Neustadt
Schnelltest im Bus: Ein Musikwunsch zur Belohnung
Thomas Roth ist am Dienstagmorgen auf dem Parkplatz von Motoren-Baader in Lachen-Speyerdorf irgendwie in seinem Element. Viele Jahre war er bei der Berufsfeuerwehr Mannheim. Im Ruhestand ist er weiter ehrenamtlich für die Neustadter Feuerwehr aktiv. Große Fahrzeuge steuern – damit kennt er sich aus. Jetzt aber kann er hinter einem besonderen Lenkrad sitzen: Roth gehört zu den Fahrern des Neustadter Schnelltest-Busses, der seit 17. Mai auf Tour ist.
Federführend ist der DRK-Kreisverband Vorderpfalz. Er stellt Software, Tests und Personal für die rollende Schnelltest-Station. Ausbildungsbeauftragter Jürgen Abel aus Mußbach spricht von einem landesweiten Pilotprojekt. Keine Frage, dass er schnell bereit war, das Projekt zu unterstützen, als er von seinem Neustadter DRK-Kollegen André Willrich gefragt wurde. Denn die Neustadter sind ausgelastet, was nicht wundert: zwei eigene stationäre Test-Center, Unterstützung für zwei weitere, Hilfe im Impfzentrum und die sonstigen Dienste.
Mit dem Bus sollen die Menschen in den Weindörfern mindestens einmal die Woche ein Testangebot am Ort bekommen. So mancher hat darauf sehnlich gewartet, ab und an war die Frage zu hören, warum es von der Idee bis zum Start so lange dauert. Am Dienstag bei Motoren-Baader ist es an Oberbürgermeister Marc Weigel, die Antwort zu geben: Weil es nicht so einfach war wie gedacht, ein medizinisches Sonderfahrzeug in Gang zu setzen.
Motoren-Baader setzt sich ein
Das Praktische war dabei laut Weigel kein Problem. Die Firma Motoren-Baader, nach eigenen Angaben der Scania-Händler mit dem größten Marktanteil in Deutschland, bekam von dem Hersteller von Nutzfahrzeugen direkt einen Bus zur Verfügung gestellt. Dessen Inneres musste natürlich umgebaut werden. Was seinen Monteur gefreut hat, wie Juniorchef Ralph Baader am Dienstag berichtet. Schließlich war das mal etwas jenseits der Routine.
10.000 Euro für den Umbau und die Zulassung steuerte die Sparkasse Rhein-Haardt bei – laut Vorstandsvorsitzendem Andreas Ott eine Ehrensache angesichts des wichtigen Zwecks. Schließlich mussten die besten Haltepunkte in den neun Weindörfern ausgespäht werden. Knifflig, angesichts der Buslänge von 14 Metern. Busse ohne Gelenk haben sonst nur zwölf Meter, wie Abel erklärt. Und auch mit diesen wird es in manchen Ortsteilen sehr eng. Indem die Winzergenossenschaft Mußbach und das Weinland Königsbach aber ihre Privatflächen angeboten hätten, habe auch dieses Problem geklärt werden können.
Nur mit Zulassung
Außer der Fahrtzeit hat das feste DRK-Team mit den Ehrenamtlichen Marco Schultz und Melissa Flick je zehn Minuten Zeit für den Ab- und Aufbau der Technik. Dass es an den Haltepunkten mit der notwendigen Stromversorgung klappt, dafür haben wiederum die Stadtwerke Neustadt gesorgt. Letztlich musste das medizinische Sonderfahrzeug dann noch vom TÜV abgenommen und vom Landesbetrieb Mobilität zugelassen werden.
Drei Wochen ist der Bus jetzt erst mal im Einsatz, dann soll Abel zufolge entsprechend der Nachfrage nachgesteuert werden. „Vielleicht können wir dann auch noch andere Haltepunkte anfahren“, ist er sich mit dem OB einig. Mit 50 Tests am ersten Tag ist er zufrieden. Auch etliche Senioren hätten dabei das digitale Angebot genutzt.
Busfahrer auch Discjockey
Nach der Präsentation bei Motoren-Baader fährt der Bus mit Thomas Roth am Steuer zunächst Hambach an. Dort lässt sich unter anderem Sukanya Gutting testen. Die Frau aus Lachen-Speyerdorf hat mit ihrem Auto spontan angehalten, als sie die mobile Teststation sah. „Ich will es einfach mal wissen“, meint sie beim Warten auf das Ergebnis.
Das Warten versüßt Busfahrer Roth übrigens gern mit einem Musikwunsch. Denn er ist auch Discjockey, sein Slogan: „Von Abba bis Zappa“. Der erste Wunsch? „,Oh Carol’ von Smokie – in Duttweiler.“
Der Fahrplan
Montag: 8 bis 10 Uhr Motoren-Baader, Im Altenschemel 1, 10.40 bis 12.25 Uhr Paten-Ruine, Im Birkig, Geinsheim, 13 bis 14.45 Uhr Dorfplatz Duttweiler, 15.25 bis 17.25 Uhr Firma Jülch, Lachen-Speyerdorf; Dienstag: 8 bis 10 Uhr Motoren-Baader, 10.50 bis 12.25 Uhr Parkplatz Dammstraße Hambach, 13 bis 14.50 Uhr Vorplatz Festhalle Diedesfeld; Mittwoch: 8 bis 9.50 Uhr Motoren-Baader, 10.40 bis 12 Uhr Kerweplatz am Haardter Mandelring, 12.50 bis 14 Uhr Kirchplatz Gimmeldingen, 14.35 bis 15.35 Uhr am Weinland Königsbach, 16.10 bis 17.25 Uhr Gelände der Mußbacher Winzergenossenschaft.
Empfohlen wird, sich online für eine Testung anzumelden. Zudem werden noch Busfahrer gesucht, die sich beim Deutschen Roten Kreuz melden können.