. Umständlich wäre auch das Umziehen in den Umkleidekabinen.“ Als Alternative gibt es an der Realschule Wanderungen und Übungen im Freien. Die Schüler sollen in Bewegung kommen, jedoch ohne schweißtreibende Aktionen. So setzen die Sportlehrer auf Dehnübungen oder Anleitungen zum richtigen Laufstil. „Hauptsache ein Kontrast zum Sitzen“, betont Grünenthal. Auch er hofft, dass die Eltern mit ihren Kindern rausgehen und die Vorschläge, die von den Kindern aus der Schule zur Bewegung mitgebracht werden, auch daheim umsetzen.
Bewegen im Klassenzimmer
Kreative Lösungen suchen auch die Sportlehrer der „Realschule plus am Speyerbach“ in Lambrecht. Schulleiterin Tanja Walter: „Die Energie der Kinder muss heraus. Wir bieten viele Interaktionsspiele im Freien an. Selbst im Klassenzimmer ist Bewegung möglich. Mit Gestik sollen sich die Kinder beispielsweise nach Alter oder Größe sortieren und mit Abstand aufstellen. Das stärkt die Klassengemeinschaft.“ Geht es ins Freie, sind die Schüler im „Zwiebellook“ unterwegs, in Schichtkleidung mit Schals und Mützen, die bei Bedarf ausgezogen werden können. So finden die Sportstunden gemäß dem Stundenplan statt. Statt des speziellen Fitnessunterrichts am Nachmittag gibt es in den Fitnessklassen das reguläre Ganztagsangebot wie Hausaufgabenbetreuung und Arbeitsgemeinschaften. In den Fitnessstunden sind vor der Pandemie unter anderem alternative Sportarten wie Karate, Indoor-Golf oder Trampolinspringen geübt worden. Walter: „Das sind Sportarten, die nicht im herkömmlichen Lehrplan stehen. Diese Angebote entfallen im Moment Corona-bedingt. Dafür gibt es Theoriestunden wie Kochen und gesunde Ernährung.“
Sport laut Lehrplan
Lediglich in den Grundschulen wird noch im Unterricht auf eine Maske verzichtet. So gehen die Schüler der Ostschule in Winzingen auch ohne Maske in die Turnhalle. Dabei werden aber viele Corona-Regeln befolgt, berichtet Schulleiterin Karin Hochlechner. „Zum Umziehen benutzen wir nicht nur die Umkleidekabinen, sondern auch andere Räume. Wir vermischen die Klassen nicht. Wir benutzen die CO2-Ampel als Messgerät für die Luftwerte und bieten nur Sportarten und Spiele an, in denen Abstand gehalten wird. Fenster und alle Türen sind durchgängig geöffnet.“
Sofern das Wetter es zulässt, nutzen die Jungen und Mädchen den Schulhof und das große Freigelände an der Wallgasse. Als Ganztagsschule bieten die Lehrer auch am Nachmittag Bewegungsphasen zusätzlich zur Sport-Arbeitsgemeinschaft an. Karin Hochlechner betont: „Bewegung, Spiel und Sport sind wichtige Element im Schulalltag. Der lehrplanmäßige Sportunterricht kann an der Grundschule unter den entsprechenden Hygienemaßnahmen durchgeführt werden.“
Einwurf: Bleibt in Bewegung
Schon im Frühjahr während des ersten Lockdowns waren erfreulich viele Familien mit ihren Kindern im Freien unterwegs. Momentan sind sogar die Schulen geöffnet, Sportunterricht findet soweit wie möglich statt. Auch jetzt gilt es, die Bemühungen der Sportlehrer zu unterstützen, indem Eltern zumindest am Wochenende mit ihren Kindern in die Natur gehen. Wandern oder Radfahren ist auch bei kühler Witterung möglich. Und Ballspiele auf der Wiese machen dem Nachwuchs immer Spaß. Bleibt in Bewegung.