Neustadt / Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Reich beschenkt im armen Land: Was ein Pfälzer im Tschad erlebt hat

Claus Weißenmayer ist im Tschad reich beschenkt worden – unter anderem mit einem Rind. Pater Guillaume Tindo kümmert sich um die
Claus Weißenmayer ist im Tschad reich beschenkt worden – unter anderem mit einem Rind. Pater Guillaume Tindo kümmert sich um die Schule in Colon.

Der Tschad ist kein sicheres Land. Trotzdem ist ein Mann aus Schifferstadt hingeflogen, um bei einer Schulweihe dabei zu sein. Deren Bau haben Pfälzer Spender ermöglicht.

Das Auswärtige Amt rät vor Reisen in den Tschad ab. Claus Weißenmayer aus Schifferstadt (Rhein-Pfalz-Kreis) ist trotzdem hingeflogen – und er ist in diesem armen Land in Zentralafrika reich beschenkt worden: Er ist jetzt Besitzer eines Rindes und eines Schafes, von Hühnern und Enten – und hat die lebenden Gaben im Tschad zurückgelassen. Denn was soll er, ein 58-jähriger Controller aus der Pfalz, zu Hause mit den Tieren anfangen? Mal abgesehen davon, dass es schwierig sein dürfte, Rind und Schaf im Flugzeug zu transportieren.

Und doch zeigen diese Geschenke: Die Menschen, die Weißenmayer im Tschad getroffen hat, wollten ihm ihre Dankbarkeit zeigen und ihm Gastfreundschaft erweisen. Denn der Schifferstadter Katholik war als Vertreter deutscher Spender zur Einweihung einer Schule der katholischen Herz-Jesu-Priester gereist, die mit Geldern (vor allem) aus der Pfalz gebaut worden war. Die Spendensammlung wurde vom Herz-Jesu-Kloster in Neustadt organisiert. Es ist eine Schule mit gemauerten Wänden und einem festen Dach – zur Weihe des Gebäudes mit Gesang und Tanz kam sogar der Bischof des Bistums Lai im Süden des Tschads angereist.

Für die Eröffnung der Schule schneidet der Gast aus Deutschland ein weißes Band durch: Das Foto zeigt Claus Weißenmayer mit Bisc
Für die Eröffnung der Schule schneidet der Gast aus Deutschland ein weißes Band durch: Das Foto zeigt Claus Weißenmayer mit Bischof Nicolas Nadji Bab.

„Das kann nicht bei Lippenbekenntnissen aufhören“

Claus Weißenmayer ist kein Pater, sondern arbeitet als verantwortlicher Controller beim Automobilzulieferer Tenneco in Edenkoben (Kreis Südliche Weinstraße), aber die Anliegen der Herz-Jesu-Priester unterstützt er als Spender aus einer „christlichen Grundhaltung“ heraus seit Jahren: Man habe als Christ eine Verantwortung, nicht nur an sich zu denken, sondern auch etwas für andere zu tun, findet er. „Das kann nicht bei Lippenbekenntnissen aufhören.“ Für ihn sei das soziale Engagement auch ein „Kontrast zur Arbeitswelt, die stärker finanzgetrieben ist“.

Nun ist der Tschad eines jener Länder, von denen die meisten Menschen wahrscheinlich nur selten hören: Das Land in Zentralafrika ist dreieinhalbmal so groß wie Deutschland, die Menschen sind arm, die Militärregierung ist korrupt – und für Kinder gibt es wenig Chancen. Weißenmayer sagt: Bei seinem Besuch habe er überall Kinder gesehen – „zu einer Tageszeit, zu der sie eigentlich in der Schule sein sollten“. Staatliche Schulen gebe es vor Ort nicht: „Das ganze Geld läuft ins Militär.“

Das Leben im Tschad ist eine Herausforderung

Im Tschad arbeiten sieben Herz-Jesu-Priester aus dem Nachbarland Kamerun. Und Pater Gerd Hemken vom Kloster in Neustadt sagt: Kamerun sei arm, aber selbst für die Patres aus diesem Land sei das Leben im Tschad eine Herausforderung: „Sie gehen in die absolute Armut hinein.“ Hemken wollte eigentlich Ende Oktober mit zur Einweihung der Schule in den Tschad fahren, wurde aber krank.

Der Pater ist Missionsprokurator, er sammelt in der Deutschen Ordenszentrale der Herz-Jesu-Priester in Neustadt Spenden für Programme seiner Mitbrüder in 46 Ländern dieser Erde. 1,5 Millionen Euro kommen pro Jahr zusammen, das Geld wird für die Ausbildung von Priestern, für Hilfe in der Ukraine, für Schulprojekte und Brunnenbauten genutzt.

Die Deutschen spenden weiter

Trotz der schlechter werdenden wirtschaftlichen Lage spendeten die Deutschen weiterhin viel, sagt Hemken. Wichtig sei, dass die Projekte „gut, sozial und transparent“ sind. Hemken beobachtet, dass sich die hohe Anzahl an Kirchenaustritten nicht negativ auf die Spendenbereitschaft auswirke, im Gegenteil: „Viele Menschen, die ausgetreten sind, wollen trotzdem etwas Gutes tun und spenden für Projekte.“ Für die Schule im Tschad, deren Besuch pro Jahr 50 Euro kostet, gibt es bereits 103 Schulpatenschaften – das heißt: Menschen in Deutschland übernehmen die Kosten. Und auch dem Ziel, in jedem der 69 Orte der von den Herz-Jesu-Priestern geleiteten Pfarrei Sacré-Cœur de Colon im Süden des Tschads einen Brunnen zu bauen, nähere man sich Schritt für Schritt: 19 Brunnen sind schon gebaut, der Rest soll in den nächsten Jahren folgen. „Ein ganzes Dorf hat fließendes Wasser, weil ich 2500 Euro gespendet habe“ – dieser Gedanke sei für die Spender eine gute Motivation, sagt Hemken, der Name des Spenders werde auf einer Plakette am Brunnen angebracht.

Zur Eröffnung der neuen Schule kamen über 1000 Menschen aus der ganzen Umgebung.
Zur Eröffnung der neuen Schule kamen über 1000 Menschen aus der ganzen Umgebung.

Nun wollen Spender ja, dass ihr Geld langfristig sinnvoll eingesetzt wird und die Menschen vor Ort ihrer Verantwortung nicht beraubt werden. Diesen Punkten, sagt Hemken, versuchten die Spendenorganisationen der katholischen Kirche Rechnung zu tragen – so hat beispielsweise das Bischöfliche Hilfswerk Misereor ein langes Konzept über die Entwicklungszusammenarbeit veröffentlicht, in dem beschrieben wird, wie Korruption – dazu zählen auch Gefälligkeiten oder der Missbrauch von Macht – verhindert werden soll. Auch die Herz-Jesu-Priester fordern ein solches Antikorruptionskonzept ein. Doch genauso wichtig sei es, die Projekte engmaschig zu begleiten, vor Ort präsent zu sein und gemeinsam etwas zu entwickeln, findet Hemken.

Viele Kinder schlafen neben der Schule

In Colon gab es vor dem Bau der neuen Schule schon eine Grundschule für rund 360 Kinder. Die weiterführende Schule, die jetzt für 160.000 Euro aus Stein gebaut worden ist (vorher gab es eine Freiluft-Schule mit Matten), baut darauf auf. Derzeit besuchen 158 Kinder in den Klassenstufen 6 bis 9 die Einrichtung, sie werden von zehn Lehrkräften unterrichtet. Das Ziel ist es, 350 Kinder zu beschulen. Um die Schule in Colon zu besuchen, nehmen die Kinder lange Fußwege auf sich. 61 von ihnen schlafen auch vor Ort, wie Pater Guillaume Tindo berichtet, der mit seinen zwei Mitbrüdern in der vor etwa 15 Jahren gegründeten Missionsstation die Kinder betreut und auch in der Schule unterrichtet: „Die Kinder sind hier, weil sie aus sehr abgelegenen Dörfern kommen und zur Schule gehen möchten. Andere sind hier, weil ihre Familien nicht genug Geld für die Schule haben, und wir kümmern uns um sie.“

Die neue Schule in Colon im Süden des Tschad.
Die neue Schule in Colon im Süden des Tschad.

Weißenmayer hat die Unterkunft gesehen und sagt: „Die Kinder schlafen auf Strohmatten.“ Das Ziel sei jetzt, Stockbetten für sie kaufen zu können. Und weil Claus Weißenmayer von Berufs wegen mit Jahresplänen arbeitet, hat er mit Pater Hemken für die Missionsstation im Tschad einen Drei-Jahres-Plan erstellt: Der Bau der restlichen 50 Brunnen steht darauf, die Gründung einer Nähschule für die Schulabgänger und der Aufbau einer Solarstrom-Anlage, damit die Missionsstation energietechnisch unabhängig ist. Die Patres leisteten tolle Arbeit, sagt Weißenmayer nach seinem Besuch in der 400 Kilometer von der Hauptstadt N’Djamena entfernten Region: „Ich habe einen Heidenrespekt.“ Denn schließlich hätten sie dort eine große Verantwortung: das Leben der Kinder besser zu machen. „Ich würde es als Leuchtturm-Projekt bezeichnen“, sagt Weißenmayer – der sich bei seinem einwöchigen Aufenthalt im Tschad übrigens immer sicher gefühlt hat.

Termin

Claus Weißenmayer berichtet am Freitag, 21. November, 19 Uhr, im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt über die Tschadreise. Das Kloster in Neustadt ist die deutsche Ordenszentrale (zehn Patres, ein Frater) der Herz-Jesu-Priester. Der katholische Männerorden ist mit 38 Ordensleuten in fünf Klöstern in Deutschland vertreten.

x