Neustadt Riesenrad, Autos und viele Kinder
„Stop“. Der Befehl von Robert Weryko, Betriebsleiter am Riesenrad der Firma Göbel aus Worms, hallt durch die Leo-Loeb-Straße. Der Arbeiter, der gerade die Hydraulik des Fahrgeschäfts bedient, hält sofort inne. Gerade wollte er die zwei Pfosten, die später wie zwei gespreizte Beine die Narbe des Riesenrads halten werden, hochfahren. Aber da fehlt noch etwas. Die Sonne mit Gesicht, die den Mittelpunkt des Riesenrads ziert. Mit einem Lastwagen, auf dem hinten ein kleiner Kran befestigt ist, hebt Weryko die Sonne an, sodass sie zwei Arbeiter montieren können. Auch eine Gruppe Kindergartenkinder und ihre Erzieherinnen schauen sich das Spektakel ein wenig genauer an. „Wir sind heute ein wenig in Verzug“, stellt Gunther Metz fest. Er ist zuständig für die Organisation des Andechser Bierfestes. Noch schnell einen Maronenstand genehmigen, mit einigen Schaustellern oder anderen Standbetreibern die Bedingungen aushandeln ist sein derzeitiger Tagesablauf. Weryko, der inzwischen den Lastwagen verlassen hat, erklärt mit einem Schmunzeln: „Das ist immer so. Du kommst auf einen Platz. Da stehen 100 Autos. Sobald du aufbauen willst, sind 99 weg. Nur der eine, der noch da ist, steht genau da, wo du das Riesenrad hinstellen willst.“ Inzwischen hat sich die Lage aber normalisiert. Drei lange Anhänger haben die Riesenradarbeiter mit riesigen Schrauben und Muttern zusammengefügt und ausgerichtet. Sie bilden die Basis, auf der dann später alles stehen wird. „Jeder Anhänger wiegt mit den Materialien 30 Tonnen. Hinzu kommt noch ein Lastwagen, der das Kassenhäuschen und noch ein paar Gondeln bringt, die nicht mehr auf die anderen Anhänger gepasst haben“, erklärt Weryko. Das Riesenrad wiegt am Ende also rund 100 Tonnen. Aber erst einmal müssen alle Bestandteile an ihren Platz. Nachdem die zwei Stützpfeiler ausgefahren und mit großen Bolzen und Schrauben befestigt wurden, sind jetzt sozusagen die zahlreichen Doppelspeichen des Rads an der Reihe. Sie werden mit einer Seilwinde hochgezogen, an der Narbe befestigt und anschließend auseinandergezogen. Zwischen ihre Enden kommen lange Stahlrohre , die die Speichen untereinander verbinden. Sie verleihen dem Ganzen die Grundform eines Rads. Und so wächst das Riesenrad, als hätte jemand einen Stahlkuchen gleichmäßig geschnitten, die Teile nacheinander weggenommen und alles danach als Film rückwärts ablaufen lassen. Währenddessen telefoniert Metz mit dem Landkreisamt. Denn bevor jemand sich in die Gondeln des Riesenrades setzen darf, muss ein Sachverständiger das Fahrgeschäft erst einmal kontrollieren. „Wann seid ihr fertig“, fragt Metz Weryko. Der denkt erst einmal ein wenig nach und antwortet: „Am Vormittag. Aber nicht so früh.“ Man verständigt sich auf 11 Uhr, Metz zückt das Telefon und vereinbart den entsprechenden Termin. „Wir werden heute wahrscheinlich nicht ganz fertig“, erklärt Weryko. Nach den Verzögerungen am Morgen ist der Zeitplan ein wenig im Fluss. „Manchmal schaffen wir es an einem Tag. Aber morgen früh ist ja auch noch Zeit“, erklärt der Betriebsleiter. So werden wahrscheinlich die abschließenden Arbeiten wie das Anbringen diverser Absperrungen und das Aufstellen des Kassenhäuschens erst heute erfolgen. Andere Schausteller in der Leo-Loeb-Straße sind da derweil schon etwas weiter. Der Crêpes-Stand hat bereits seinen Platz gefunden, während ein Mann gerade seinen Anhänger, auf dem ein „Gebrannte Mandeln“-Schild prangt, einparkt. Im Büro von Gunther Metz stapeln sich derweil die Wasser- und Mezzo-Mix-Kisten. Dazwischen kommen immer wieder Mitarbeiterinnen der Gemeinde herein, um noch das eine oder andere Problem zum Andechser Bierfest zu erörtern oder am besten gleich zu klären. Der Aufbau des Riesenrads ruht. Mittagspause. Die Kindergartenkinder sind weitergezogen. Wirklich spannend wird es schließlich erst am Freitag, wenn das Andechser Bierfest eröffnet wird und sich das Riesenrad langsam dreht.