Neustadt Richtiger Mix und friedliche Atmosphäre

Mit dem Heimatabend im rappelvollen Hof beim Weingut Winning ist am Dienstag die Deidesheimer Weinkerwe zu Ende gegangen. Bilanz: Es ist weitgehend friedlich geblieben. Und der Besuch ließ auch nicht zu wünschen übrig: Der Sonntag war nach Auskunft von Standbetreibern der „stärkste seit zehn Jahren“, berichtet Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH Deidesheim.
Das gemischte Wetter kann als alleiniger Grund für den starken Besuch nicht herhalten. Wemhoener sieht den guten Mix, der sowohl jüngeres wie älteres Publikum anspreche, als entscheidend an. Und auf dem Weinfest, das zu den größten der Region gehört, sei auch das einheimische Publikum wieder stark vertreten. Das sei früher nicht immer so gewesen. Ein Beispiel dafür ist der Heimatabend, der am Dienstagabend die Weinkerwe beschließt. Stadtbürgermeister Manfred Dörr, der diesen Abend moderierte, freute sich darüber, dass viele Besucher dem Aufruf der Stadt gefolgt waren, in Dirndl und Trachten zu kommen. Mit einer Dirndlmodenschau des Deidesheimer Trachtenmodengeschäftes „Fräulein Großartig“, mit Bilder-Erinnerungen an die vergangene Fußball-WM und Mitwirkung der in die A-Klasse aufgestiegenen Deidesheimer Fußballer habe man wieder einige neue Akzente gesetzt. So jedenfalls sieht Dörr den anhaltenden Erfolg des Heimatabends begründet. Neben der Tradition – Blasmusik der Kolpingkapelle und dem Auftritt der Trachtenvolkstanzgruppe – gebe es auch immer wieder modernere Musik. So sei die Hiphop-Formation „Flying Donuts“ aus Neustadt, die Weltmeister geworden ist (wir haben am 13. August auf der lokalen Sportseite berichtet) schon vor Jahren beim Heimatabend vertreten gewesen. Zum Kerwe-Mix haben neben den zahlreichen Ständen in typischer Holzrahmenbauweise in der „Woigass“ (Bahnhofstraße) auch die Weingüter und Anbieter von kulinarischen Spezialitäten rund um die Bühne auf dem Stadtplatz sowie das erweiterte Angebot der Deidesheimer Weingüter mit breit gefächertem musikalischem Programm beigetragen. Da gibt es viele, die ihr Stammpublikum haben, wissen Wemhoener und Dörr. Und bei den Weingütern, die nach längerer Pause wieder dabei waren oder erstmals ein Angebot machten, ist Dörr zuversichtlich, dass auch sie sich ihr Kerwepublikum „wieder erobern werden“. Wie berichtet, haben sich alle Weingüter an der Weinstraße diesmal an der Kerwe beteiligt. Als ganz wichtig wertet Wemhoener die friedliche Atmosphäre des Festes. Das Konzept, die Weinkerwe auf mehr Qualität und mehr Ruhe umzustellen, habe sich ausgezahlt. So hätten Polizei, Ordnungsamt und ein privater Sicherheitsdienst auch dafür gesorgt, dass die Öffnungszeiten der Ausschankstellen und die Zeitbeschränkungen für Livekonzerte „bis auf ein, zwei kleine Ausreißer“ eingehalten worden seien. Wie berichtet, hatte die Polizei am ersten Kerwewochenende keine größeren Vorkommnisse gemeldet, und am zweiten Wochenende drei Fälle von Körperverletzung. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Ordnungsamt und Sicherheitsdienst werde jedes Mal vor der Kerwe eingehend besprochen, sagt Dörr. Und auch da müsse man immer wieder nachjustieren. In diesem Jahr habe es Verzögerungen beim Eingreifen gegeben, als an einem Stand ein rabiater Kerwebesucher handgreiflich wurde. Ziel müsse sein, auch das zu verbessern und künftig für ein schnelleres Eingreifen zu sorgen. Auch Dörr wertet das Deidesheimer Kerwekonzept als erfolgreich. Es wurde vor zehn Jahre geändert, nachdem es am Stadtplatz immer wieder zu Ausschreitungen gekommen war. Vor allem das ausufernde und lautstarke Feiern bis in die frühen Morgenstunden ist damals abgestellt worden. Damit müsse man auch konsequent bleiben, so Dörr. Mehr Wert auf Genuss legen und auch darauf achten, dass zu später Stunde nicht zu laute und aggressive Musik gespielt werde, sind laut Wemhoener weitere Bausteine dieses Konzepts. Aus Sicht der Stadt bleibt allerdings auch das Thema, die Belastung des städtischen Haushalts durch die Kerwe zu verringern. Die Standgebühren sind in diesem Jahr um zehn Prozent erhöht worden, für nächstes Jahr ist nochmals ein Aufschlag von zehn Prozent beschlossen. Denn die Stadt wird bei ihrem defizitären Etat von der Aufsichtsbehörde gedrängt, freiwillige Leistungen – und das sind Kerwe-Zuschüsse – zu reduzieren. (ff)