Schach RHEINPFALZ Plus Artikel Schachclub Haßloch feiert 100 Jahre: Verein mit eigenem Heim

im Juli 2011 bezog der Schachclub 1926 Haßloch sein Domizil in der Pestalozzistraße 11.
im Juli 2011 bezog der Schachclub 1926 Haßloch sein Domizil in der Pestalozzistraße 11.

Der Schachclub Haßloch blickt während der Schachtage an Pfingsten auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Der Verein musste einige Krisen bewältigen.

Die SpVgg Fürth wird 1926 Deutscher Fußballmeister, die Lufthansa nimmt ihre ersten Flüge auf und die spätere Königin Elisabeth II wird geboren. In diesem Jahr schließen sich nach mündlichen Überlieferungen Mitglieder des Arbeiter-Schachclubs und „bürgerliche“ Schachspieler (Selbstständige, Ärzte, Studenten) zum Schachclub 1926 Haßloch zusammen, Bei den seit 40 Jahren ausgetragenen Haßlocher Schachtagen wird am 23. Mai daher auch das 100-jährige Jubiläum des Vereins gewürdigt.

Zwei Besonderheiten zeichnen aktuell den Verein aus, betont der Vorsitzende Reinhard Hennrich. „Ein eigenes Vereinsheim können nur ganz wenige aufweisen“, so Hennrich mit Blick auf das im Juli 2011 bezogene Domizil in der Pestalozzistraße 11. Elf Jahre zuvor hatte der Schachclub nach einer langen Odyssee durch viele Nebenzimmer von Gaststätten und gescheiterten Plänen eines Neubaus auf dem Sandbuckelgelände im ehemaligen Autohaus Grohe im Lachener Weg bereits Quartier bezogen, ehe man in die deutlich günstiger gelegenen Räumlichkeiten wechselte. In dieser Zeit sei der Verein sehr fachmännisch vom ehemaligen Vorsitzenden Clemens Sieber beraten worden. „Das neue Vereinsheim liegt genau gegenüber der Ernst-Reuter-Schule und das ist für uns ein riesiger Vorteil, weil wir bei den Haßlocher Schachtagen das ganze Spielmaterial nur über die Straße transportieren müssen.“

Tradition des Pfingstturniers 1986 begründet

Seit 1986 finden an Pfingsten die weit über die Grenzen der Gemeinde bekannten Haßlocher Schachtage statt, die laut Hennrich „für den Verein ein ganz zentraler Punkt bleiben, dessen Tradition unbedingt fortgeführt werden soll.“ Beim 60. Jubiläum erstmals ausgetragen und in den Anfangsjahren an Christi Himmelfahrt durchgeführt, erfreut sich das Turnier mit seinem familiären Rahmen, der bekannt guten und preiswerten Küche sowie einer reibungslosen Organisation einer großen Beliebtheit unter Profis und Amateuren. Neben anderen Großmeistern war auch der aktuell beste deutsche Spieler Vincent Keymer am Brett. Als 12-Jähriger wurde er im A-Turnier ungeschlagener Dritter und zeigte schon damals sein großes Talent.

Maßgeblich beteiligt, sowohl beim Erwerb des eigenen Sportheims als auch an der Entwicklung der Haßlocher Schachtage, war Hans Weber, der zusammen mit seiner Frau Edda über lange Jahre den wirtschaftlichen Teil der Veranstaltung verantwortete. Sein Nachfolger ist Torsten Rykeit mit Unterstützung von Martin Auer, während sich nach Klaus Frambach mittlerweile Philipp Scholz um die sportliche Turnierleitung kümmert. Hans Weber und Klaus Frambach sind für ihre Verdienste im Verein und Verband mit der Goldenen Ehrennadel des Pfälzischen Schachbundes ausgezeichnet worden.

Hoffnung auf eine Schulschach-AG

Über die Haßlocher Schachtage hat auch der amtierende Vorsitzende den Weg zum Verein gefunden, blickt Reinhard Hennrich zurück. Auf dem Pausenhof des Neustadter Leibniz-Gymnasiums habe er seine ersten Partien gespielt und war später lange in Sondernheim aktiv. 2013 wurde er zum 2. Vorsitzenden gewählt und steht seit 2020 dem derzeit 69 Mitglieder zählenden Schachclub Haßloch vor. „Ich hoffe, wir können auch in Zukunft die Schachtage austragen, denn wenn einer unserer hauptsächlichen Mitarbeiter ausfallen sollte, wird es schon kritisch“, blickt Hennrich nach vorne und hat mit Blick auf den Nachwuchs noch einen weiteren Wunsch. „Es wäre schön, wenn eine Schulschach-AG mit der Ernst-Reuter-Schule zustande kommen könnte. Das würde nach 100 Jahren wieder frisches Blut in den Verein bringen.“

Die Anfänge des organisierten Schachsports im Großdorf sind dabei noch nicht restlos geklärt. Der Zusammenschluss von Mitgliedern einer klar auch auf Klassenkampf ausgerichteten Gemeinschaft mit den eigentlich von ihr hart bekämpften, im Deutschen Schachbund organisierten „bürgerlichen“ Schachspielern war zu diesem Zeitpunkt zwar ungewöhnlich, aber offensichtlich nicht nur auf Haßloch beschränkt. Unter der Regie des 1. Vorsitzenden Fritz Kissel scheint man sich in den Anfangsjahren aber nicht ganz von dem in dieser Zeit mit insgesamt 10.000 Mitgliedern recht starken Deutschen Arbeiter-Schachbund abgewandt zu haben, wie Dokumente beweisen. Bei der endgültigen Festlegung von 1926 als dem offiziellen Gründungsjahr des Vereins berief man sich auch auf mündliche Schilderungen von Ludwig Wolf. Er war zusammen mit Karl Götz, Georg Himmighöfer und Rudolf Lösch Gründungs- und späteres Ehrenmitglied des Vereins, der in der Folge mehrere sportliche sowie organisatorische Höhen und Tiefen erleben sollte.

Mit Spielgemeinschaft Auflösung verhindert

Gravierende Folgen hatte in den Anfangsjahren vor allem die Machtübernahme der Nationalsozialisten mit dem Verbot des Deutschen Arbeiter-Schachbundes 1933 und der ein Jahr später erfolgten Umbenennung des Haßlocher Vereins in NS-Schachclub. Während des 2. Weltkriegs wurde der Spielbetrieb komplett eingestellt und der vor allem durch Georg Himmighöfer und Karl Götz angestoßene Wiederanfang nach 1946 erwies sich als schwierig. Bedingt durch Auflagen der französischen Besatzungsbehörden wurden die Schachspieler Teil der TSG Haßloch, und 1952 drohte angesichts des Mitgliederrückgangs auf nur noch zwölf aktive Spieler sogar die Auflösung der Abteilung und damit das Ende des organisierten Schachsports in Haßloch.

Durch eine Spielgemeinschaft mit den befreundeten Iggelheimer Schachspielern und die wieder erlangte Eigenständigkeit des Vereins nach der Trennung von der TSG Haßloch konnte diese existenzielle Krise überwunden werden. Daran maßgeblich beteiligt war der in den 50er bis Anfang der 60er Jahre in der Vorstandschaft und als bester Spieler aktive Erich Herrmann, der trotz Abwerbeversuchen aus Richtung Ludwigshafen dem Verein die Treue hielt. Vor allem ihm sei es zu verdanken, dass sich der Schachclub Haßloch nicht wie andere Vereine aus der Umgebung in dieser Zeit auflöste.

Verein sportlich im Aufwind

Auch sportlich ging es in der Folge bergauf. Die Haßlocher Mannschaft behauptete sich auch nach der Auflösung der Spielgemeinschaft über viele Jahre in der Landesklasse und später in der Regionalliga als höchsten pfälzischen Spielklasse. Als Mannschaftsführer war das Ehrenmitglied Harald Beyer über viele Jahre der erfolgreichste Spieler im Verein, der unter anderem 15 Mal die Clubmeisterschaft gewann. Mit Luise Götz sicherte sich ein weiteres Ehrenmitglied 1964 erstmals den Pfalzmeistertitel der Damen und wiederholte diesen Erfolg 1976 und 1977 noch zweimal. Als größter Erfolg bei den Männern gilt der Vize-Pfalztitel von Lutz Konrad im Jahr 1983. Mit Thomas Theel beim Zweit-Bundesligisten Miesenbach und Peter Braun in Frankenthal spielen zwei Haßlocher Schachspieler nach ihrem Wechsel höherklassig.

Alle drei sind aus der Ende der 60er-Jahre unter Karl Götz begonnenen und unter der Regie von Hans Weber und Harald Beyer intensivierten Jugendarbeit hervorgegangen, deren erster Höhepunkt der Mannschaftssieg der von Horst Ormersbach betreuten Jugendmannschaft bei der Pfalzmeisterschaft war. Auch auf Rheinland-Pfalz-Ebene war man danach in der Einzelwertung durch Martin Möller, Jennifer Krebs und Jessica Jörg sowie mit der Mannschaft mehrfacher Meister. Nach qualifizierten Jugendtrainern wie Gerd Theuer und Martin Auer ruhen die Hoffnungen auf eine erneute Wiederbelebung der Nachwuchsarbeit momentan auf den Schultern von Torsten Rykeit und Maximilian Gryger sowie dem derzeit besten Spieler Ralph Slany. Damit soll neben der Hoffnung auf erneute sportliche Erfolge zugleich die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des gesamten Vereins gelegt werden.

x