Am Rande der Bande
SC Neustadt: Mit der Auswechselbank durch den Schwimmmeisterraum
Ein Wasserball-Heimspiel ist nach viermal acht Minuten erledigt? Von wegen. Schon eineinhalb Stunden, bevor die Begegnung des SC Neustadt gegen den SV Weiden beginnt, sind die ersten Helfer des gastgebenden Clubs im Moby Dick im Einsatz. Die Spieler des Zweitligisten SC Neustadt packen ebenfalls mit an.
Peter Kuhn rollt eine große Gitterbox vom Clubheim des SC Neustadt in den Moby Dick. In dieser Box werden unter anderem Drucker und Musikanlage transportiert. Weil er mit dem großen Drahtbehälter nicht durch die Drehtüre im Stadionbad passt, nimmt er den Umweg durch den Schwimmmeisterraum.
Umweg durch den Schwimmmeisterraum
Den Weg durch diesen Raum nehmen ebenfalls die Wasserballer Philipp Guth und Benedikt Hummel: Sie hieven zwei Bänke, auf denen später die Auswechselspieler Platz nehmen werden. Die stapelbaren Stühle für die Zuschauer sind viel leichter in die Schwimmhalle zu bringen. Lars Ananias, Betreuer sowie Vater von Spieler Luis Ananias, kümmert sich um alles „rund um den Protokolltisch“. „Peter Kuhn ist für das Spielfeld zuständig“, erzählt Ananias. „Es dauert eine halbe Stunde, bis alles fertig ist.“ Kuhn und Ananias weisen den Spielern Aufgaben zu. „Sonst sind es immer dieselben, die helfen.“
Vor dem ersten Saisonheimspiel des Zweitligisten allerdings dauert es ein wenig länger. „Kommt mal alle rüber“, ruft Lars Ananias die restlichen Spieler herbei, die auf der Seite bei den Mannschaftsbänken beisammenstehen. Etliche Leinen mit weißen, roten und neuerdings auch grünen Kugeln liegen neben dem 50-Meter-Becken. Zwei schwimmende Tore stehen bereit. Die 50-Meter-Leinen, die während des normalen Badebetriebs für die Schwimmer die Bahnen abtrennen, sind schnell aufgerollt. Jetzt gilt es, die Wasserball-Leinen und die Tore richtig miteinander zu verknüpfen. „Wir haben ein neues Feld, aber nehmen die alten Tore“, sagt SCN-Kapitän Matthias Held, der beobachtet, wie mehrere Helfer etwas ratlos auf die neuen Leinen schauen. „Ich weiß nicht, warum wir die nehmen ...“, sagt er mit Blick auf die alten Gehäuse.
Alte Tore beliebter
Lars Ananias kennt den Grund: „Wir haben ein neues Spielfeld – das müssen wir erst einmal austesten.“ Und dass sie nicht die neuen Tore, sondern die alten nähmen, liege daran, „dass die Jungs lieber mit den alten spielen“. Die alten Gehäuse sind nicht einfach rechtwinkelig aufgebaut. Die hinteren Pfosten verlaufen nicht parallel zu den vorderen, sondern schräg nach hinten oben. „Es ist nur ein Gefühl, dass sie lieber auf die alten Tore spielen“, weiß Ananias. Eine Woche zuvor im Juniorenspiel in der Bundesliga seien die neuen Tore eingesetzt worden – seinerzeit hat der SCN sein Heimspiel verloren. Aber egal, ob alt oder neu: Die Tore muss der SC Neustadt auch im Winter draußen aufbewahren. „Weil der Lagerraum im Stadionbad zu klein ist“, erklärt Lars Ananias.
Die Weidener schwimmen sich längst ein, während die Neustadter noch immer das Spielfeld im 50-Meter-Becken einrichten. Es seien insgesamt acht Leinen, weiß Wasserballer Luis Ananias. Er und Juniorenspieler Leon Köppl haben die Tore mit den Torlinien verbunden, lassen erst das eine, dann das andere Gehäuse ins Wasser.
Vorteile des neuen Spielfelds
Das neue Spielfeld bietet dem Verein Vorteile. „Mit dem neuen Feld können wir nicht nur längs, sondern auch quer im Becken spielen“, erzählt Thorsten Preuß, Trainer des Zweitligisten. „Wir können die Leinen einfach umstecken.“ Das sei mit dem alten Feld nicht möglich gewesen. Zudem seien die Zwei-Meter-Linien links und rechts des Tores nun rot. Und damit eine Hilfe für die beiden Schiedsrichter: In den Zwei-Meter-Bereich dürfen die Wasserballer nur hineinschwimmen, wenn sich dort der Ball befindet oder der Ball von außen nach innen gespielt wird. Diese Regel sei zum Schutz des Torwarts gedacht, sagt Peter Jacqué, Coach der SCN-Wasserball-Junioren. Der neue Bereich heiße nun Torraum.
Mittlerweile ist es 13 Uhr. Noch eine Stunde bis Spielbeginn. Eine Stunde vor Spielbeginn sitzt der Gegner in einer Ecke des Bades zusammen und bespricht seine Strategie für die anstehende Partie. Und noch immer sind nicht alle Leinen im Wasser.
30-Sekunden-Uhren
Nicht nur das neue Feld bereitet den Neustadtern kleine Sorgen. Auch der Stecker einer der vier 30-Sekunden-Uhren lässt sich nicht einstöpseln – die Uhren zeigen die verbleibende Angriffszeit an. Spieler Tim Schwarzkopf probiert es mehrere Male in dem Kasten unter einem Lichtmast im Stadionbad. Dann ruft er Peter Kuhn hinzu. Doch auch er kriegt es nicht hin.
Für Schiedsrichter Michael Staehle aus Stuttgart kein Problem: Er schreitet am Becken entlang, kontrolliert Spielfeld, Tore, Ersatzbänke. „In der Zweiten Liga heißt es ,mindestens zwei Uhren’ – und jetzt sind es hier drei.“ Eine Auswechselbank schiebt er ein wenig nach hinten, denn „die Bänke müssen hinter der Torlinie stehen“. Dass er Löcher in Tornetzen finde, komme immer wieder mal vor, „denn manchmal sind die Schüsse so stark“. Zur Not werde ein defektes Netz schnell mit Kabelbindern repariert. Zumindest die Netze bereiten den Neustadtern keine Probleme.
Kontrolle des Schiedsrichters
Ist das Spielfeld kontrolliert, geht der Unparteiische an den Protokolltisch, an dem die Kampfrichter Platz nehmen. „Stehen Spieler, Betreuer im Protokoll, haben die Kampfrichter Lizenzen?“ Das alles überprüfe er. Um mit seinem Kollegen Daniel Waas während einer Partie von der einen Beckenseite zur anderen kommunizieren zu können, tragen beide Unparteiischen Funkgeräte.
Ende gut, alles gut: Sogar die vierte 30-Sekunden-Uhr funktioniert, als die Partie beginnt. Und die Neustadter Akteure sind zuvor rechtzeitig im Wasser, um sich aufzuwärmen. Ihr Gefühl, lieber auf die alten Tore zu werfen, hat sie nicht getrügt: Sie siegen ungefährdet mit 11:7. Bevor sie ihren Erfolg aber feiern, müssen sie Spielfeld und Protokolltisch wieder abbauen, Stühle und Bänke aus dem Moby Dick transportieren ...