Neustadt Schüleraustausch mit sozialem Aspekt

Warben für das Bahcesehir College: Schulleiterin Nigün Baskurt Güven und der frühere Leiter der Abteilungen Soziales und Kultur
Warben für das Bahcesehir College: Schulleiterin Nigün Baskurt Güven und der frühere Leiter der Abteilungen Soziales und Kultur der Stadtverwaltung von Groß-Mersin, Süleyman Cengiz.

Rund 15 Prozent der Schulen in der Türkei sind privat und staatlich anerkannt. Die Regierung in Ankara fördert sie, um sich selbst finanziell zu entlasten. Für Kinder, deren Eltern sich das Schulgeld nicht leisten können, gibt es die Hälfte dazu. Außerdem vergeben Staat und die Schulen selbst viele Stipendien an begabte, aber mittellose Jungen und Mädchen. So wurde der Neustadter Delegation die Situation beim Besuch zweier solcher Privatschulen in Mersin geschildert. Ziel ist es, einen Schüleraustausch auf die Beine zu stellen. Dazu wollen Oberbürgermeister Marc Weigel und Schuldezernentin Waltraud Blarr das Gespräch mit allen drei Gymnasien in Neustadt suchen. Leibniz- und Käthe-Kollwitz-Gymnasium sind bereits bei Mâcon und Quanzhou engagiert, das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium ist „noch ohne“. Konrektorin Ulrike Bahl sieht ihr Schule gut für ein Projekt zwischen Yenisehir und Neustadt aufgestellt: wegen der Integrations-AG für Flüchtlinge und der altsprachlichen Ausrichtung. Als Delegationsmitglied kam sie direkt mit türkischen Kolleginnen in Kontakt. Neben dem Gymnasium Egitim Kurumnlari wurde das Bahcesehir College besucht. Gegründet vor 50 Jahren, zählt es 150 Standorte in der Türkei und weitere im Ausland. An seinen Schulen in der Türkei unterrichten rund 5000 Lehrer über 60.000 Schüler vom Kindergarten bis zur Universität. Die zweite Fremdsprache nach Englisch ist Deutsch – ab der zweiten Klasse gibt es dazu zehn bis zwölf Wochenstunden, wie Schulleiterin Nigün Baskurt Güven erläutert. In der Regel geht der Unterricht mit sozialen und kulturellen Projekten Hand in Hand. Zum Beispiel Besuche in staatlichen Schulen auf dem flachen Land oder das Kümmern um syrische Flüchtlingskinder, von denen Tausende in Mersin leben. Für Blarr und Weigel hat gerade dieser Aspekt besonderen Charme. Ein gemeinsames Schülerprojekt, das auch in Neustadt lebende türkischstämmige Kinder integrieren helfen könnte, ähnlich, wie es laut Güven in Oberhausen realisiert worden sei: Dort habe es funktioniert, den deutschen Schülern mit türkischen Wurzeln ein anderes Türkeibild zu vermitteln, als es zuhause gemalt werde. Dadurch, ist auch Weigel überzeugt, könnte die Integration verbessert, könnten Fronten abgebaut werden. Vieles sei möglich und die Welt im digitalen Zeitalter klein geworden, unterstreicht Süleyman Cengiz, über viele Jahre hinweg Leiter der Abteilung Soziales und Kultur bei der Stadtverwaltung von Groß-Mersin. 2009 hatten er und Weigel sich in Quanzhou kennengelernt, der Kontakt ist bis heute nicht abgerissen. Um die Neustadter bei ihrer Suche nach einer Partnerschule zu unterstützen, kam er zum Gespräch im Bahcesehir College dazu. Was er meinte: Videokonferenzen als eine Art Vortreffen zum Beispiel. Und das in Kontakt bleiben übers Internet nach dem Besuch.

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