Neustadt Riesling-Schorle und rätselhafte Rituale
«Maikammer». Es war eine Lesung mit überraschenden erotischen Momenten und einem abrupten Schluss: Im Rahmen der „KulTour 2017“ hatte die Ortsgemeinde Maikammer das Autoren-Duo Christian „Chako“ und Britta Habekost zur Lesung des zweiten Bandes ihres Krimis „Elwenfels 2 – Schorle für den Scharfschützen“ ins Weingut Dengler-Seyler eingeladen.
Der Riesling-Schorle stand schon bereit, selbstverständlich im Pfälzer Dubbeglas, wie es sich für einen in diesem Landstrich gehört. Die Habekosts freuten sich, wieder einmal in Maikammer sein zu dürfen und wollten gleich mal wissen, wer das erste Werk bereits kannte. Da war das Autorenduo ein wenig überrascht, dass es doch zu wenige bisher gelesen hatten. Das hatte Folgen: Sie lieferten noch eine Kostprobe ihres ersten Bandes gleich nach. „Wenn Pälzer do sind, dann mache mer kä Hochdeitsch“, meinte Chako, die Schlabbergosch, amüsant. Krimis abseits von sonstigem Regionalen wollen die Habekosts schreiben: „Mer packen alles noi, was Pälzer ausmacht.“ Er versprach nicht zu viel. „Warum Riesling-Schorle und Bratkartoffeln nicht geeignet sind als Grundlage für eine gespenstige Nacht“, war der Einstieg in den Leseabend unter freiem Himmel. Im Mittelpunkt: Elwenfels ist die fiktive, irgendwo hinter Deidesheim gelegene Ortschaft im Herzen des Pfälzerwaldes. Mit einem plätschernden Bach, einem Marktplatz und Brunnen, Weingut und dichtem Wald ringsherum. „Ein Dorf, wo man gerne leben täte“, sagte Habekost. Mit Witz, Charme, aber auch einer Portion Ironie führte Chako den Zuhörer nach Elwenfels als zentralem Schauplatz eines im doppelten Sinne „fantastischen“ Kriminalroman. Die spannende Geschichte handelt von einem Hamburger Privatdetektiv namens Carlos Herb, den es auf der Suche nach einem verschwundenen Großunternehmer in die pfälzische Provinz verschlägt. Neben dem Detektiv sind auch wieder die Originale Willi der Sägewerkbesitzer, Otto der Automechaniker und Karl der Pfarrer mit von der Partie. Beeindruckend der hörbuchreife Dialog des Autoren-Duos auf Pfälzisch und Hochdeutsch. Und damit beim Lesen niemand auf dem Schlauch steht: Für alle Nicht-Pfälzer sind die in Mundart geschriebenen „exotischen Oralklänge für Herz und Ohr“, wie Habekost formulierte, jeweils als Fußnoten ins Hochdeutsche übersetzt. „Verzähl ma nix“, so Chako, „hat beispielsweise nichts mit Rechnen zu tun“. Der Fortsetzungsroman beginnt weit entfernt am Hamburger Millerntor bei einem Fußballspiel des FC St. Pauli gegen den 1. FC Kaiserslautern. An einem Getränkestand begegnet Carlos Herb Jungs aus Elwenfels. Sie waren nicht nur wegen des FCK in den hohen Norden gereist, sondern auch, um den Privatermittler heimzusuchen. Zurück im pfälzischen Elwenfels, „wo die besten Menschen leben, die die Evolution hervorgebracht hat“, ist Herb umgeben von rätselhaften Ritualen und dem geheimnisvollen Wingert im Wald. Im siebten Kapitel des zweiten Bandes, „Eine magische Nacht, in der sich ein Pfarrer zum Druiden wandelt“, schilderte Britta Habekost, die mit Sprache, Gestik und Mimik eine ideale Ergänzung des Mundart-Comedians darstellte, die Begegnung zwischen Charlotte und Carlos. Da spielten auch überraschende erotische Momente, die Elwenfelser Rituale zur Rebblüte und nackte Winzerinnen eine Rolle. Britta las: „Carlos nahm das Feiern ringsum nur noch gedämpft wahr. Dabei entging ihm allerdings auch das Rascheln am Waldrand, wo sich zwei schwarze Gestalten durch das Unterholz entfernten ...“ Und an dieser Stelle klappten die beiden den Elwenfels-Krimi zu. „Wenn Sie wissen wollen, wie es weitergeht, dann lesen Sie das Buch“, sagte Christian Habekost lächelnd. Die Habekosts bereiten schon den dritten Band ihrer Krimi-Reihe vor, den sie für den Herbst 2018 angekündigt haben. „Wir haben noch genug Stoff“, versprach Chako, der am Ende mit einem Handkuss seiner Ehefrau für den Lese-Abend dankte. Dann stieß er mit einem Rieslings-Schorle mit ihr an.