Neustadt Rehhagels seriöser Übersetzer

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Niederkirchen. Es gibt Menschen, denen man stundenlang zuhören kann, wenn sie aus ihrem Leben berichten. Um einen solchen handelt es sich zweifellos beim griechischen Fußballtrainer Ioannis Topalidis (53), Europameister mit Griechenland 2004, der seit Mittwochabend dem Training des Frauenfußball-Zweitligisten 1. FFC Niederkirchen beiwohnt.

Beeindruckt lauschen die Niederkirchener Spielerinnen den Ausführungen ihres Trainers Niko Koutroubis, als er ihnen Topalidis vorstellt und letzterer anschließend Auszüge aus seinem Lebenslauf preisgibt. Wann begegnet man schon einmal einem Fußballlehrer, der 2004 als Cotrainer der griechischen Nationalmannschaft mit dem Gewinn der Europameisterschaft in Portugal zu einer der größten Sensationen in der Sportgeschichte beigetragen hat? Anlass für den dreitätigen Besuch des in Athen wohnenden Griechen ist die langjährige Freundschaft zwischen ihm und FFC-Coach Niko Koutroubis. „Ich habe einige Zeit in Sindelfingen gewohnt und damals Niko kennengelernt. Wir haben seinerzeit auch zusammen in einer Hobbymannschaft gespielt“, erzählt Topalidis. Das war zu einer Zeit, als noch nicht zu erwarten war, dass er einmal das internationale Parkett betreten sollte. Nach einigen Stationen als Spieler im Raum Stuttgart begann er seine Trainerlaufbahn 1991 als Spielertrainer von Eintracht Esslingen, dem zwei weitere Engagements im Amateurbereich beim SC Geislingen und der TSG Backnang folgten. Der Sprung ins Profilager gelang ihm schließlich 1998, als ihn Hertha BSC Berlin als Scout verpflichtete. Die anschließende Zeit sollte jedoch der Höhepunkt seines beruflichen Werdeganges werden. „2001 rief mich Otto Rehhagel an, weil er für seinen neuen Job als griechischer Nationaltrainer einen Assistenten gesucht hatte. Wir haben uns dann getroffen und bis 2010 zusammengearbeitet“, berichtet Topalidis. „Unser erstes Spiel war in Manchester, wo wir gegen England 2:2 gespielt haben“, erinnert er sich. Es folgte die Qualifikation für die Europameisterschaft in Portugal mit dem sensationellen Titelgewinn. Mit Rehhagel qualifizierte er sich mit Griechenland auch für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz sowie für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. „Als Otto Rehhagel danach aufhörte, wollte mich der griechische Verband als Nachfolger verpflichten. Aber ich habe von vornherein gesagt, dass ich zusammen mit Otto aufhöre“, ergänzt er. Seitdem verbinde ihn mit Rehhagel eine enge Freundschaft. „Erst vor zwei Wochen haben wir uns wieder getroffen“, informiert Topalidis. Rehhagel habe an ihm sehr geschätzt, dass er mit ihm einen seriösen Übersetzer gehabt habe. „Otto hätte eigentlich gar nicht sagen müssen, was er der Mannschaft mitteilen wollte. Ich wusste irgendwann immer, was er wollte“, verdeutlicht er. Besonders stolz sei er gewesen, dass es außer ihm keine weiteren Assistenten gegeben habe. „Andere Vereine beschäftigen noch Torwart-, Konditionstrainer und noch andere. Wir haben alles nur zu zweit gemacht“, sagt er stolz. Nach anschließender Tätigkeit in Zypern war er zuletzt im Iran als Trainer aktiv. „Die Bedingungen waren dort sehr schwierig, auch weil ich nicht wie Rehhagel mit mir einen seriösen Übersetzer hatte. Es war aber schon ein Erlebnis, als Trainer einer Mannschaft ein Spiel vor 140.000 Zuschauern im Stadion zu erleben“, meint er. Dieses Engagement hatte jedoch auch eine negative Auswirkung. „Ich wurde für nächste Woche nach New York eingeladen, musste aber absagen, weil mir die USA aufgrund meiner Arbeitstätigkeit im Iran kein Visum erteilten“, ärgert er sich. Zurzeit freue er sich jedoch sehr, die Arbeit von Niko Koutroubis in Niederkirchen verfolgen zu können. Dabei war er von dem Niveau des Trainingsspiels, dem er am Mittwochabend beiwohnte, positiv überrascht. „Ich hätte nicht gedacht, dass sie so gut sind“, kommentiert er die Partie. In Griechenland sei der Frauenfußball bei Weitem nicht so fortgeschritten. „Man hält dort nicht viel davon. Die Vorstände sagen dort, die Frauen kosten die Vereine nur Geld“, sagt er süffisant. Eine Spielerin fällt Topalidis sofort ins Auge: Dies ist mit Silvana Arcangioli die erfahrenste Fußballerin im Niederkirchener Kader. Koutroubis hat seinen Freund auch gebeten, die einzelnen Spielerinnen zu beobachten und ihm dann seine Eindrücke mitzuteilen. In die aktive Trainingsleitung hat er ihn zumindest am Mittwochabend noch nicht eingebunden. „Ich hätte gerne eine Trainingseinheit geleitet, aber ich habe heute Kopfschmerzen“, bedauert Topalidis. Er interessiere sich sehr für die Pfalz, wisse auch schon einiges. „Otto Rehhagel hat mir schon viel über diese Region erzählt, vor allem natürlich über seine Zeit beim 1. FC Kaiserslautern. Dass er dort schon Ende der 1960er Jahre gespielt hatte und seine erste Trainerstation parallel dazu beim FV Rockenhausen war, weiß ich auch schon“, verkündet er stolz. Am Donnerstag unternahm er mit Koutroubis einen Ausflug durch die Region, um noch mehr über die Pfalz zu erfahren. |dil

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