Neustadt „Schneller – das dauert zu lange“
«Hassloch.» Die Pfalzhalle in Haßloch ist fast leer. Die neue Klimaanlage surrt leise und sorgt für wohltuende Kühle. „Guten Morgen“, sagt die einzige schon anwesende, verletzte Spielerin im roten Hemd mit Deutschland-Schriftzug freundlich. Wir warten auf das Training der weiblichen A-Jugend-Handball-Nationalmannschaft, die heute, Freitag, 18.30 Uhr, in der Speyerer Osthalle sowie morgen, Samstag, 18 Uhr, in der Nordstadthalle in Schwetzingen jeweils gegen Kroatien spielt.
Klaus Bethäuser (Speyer), Lehrwart des Pfälzer Handball-Verbandes und Organisator der Partie, schlurft kurzbehost in Sandalen über den Parkplatz. „Gute Morgen, Chef“, begrüßt er den Mitarbeiter in der Geschäftsstelle: „Die Mannschaft kommt eine Viertelstunde später.“ Dann sind sie, in Kleinbussen aus der Sportschule Edenkoben angereist, alle da, 18 Mädels der Jahrgänge 2000/2001 in weißen Deutschland-T-Shirts, mit schwarzen und grünen Rucksäcken sowie Wasserflaschen bewaffnet, alle höflich. „Un? Habt ers gfunne?“, spielt Bethäuser auf die Umleitungen in Haßloch an. Die Verletzte erhält von den Mitspielerinnen Küsschen. „Die Chefs kommen als Letzte“, kündigt Bethäuser an. Und da ist es, das Funktionsteam um Cheftrainer Maik Nowak. Schon gibt’s einen Händedruck von keinem Geringeren als DDR-Torwartlegende und Moskau-Olympiasieger Wieland Schmidt. Auch auf dem Parkett tummelt sich ein berühmter Name: Lucie Kretzschmar ist die Tochter von Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar. Eine Spielerin muss wegen einer Blutblase zum Arzt. Nowak: „Sagt, es ist wichtig. Drängt euch vor. Ihr schafft das.“ Das Warmmachprogramm läuft. Musik erklingt. Die jungen Handballerinnen werfen sich harte Pässe zu. Dann nehmen sie ihre Torhüterinnen aus allen Lagen unter Beschuss, mit hohen Bällen abwechselnd von rechts und links. Schmidt gibt mit ruhiger Stimme Tipps. Vor der Tribüne liegen rote und grüne Leibchen, Klebeband, auf den Bänken warten schwarze und gepunktete Faszienrollen zur Stärkung des Bindegewebes, eine Kühlbox, weiße sowie blaue Turnschuhe. „Weiter geht’s“, ruft Nowak. Liegestütze stehen an. Nowak ist mittendrin: „Anspannen, locker lassen, Fußspitzen Richtung Knie.“ Das Team wirft nun aus größerer Entfernung, dann aus ganz kurzer. Drei Mädels greifen zur Trinkflasche. „Ein Torwart drüben ins Tor“, befiehlt der Coach: „Laufschritt, auf geht’s.“ Das Problem drüben: Das Fangnetz hinter dem Gehäuse ist hochgezogen. „Könnt ihr das Netz runtermachen?“, fragt er Bethäuser. „100 Prozent gegen den Block“, fordert Nowak: „Alles klar?“, „Ja“, kommt es deutlich zurück. Die nächste Anweisung: „100 Prozent Sprint, nicht sechs Meter, acht Meter. Alles klar, Mädels? Das muss schneller gehen.“ Bethäuser und der Geschäftsstellenmann schleppen eine riesige Leiter heran. Bethäuser führt die Aufsicht. Sein Kollege macht sich ganz oben am Netz zu schaffen. „Schneller, schneller, Abstände länger lassen“, verlangt darunter der Handballlehrer: „Das dauert zu lange.“ Der Geschäftsstellenmann steigt die Leiter herunter und ein paar Meter weiter rechts wieder hinauf. Nowak und seine Schützlinge gehen zur nächsten Blockübung weiter. „Abwehrarbeit, Gegenstoß, schnelle Mitte.“ All das will er bis Samstag verinnerlichen, sagt er. Bis Samstag dauert das Trainingslager, in dem die Mannschaft für die Europameisterschaft vom 10. bis 20. August in der Slowakei geformt werden soll. So spielen sie Deutschland, weibliche A-Jugend: Charley Zenner (5 Länderspiele, Sachsen Zwickau), Laura Waldenmaier (6, FA Göppingen), Vivien David (HSG Blomberg-Lippe), Lena Hausherr (5/9 Tore), Hannah Kriese (1/1), Mariel Wulf (5/21), Leonie Kockel (21/25), Carlotta Fege (5/11, alle Borussia Dortmund), Paulina Golla (6/4, FSG Mainz/Budenheim), Lucie Kretzschmar (19/30), Maxi Mühlner (4/4), Julia Weise (9/18), Pauline Uhlmann (2/3, alle HC Leipzig), Dana Bleckmann (5/21, TV Aldekerk), Aimée von Pereira (MTV Herzhorn), Malina Marie Michalczik (3, HLZ Ahlen), Lea Neubrander (9/18, SG Herrenberg), Jana Scheib (4/4, SG Bietigheim)