Neustadt
Schließ’ deine Augen und denk’ an mich: Eine Gedächtnisausstellung für Christiane Maether im Herrenhof
Am 10. Mai 2024, genau zwei Monate vor ihrem 83. Geburtstag, verstarb die Malerin, Bildhauerin und Kunstpädagogin Christiane Maether nach kurzer Krankheit. Ein schönes Alter, mag der unbedarft Außenstehende konstatieren. Und doch: Für ihre Familie, Freunde, die große Kunstgemeinde und ein wenig wohl auch für sie selbst kam der Tod, der als Muse der Vergänglichkeit vielfach in ihrem umfangreichen Werk präsent war, so ganz und gar unvermittelt.
Der Arbeitskreis Kunst im Herrenhof widmet der weltläufigen und gleichzeitig tief in Hambach verwurzelten Künstlerin nun zum ersten Todestag eine Gedächtnisausstellung – ab Pfingstmontag zeigt die Kunsthalle im schmucken Mußbacher Anwesen vor allem großformatige Gemälde, Wandfriese, dazu in zwei Vitrinen kleinere Skulpturen, Skizzen und Notizen zu Arbeitsprozessen sowie an einem Extrastand Blätter aus der grafischen Sammlung. Einiges davon kann auch erworben werden.
„Der Herrenhof war irgendwie ihr Heimatort“
Gabriele Köbler, selbst Bildhauerin, die sich federführend in der Kunstriege des Mußbacher Kulturzentrums engagiert, versichert beim ersten Rundgang durch die Hängung, wie sehr ihr daran gelegen war, die Schau noch in die Langzeitplanung des Herrenhofs zu integrieren. „Christiane Maether war hier mit mindestens zwei Einzelausstellungen präsent und mehrfach bei Sammelausstellungen. Es war irgendwie ihr Heimatort, und wir sind stolz darauf.“
Noch 2023 habe sie gemeinsam mit der Künstlerin an einem Symposium in Ascholding teilgenommen, erzählt Köbler. Da ging es um Wachsmodellieren als Vorstufe zum Bronzeguss. „Sie hat da immer noch Neues aufgesogen und freudig ausprobiert, offen, unverstellt, und eben auf ihre Weise fortgeführt.“ Dieses Moment des nie versiegenden Lernenwollens nennt auch Maethers Tochter Laura als eine wesentliche Triebfeder im Schaffen ihrer Mutter. „Christiane hat nie verharrt im Erreichten; hat begeistert Techniken ausgetestet, mit Stoffen und Materialien experimentiert und sich immer weiterbewegt im Kontext ihrer Herzensthemen.“ Denen sie auch stets treu geblieben sei: Natur, Mythologie, dem Weiblichen in seinem Willen zur Befreiung und zum Bewahren.
Beim Gang durch die bewusst karg möblierte Kunsthalle – keine Vitrinen-Fluchten oder bestückte Sockel –, die genügend Raum gewährt, um den großformatigen Gemälden angemessene Geltung zu verschaffen, erschließt sich Maethers künstlerische Evolution im Anschluss an die zeichnerische Genese und mit der „Entdeckung“ der Farbe ganz sinnfällig. Aus den statisch verharrenden, oft gesichtslosen, in sich gekehrten Hockenden schälen sich die jetzt aufschauenden weiblichen Protagonistinnen hervor. Ihre prallen Extremitäten künden von Stärke; und wichtig sind vor allem die Hände. Sie führen das Anliegen schon der frühen grafischen Arbeiten, der Nester, Schnecken, Höhlen hinein in die sich weitenden Partituren: Maethers Geschöpfe sind Hüter, Bewahrer und Schützer; ihr großes Thema, das sich weiterträgt, auch als plötzlich Bewegung das Figuren-Karussell erfasst.
Ausgelöst durch ein ebensolches: Das Kettenkarussell nämlich vor dem Hambacher Domizil beim alljährlichen Kerwe-Treiben. Zuerst sind es Momente des Vorgangs, die Maether fesseln – Hände, die sich um die Kettenschnur legen, geschlossene Augen im Moment des Abhebens. Aber dann emanzipieren sich ihre Geschöpfe weiter, selig beseligt, den Moment genießend im Wissen um dessen Vergänglichkeit; und schwingen mit offenen Armen empor.
Das Motto der Schau stammt von Christiane Maether selbst
Mit „Träume wollen ziehen“, dem impulsgebenden, von Maether selbstformulierte Motto, haben die Töchter Laura und Maya Wittinger die von ihnen konzipierte Gedächtnisschau übertitelt. Im Rahmen einer Matinee am Fronleichnamstag führen die beiden durch die Ausstellung. Die Neustadter Harfenistin Maria Stange, langjährige Weggefährtin der Künstlerin, wird den Vormittag musikalisch begleiten.
Zur Vernissage am Pfingstmontag wollen Maike Setzer (Gesang und Gitarre), Constantin Houy (Bass und Percussion) und Maya Wittinger-Houy (Piano) mit Songs aus der Karussell-Aura von einst aufwarten; Melodien, denen Christiane Maether im Angesicht der schwingenden Gondeln gerne gelauscht hatte. In Carol Kings „You’ve got a good friend“ heißt es da sinngemäß: Schließ’ deine Augen und denk’ an mich und bald werde ich dann bei dir sein …
Die Ausstellung
Die Ausstellung „Träume wollen ziehen – Hommage an Christiane Maether“ wird am Montag, 9. Juni, um 11.15 Uhr in der Kunsthalle im Kelterhaus des Herrenhofs in Neustadt-Mußbach eröffnet. Sie ist bis 22. Juni freitags 17–19 Uhr, samstags 14– 18 Uhr sowie sonn- und feiertags 11–18 Uhr geöffnet. Zur Einführung führt die Kunsthistorikerin Ulrike Hauser-Suida ein Gespräch mit der Tochter Laura Wittinger-Mohammadi. Auch die Matinée an Fronleichnam, 19. Juni, beginnt um 11.15 Uhr.