Neustadt
Schiedsrichter Nicolas Wrede pfeift auch einmal zwei Partien am Tag
„Das ist jetzt schon das zweite Spiel, das ich heute pfeife“, erzählte der Filialleiter eines Discounters neulich – vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie – vor dem Anpfiff des Freundschaftsspiels ASV Harthausen gegen FV Berghausen auf dem Hambacher Kunstrasenplatz. Da A-Junioren-Landesligist JSG 1. FC 08/ VfB Haßloch kurzfristig ein Testspiel gegen den FSV Oggersheim vereinbart hatte, klingelte bei Wrede das Telefon, ob er die Partie leiten könne. Obwohl zwischen dem Ende der Begegnung in Haßloch und dem Beginn des Spiels in Hambach nur etwas mehr als eine Stunde gelegen habe, sagte er zu. „Nico ist mein Lieblingsschiedsrichter“, freute sich Hambachs Jugendleiterin Manuela Hanewald. Wahrscheinlich ist es die unspektakuläre Art, wie er ein Spiel leitet, die ihn bei Vereinen beliebt macht.
Wredes Heimatverein ist die SG Mußbach, bei der er seine Karriere begonnen und bis zu den B-Junioren gespielt hat. Danach wechselte er zum SV Gommersheim, für den er seine Zeit als A-Junior und die ersten eineinhalb Jahre als Aktiver verbracht hat. „Gommersheim spielte damals in der Landesliga. Das war der bisherige Höhepunkt meiner Karriere“, blickt er zurück. Weitere Stationen waren unter anderem der VfL Neustadt, bei dem er in der Saison 2017/2018 nach dem Rücktritt von Trainer Rudolf Benkler als Interimscoach erste Erfahrungen als Übungsleiter gesammelt hat. 2018 wechselte er zusammen mit VfL-Stürmer Patrick Pfaff in die Südpfalz zum SV Erlenbach, sie wirkten dort als Trainerduo.
Auch als Co-Trainer aktiv
Was danach kam, klingt wie ein Märchen. Wrede übernahm im vergangenen Jahr beim SV Südwest Ludwigshafen das Amt als Cotrainer der Zweiten Mannschaft, bestritt zwei Testspiele in der ersten Garnitur und überzeugte dabei Chefcoach Frank Wieschalla dermaßen, dass er in der Abwehr einen Stammplatz bekam und mit dem SV Südwest in der vorzeitig abgebrochenen Saison 2019/ 2020 den Wiederaufstieg in die Landesliga geschafft hat. „Mich an die Bezirksliga gewöhnen zu müssen, war schon eine Herausforderung. Und die Landesliga wäre natürlich eine noch größere“, sagt er nach mehreren Jahren in der A- und B-Klasse. „Mein Ziel ist es auf jeden Fall, später als Trainer tätig zu sein“, verrät er.
Als Schiedsrichter ist Wrede seit 2017 aktiv. „Die Hauptgründe waren, dass ich auch einmal diese Rolle kennenlernen wollte und ich dadurch außerdem in Bewegung bleibe“, gibt er als Motivationsgründe an. Er pfeift bis in die A-Klasse und agiert zudem gelegentlich in der Bezirksliga als Assistent. „Als Spieler von Südwest Ludwigshafen werde ich aber nicht in der Bezirksliga Vorderpfalz eingesetzt. Der Verband achtet sehr darauf, dass ich zu den Mannschaften, die an Spielen, die ich pfeife, beteiligt sind, keine Berührungspunkte habe“, erzählt er.
Kommunikativer Referee
Wrede pflegt als Unparteiischer einen kommunikativen Führungsstil. „Ich erkläre gerne meine Entscheidungen den Spielern sofort. Wenn mich ein Trainer anschreit, schreie ich auch einmal zurück. Und dann ist meistens schnell wieder Ruhe“, sagt er. Auch er habe in den vergangenen Jahren eine Verrohung der Sitten auf den Fußballplätzen festgestellt. „Ich hatte auch schon einen Spielabbruch. Ein Zuschauer hat mir damals gedroht, mich zu verschlagen. Ein negativer Höhepunkt war das D-Junioren-Verbandsligaspiel TSV Königsbach gegen VfR Wormatia Worms, in dem ich einem Wormser Spieler in der letzten Minute wegen eines Faustschlags die Rote Karte zeigen musste“, erinnert er sich an einen unliebsamen Zwischenfall. Angst habe er jedoch nicht. „Wenn man Angst hat, darf man etwas erst gar nicht machen. Außerdem kann einem überall etwas passieren. Das hat das Ereignis von Hanau erst wieder gezeigt“, erklärt er nachdenklich.
Toll sei natürlich, eine Partnerin zu haben, die mit seiner überdurchschnittlichen starken Fußballleidenschaft zurechtkomme. „Meine Freundin ist gerne immer dabei und stört sich nicht an meinem Hobby. Anders ginge es auch nicht“, stellt Wrede Nicolas fest.