Wasserball
Rettungsring nicht nötig: Eulen Ludwigshafen trainieren mit dem SC Neustadt
Handball-Zweitligist Eulen Ludwigshafen ist zu Gast bei den Wasserballern des SC Neustadt im Stadionbad. Zu einem Training mitsamt Spiel im Wasser. „Handball ist eine fürs Publikum attraktive, schnelle, technisch hochwertige und körperbetonte Sportart. Es geht hart her, aber man versteht sich auch schnell wieder. Es gibt viele Parallelen zum Wasserball, aber auch Unterschiede“, stellt SCN-Manager Michael Heinz fest. Der Kontakt zu den Eulen besteht schon lange: So gab es einmal von den Handballern für die Wasserball-Jugend Unterricht im Handball. Und das Eulen-Team war auch schon Gast im Stadionbad als Zuschauer eines SCN-Heimspiels. Heinz bot daher den Eulen an, auch einmal eine andere sportliche Erfahrung zu machen.
Heinz geht dabei mit sichtlicher Freude ans Werk. Zunächst überrascht er die Gäste mit dem modernen elektronischen Taktikboard und mit Videos von der momentanen Wasserball-Europameisterschaft mit 16.000 Zuschauern in Belgrad.
Geforderte Eulen
Doch dann wird es ernst im Stadionbad. Die Eulen geben zwar auch in der Badehose eine gute Figur ab, doch das Schwimmtraining geht an die Substanz. Marc-Robin Eisel, Spieler der Eulen und Trainer der Handballerinnen in der TSG Haßloch, ahnt schon vorher Schlimmes: „Wir werden sehr gefordert werden. Zwar werden die Bänder im Wasser geschont, aber es ist einfach ein fremdes Element.“ Vielleicht hat aber auch schon Christian Hasert, Betreuer der Eulen, von seinen eigenen Erfahrungen berichtet. „Es war vor rund 15 Jahren, da haben wir bei Vorwärts Ludwigshafen mal trainiert. Nach dem Einschwimmen waren wir schon platt“, verrät er. Zuversichtlich fügt er hinzu: „Aber ich glaube, unsere Jungs können alle schwimmen.“
Friedrich Schmitt fällt auf
Nun, einen Rettungsring brauchte niemand. Ein Spieler fällt besonders auf. Er ist bei allen Aufgaben der schnellste Schwimmer und bringt auch eine passable Technik beim Kraulen ins Wasser. Und er hat noch genügend Luft, um zwischendurch sein Geheimnis zu lüften. Friedrich Schmitt hatte in der Jugend acht Jahre Schwimmtraining. Der 21-Jährige, 2,07 Meter groß, betont: „Es hat Spaß gemacht. Ich kann die Technik, und die Ausdauer habe ich auch noch. Zwei Jahre lang habe ich neben Handball auch Schwimmen trainiert.“ Dann habe er sich aber, dank der familiären Vorbelastung, sein Vater hat ebenfalls Handball gespielt, vollständig dem harten Hallenboden zugewendet.
Eisel fehlt die Luft
Keine Arbeit hat an diesem Abend übrigens Eulen-Physiotherapeut Rolf Bellmann. Er ist in jedem Hallentraining anwesend. „Die Wurfbewegung ist ähnlich, auch wenn es ein anderes Werfen ist, als sich normal auf dem Hallenboden abzudrücken. Beim Handball ist einfach der gesamte Körper gefordert, überall sind daher Verletzungen möglich“, sagt er. Doch das Wasser ist letztlich sanft zu den Körpern der Handballer. Michael Heinz, der das Training leitet, muss aber manches Schmunzeln unterdrücken. Nach 20 Minuten zeigen sich die ersten Anzeichen von Erschöpfung. Linksaußen Kian Schwarzer gesteht: „Die Arme sind schlapp, es ist eine ungewohnte Bewegung, sehr anstrengend.“ Marc-Robin Eisel „fehlte manchmal die Luft“.
SCN-Spieler Tim Schwarzkopf führt das „Wassertreten“ vor, damit die Spieler die Stabilität erhalten, um auch einen Pass im Wasser zu fangen. Und der Tipp, sich mit einer Hand „aus dem Wasser abzudrücken“ scheint dann doch zur physikalischen Unmöglichkeit zu werden – Wasser hat bekanntlich keine Balken.
Nur wenige Treffer
Nach rund 30 Minuten gibt es „endlich“ einen Ball in die Hand. Die Mienen der Eulen, die ohnehin mit viel Lachen und Spaß dabei sind, hellen sich noch mehr auf. Endlich etwas Vertrautes in der Hand. Doch das Volumen eines Wasserballs ist wesentlich größer als das des kompakten Handballs. Auch wenn die Spieler richtig gut „abziehen“ bei ihren Schüssen, gibt es im Schusstraining nur wenige Treffer. Jedes Tor gegen den jüngsten Keeper des SCN, den 14-jährigen Eric Lindenau, wird daher laut von den Eulen bejubelt.
Die beiden Handball-Keeper, Mats Gruppe und Ziga Urbic, absolvieren mit den anderen SCN-Keepern ein kleines Torwart-Training. Für sie ist es schwierig, sich aus dem Wasser hochzuschrauben. Zum Abschluss folgt ein lockeres Trainingsspiel gegen ein gemischtes SCN-Team mit Spielern der U14, U16, U18 und aus der Dritten Liga. Die erste SCN-Mannschaft absolvierte am Freitag eine Trainingspartie in Cannstatt und war deshalb nicht dabei im Stadionbad.
Mit Radarpistole
Interessant auch die Radarpistole, mit der die Wurfgeschwindigkeiten ermittelt wird: Die Handballer schaffen an Land mit ihrem Sportgerät eine Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern. Im Wasser kommen sie auf 67 Sachen. Die SCN-Spieler feuern ihre Schüsse mit 70 bis 80 Sachen ab. Die Spitzenspieler im Wasserball erreichen sogar bis zu 90 Stundenkilometer.
Beim gemütlichen Beisammensein im Anschluss ans Wassertraining landet die Gegeneinladung zum Hallenhandball-Training auf dem Tisch. Heinz blickt bereits besorgt in die nahe Zukunft. Er sagt: „Klebstoff an den Händen, kleine Bälle, Spurt in der Halle. Ich weiß es jetzt schon: Wir werden uns fühlen wie ein Fisch ohne Wasser.“