Neustadt Reisen für alle in Neustadt und Bad Dürkheim

Hält die Fäden in der Hand: Projektmanagerin Theresa Ott.
Hält die Fäden in der Hand: Projektmanagerin Theresa Ott.

Als Modellregion für barrierefreien Tourismus wollen der Landkreis Bad Dürkheim und die Stadt Neustadt nun alles geben.

Theresa Ott kennt das Problem zwar noch nicht aus eigener Erfahrung, beschäftigt sich aber schon lange damit: Die 23-Jährige aus Unterfranken hat Gesundheitsförderung studiert, das Thema ihrer Bachelorarbeit lautete Barrierefreiheit und Tourismus. Im Januar nun bezog sie ihr Büro im Gebäude der Stiftung Bürgerhospital in Deidesheim. Von dort aus steuert sie als Projektmanagerin „Tourismus für alle“ all das, was der Kreis Bad Dürkheim und die Stadt Neustadt dazu auf den Weg bringen wollen. Den Anfang macht eine Veranstaltung für Gewerbebetriebe im Saalbau. Jeder ist willkommen – vom Hotelier über den Gastronomen bis zum Einzelhändler. Neustadt und der südliche Teil des Landkreises sind gemeinsam eine von zehn Modellregionen für barrierefreien Tourismus in Rheinland-Pfalz (wir berichteten). Bis 2020 stehen zehn Millionen Euro an europäischen Fördermitteln bereit mit der Option, dass auch danach noch Geld fließt. Bis zu 40 Prozent Investitionszuschuss können es beispielsweise im gewerblichen Bereich sein, bis zu 85 Prozent bei öffentlichen Maßnahmen. So soll auch ein Zuschuss für das neue Infotafel-System der Neustadter Touristik beantragt werden. „Wir sind bereit, loszulegen“, erklärten Oberbürgermeister Hans Georg Löffler und Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld gestern. Soll heißen: Maßnahmen planen und dafür so viele Fördermittel generieren wie möglich. Ihlenfeld hofft dabei auf ein funktionierendes Netzwerk aller Beteiligten, dem es gelingt, für die Region das Beste herauszuholen. Warum Gäste mit einer Einschränkung so attraktiv sind, belegte Projektmanagerin Ott mit Statistiken: Demnach sind sie unter anderem treuer als andere Touristen, bevorzugen Deutschland als Reisegebiet und nutzen gerne die Nebensaison. Hinzu komme, dass viele von ihnen bislang nicht reisen, entsprechend groß sei das Potenzial an neuen Gästen. Das Internet sei auch hier wichtig: Ott ist daher gerade dabei, die Homepage www.deutsche-weinstrasse.de/barrierefrei entsprechend zu gestalten. Am Ende soll ein Besucherlenkungskonzept alle Bereiche umfassen, die für Touristen wichtig sind, und dabei eine Servicekette mit Barrierefreiheit als Standard ausweisen. Was zudem allen Gästen nutzen würde. Zu den Bereichen zählen laut Expertin Nahverkehr, Gastronomie, Hotellerie, öffentliche Info-Stellen, Wanderwege und mehr. Bauliche Maßnahmen bei den Gewerbetreibenden wären die eine Sache, das Sehenswerte für viele erlebbar zu machen die andere. So sollen Wanderwege auf ihre Barrierefreiheit geprüft und dabei jene verbessert werden, bei denen es sich lohnt. Wichtig wäre zudem deren einheitliche Beschilderung, ergänzt durch Audio- und Videoguides mittels App. Dazu gehören soll eine verbesserte Information: Wie komme ich vom Bahnhof an die Tourist-Info oder zum öffentlichen WC? Am Ende kann ein zusätzlicher „Erlebnistrail“ durch die gesamte Region stehen, ein besonderes Ereignis, „sei es nun ein Wanderweg, das Kuckucksbähnel oder überhaupt die guten Zugverbindungen“, so Ott. Sie hält zudem Kontakt zu ihren Kollegen der Nachbar-Modellregionen, wie der Südlichen Weinstraße. Bundesweit einheitlich soll es bei einer möglichen Zertifizierung barrierefreier/barrierearmer Betriebe zugehen. Diese kostet beim ersten Mal 165 Euro und müsste alle drei Jahre für 79 Euro erneuert werden. Über die Kennzeichnung „Barrierefreiheit geprüft“ können sich potenzielle Gäste dann schnell ein eigenes Bild machen – unter anderem im Internet bei gastlandschaften.de oder reisen-fuer-alle.de. Einwurf Kontakt Theresa Ott, Telefon 06326/972-160, E-Mail ott@deutsche-weinstrasse.de, deutsche-weinstrasse.de/barrierefrei

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