Neustadt
Sanierung des Hauptbahnhofs: Bahnchef sagt Unterstützung zu
Bahnmitarbeiter und viele Ehrenamtliche sitzen oder stehen im Pfalzbahn-Museum am Hauptbahnhof Spalier, als Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, über Gleis 5 einläuft. Jetzt ist erst mal „Abklatschen“ angesagt, was nicht nur die Eisenbahner, sondern auch ihren Chef sichtlich freut. „Wenn einer aus der Heimat Bahnchef ist, ist alles gut“, hatte es Thomas Friedrich vorab formuliert.
Wie Lutz stammt Friedrich aus der Westpfalz, ebenso sein Kollege Volker Hotz. Zusammen haben die beiden 79 Jahre im Dienst der Bahn auf dem Buckel. An diesem besonderen Freitag sorgen sie als Mitarbeiter von Station und Service Kaiserslautern dafür, dass auf Gleis 5 alles rund läuft. Hotz kann sich noch an die Zeit erinnern, als der Vater von Richard Lutz Lehrmeister im Ausbesserungswerk war.
Auf Dampfwolke 7
Gegen 14 Uhr trifft der zukunftsweisende Akku-Zug aus Ludwigshafen ein. An Bord hat er neben normalen Fahrgästen viel Prominenz anlässlich des Festauftakts „175 Jahre Eisenbahn in Rheinland-Pfalz“. Im Hauptbahnhof sorgt das für Gleisänderungen – und Irritationen. Zum Glück können auch Hotz und Friedrich schnell weiterhelfen.
Auf Dampfwolke 7 schwebt derweil Klaus Schwehm. 16 Jahre lang hat der 81-Jährige als Lokführer in der „Speyerbach“ gestanden, um das Kuckucksbähnel gut nach Elmstein und zurück zu bringen. In seiner Uniform ist er ein fast so begehrtes Fotomotiv wie Bahnchef Lutz und Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Derweil will Eisenbahner Hotz wissen, wer der Mann mit der dicken Kette ist: Oberbürgermeister Marc Weigel hat seinen Amtsschmuck umgelegt, wie immer, wenn sich Gäste ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Doch das kommt ganz am Ende der Reden im Lokschuppen.
Für alle Sinne, auch die Nase
Dort steht die Lok Nummer 58 311 schon seit Stunden unter Dampf. Schließlich soll der Jubiläumsauftakt ein Fest für alle Sinne werden. Lutz wird das Setting im Pfalzbahn-Museum in seiner Rede denn auch als „atemberaubendes Ambiente“ bezeichnen. Und den Ehrenamtlichen um ihren Vorsitzenden Ralf Rudolph versichern, dass sie in ihm einen Unterstützer hätten, „der alles gibt, um das gemeinsame Erbe zu bewahren“.
Rudolph hatte daran erinnert, dass der Lokschuppen Anfang der 1970er Jahre fast der Abrissbirne zum Opfer gefallen wäre. Gerade die Ehrenamtlichen, allen voran sein Vorgänger Horst Kayser, hätten dies verhindert. „Heute“, so Rudolph an die Adresse von Lutz, „sind alle froh darüber, Sie sicher auch.“ In Anspielung auf das Jubiläum 200 Jahre Deutsche Bahn im Jahr 2035 hofft er auf Lutz’ Hilfe: „Es heißt ja, es geht kein Euro an Ihnen vorbei. Das wird übrigens auch über mich gesagt ...“
Sofort zugesagt
Zum ersten Mal ist der Bahnchef der Einladung zu einem regionalen Jubiläum gefolgt. Obwohl es immer schwer sei, einen Präzedenzfall zu schaffen, habe er keinen Moment gezögert. Nicht nur, weil er Pfälzer sei, könne er sich keinen besseren Platz als Neustadt und den Lokschuppen vorstellen, um dieses Jubiläum zu feiern: „Ein besonderes Fest in einem besonderen Bundesland an einem besonderen Ort.“ Überrascht wird er von seinem Cousin, der spontan nach Neustadt gekommen ist, und von seinem ihm unbekannten Namensvetter Richard Lutz, dem Leiter des Landesbetriebs Mobilität in Kaiserslautern.
Was den Oberbürgermeister als letzten Festredner fast ein bisschen sprachlos macht, ist das klare Bekenntnis des Bahnchefs zu den Bahnhofsgebäuden als solchen und zum Neustadter im Besonderen. Klar ist: Spätestens bis zur Landesgartenschau 2027 sollte nicht nur der Vorplatz, sondern auch das denkmalgeschützte Gebäude saniert sein. Doch wie überall, sind die Mittel knapp, während die Kosten explodieren.
Gemeinsam zum Erfolg
Die Bahnhöfe müssten wieder integraler Bestandteil des Stadtbilds werden, auch und gerade im ländlichen Raum, sagt Richard Lutz. Zudem könnten sie eine bedeutende Rolle als Mobilitätsdrehscheibe übernehmen. „Gemeinsam bekommen wir da etwas hin“, verspricht er dem Oberbürgermeister. Dieser nimmt ihn nicht nur sofort beim Wort, sondern beraumt auch gleich einen Termin für den Vollzug an: Toll wäre es, wenn schon bis zum Fahrplanwechsel 2024/25 und dem ab dann verbesserten grenzüberschreitenden Bahnverkehr auch der Neustadter Hauptbahnhof „poliert ist“. Doch gibt auch Weigel ein Versprechen ab: Neustadt werde weiterhin dafür sorgen, „dass Vorder- und Hinnerpälzer gut zusammenkommen“. Wirtschaft