Neustadt Rennhummeln nicht gefragt
Der Verein der Neustadter „Motorradfreunde“ feiert seinen Vierzigsten. Wenige Tage vor dem Hambacher Bikerfest, bei dem am Wochenende wieder gegen die Diskriminierung der Motorradfahrer demonstriert wird, nutzt die eingeschworene Truppe die Gelegenheit, um mit Vorurteilen aufzuräumen, von damals und heute zu erzählen und natürlich zu ihrem großen Geburtstagsfest am 19. August einzuladen.
Im Maxburg-Lokal fing 1977 alles an. Nach den ersten ungezwungenen Treffen der „Ur-Mitglieder“, von denen einige noch dabei sind, war den Motorradfreunden klar: „Wir gründen einen Verein.“ Das passende Clubheim war zunächst in Edenkoben schnell gefunden. Die optimale Lösung allerdings bot sich dann vor 15 Jahren, als der TV Gimmeldingen seine Örtlichkeiten oberhalb des Leibniz-Gymnasiums anbot. Ohne lange zu zögern, willigten die damals mehr als 60 Vereinsmitglieder ein, ganz einfach „wegen der bombigen Lage“, erzählt der zu diesem Zeitpunkt noch Vorsitzende und heutige Ehrenpräsident Thomas Lorch. Großer Pluspunkt des Vereinsheims in den höheren Lagen der Karolinenstraße: Dort lassen sich ungestört fröhliche Feste feiern. Denn natürlich steht bei den Motorradfreunden das Fahren, ohne Zweifel aber auch das gesellige Beisammensein im Mittelpunkt. An lauen Sommerabenden sitzt man gemütlich im Freien zusammen, feiert Partys mit Livemusik oder veranstaltet für die Kinder Nachtwanderungen mit Übernachtung und Stockbrot-Grillen. Altersmäßig ist die Gruppe der Motorradfreunde bunt gemischt: Jüngstes Mitglied ist der fünfjährige Tim, Vereinsältester der 80-jährige Otto aus Frankenthal. Aber nicht nur Männer, auch viele Frauen sind aktiv. Sally Schneider etwa schätzt „die familiäre Atmosphäre hier“. Bei den gemeinsamen Ausfahrten wird deutlich: Jeder achtet auf jeden, es wird sich umeinander gekümmert. Für die Schutzausrüstung beispielsweise ist zwar jeder selbst verantwortlich, kommt aber einer in Jeans oder gar kurzen Hosen daher, sagt Motorradfreundin Corinna Acker deutlich: „So nicht!“ Kutten sind im Verein dagegen Fehlanzeige. „Wir wollen nicht als Rocker abgestempelt werden“, erläutert Vorstand Maik Schiwy. Gemeinsames Erkennungsmerkmal ist daher schlicht ein türkisfarbenes T-Shirt mit eigenen Logo. Auf die Piste geht es für die Motorradfreunde üblicherweise zwischen März und Oktober. Dann stehen Fahrten nach Frankreich, Belgien, Luxemburg oder durch die Vogesen an, frei nach dem Motto: „Motorradfahren macht Spaß, in der Gruppe aber noch viel mehr“, so Schiwy. Zu Unfällen ist es in den vier Jahrzehnten Vereinsgeschichten so gut wie kaum gekommen. Das mag an dem regelmäßigen Fahrtraining liegen oder an dem angepasstem Tempo, mit dem die Neustadter unterwegs sind. Oder wie Erich Acker, der seit 2002 dabei ist, zu sagen pflegt: „Bei uns sind keine Kurvenbrenner oder Rennhummeln dabei.“ Der zweite Vorsitzende genießt die „Blümchenpflücker-Touren“, wie er sie liebevoll nennt, auf einer etwas größeren, gemütlichen Maschine. In jüngeren Jahren sei er mit einem schnittigeren Modell unterwegs gewesen, erzählt der Niederkirchener. Apropos Maschine: Wer diese einmal zu Fall bringt, wird mit dem „Schrottlerkolben“ des Vereins gebrandmarkt. Den gilt es, befestigt an einer Fahrradkette, bis genau zu dem Zeitpunkt um den Hals oder mindestens bei sich zu tragen, bis der nächste Unglücksrabe sein Gefährt umwirft. Aktuell wird diese fragliche Ehre Jonathan Schneider zuteil, der sein Motorrad in der Einfahrt zum Vereinsheim abgestellt hatte und dann ein lautes Krachen vernehmen musste. Immerhin: Hilfe war dann schnell zur Stelle, da der Verein regelmäßig Schraublehrgänge anbietet und die meisten ihre Motorräder selbst reparieren können. Hilfe lässt der Verein auch anderen zukommen. Zum Jubiläum in diesem Jahr spendet er die selbst erwirtschafteten Catering-Einnahmen aus einem Frühlingsfest in Landau dem Kinderschutzbund Neustadt/Bad Dürkheim für dessen Projekt „Frühe Hilfen“. Auch ihre eigene Jugendarbeit wollen die Motorradfreunde in Zukunft verstärken. Mit der zehnjährigen Sina etwa, die später zumindest den Roller-Führerschein machen will, oder dem zwölfjährigen Elias, der sich eine Yamaha wünscht, ist der Grundstein bereits gelegt. Info Sommerfest der Motorradfreunde Neustadt anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens am Samstag, 19. August, ab 18 Uhr auf dem Vereinsgelände in der Karolinenstraße 99.