Neustadt „Reaktion auf Aggression“

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Rolle rückwärts bei der Konversion: In der Coleman-Kaserne zwischen Mannheim-Sandhofen und Lampertheim stehen wieder Panzer und andere militärische Fahrzeuge. Rund 250 Gefährte wurden seit Anfang Februar hier verladen. „Mannheim ist unser größter Umschlagplatz in Europa“, stellte Robin Dothager von den US-Heeresstreitkräften bei einem Pressetermin vor Ort klar.

Praktisch über Nacht sei Coleman reaktiviert worden, so Dothager weiter. Eigentlich sollte das Gelände bereits an die Bundesrepublik übergeben worden sein, teilte Army-Sprecherin Christine Gebhard mit. Stattdessen werde in Sandhofen nun seit rund viereinhalb Monaten wieder militärische Ausrüstung gelagert, repariert und für den Einsatz vorbereitet. „Das ist eine Reaktion auf die Aggression Russlands“, stellte General Ben Hodges, Kommandant der US-Heeresstreitkräfte in Europa, klar. Mit den wieder aufgenommenen Aktivitäten in Coleman „tragen wir zu einem starken Europa bei“, betonte Dothager. Coleman sei „auf Zeit wieder in Betrieb genommen“ worden, heißt es im offiziellen Sprachgebrauch der US-Army. Für wie lange ist laut General Hodges allerdings noch offen. „Vorerst geht es um ein Jahr, aber auch eine weitere Verlängerung ist möglich.“ Dabei hat die Coleman-Kaserne längst nicht mehr das Gesicht eines lebendigen Armee-Standortes. Farbe und Putz an den Wohngebäuden blättern ab, die Wiesen sind ungemäht, die Sozialgebäude verwittern, und über der Landebahn des ehemaligen Airfields wächst das Gras. „Hier lebt niemand mehr. Wir sprechen deshalb nicht mehr von den Coleman-Baracks, sondern von der Coleman Work-Site“, so Army-Sprecher Gregory Jones. „Work Site“ bedeutet dabei so viel wie „Einsatzstelle“. Rund 500 Arbeitskräfte, so Jones, kämen täglich auf diese Arbeitsstelle und überwachten die Verladung der schweren Gerätschaften. „Wir hatten keinen großen Aufwand, die Gleise wieder in Betrieb zu nehmen“, verriet Klaus Hopbach. Als Leiter des Bereichs „Militärlogistik“ der Deutschen Bahn koordiniert er die Verladung der bis zu 800 Meter langen Züge, die von Mannheim-Waldhof auf die Gleise des Militärgeländes rollen und – bei Bedarf – auch wieder hinaus bis in die entlegensten Winkel Europas. „Bis an die russische Grenze benutzen wir alle die gleiche Spurbreite. Das ist also kein Problem“, erklärte Hopbach gestern beim Ortstermin. Viel mehr Sorgen bereitet dem Logistik-Experten der Mangel an Spezialfahrzeugen bei der Bahn. „Wir haben lediglich noch rund 300 Wagen, die auf Schwerlast ausgelegt sind“, verriet er. Und so ein Panzer bringe es locker auf über 60 Tonnen und müsse auch millimetergenau platziert werden. „Er ragt trotzdem auf beiden Seiten über den Wagen hinaus, darf natürlich aber keine vorbeifahrenden Züge streifen.“ Die Bahn sei dabei wichtiger Bestandteil der „Schnellen Eingreiftruppe der NATO“. „Wir können Gerätschaften binnen 48 Stunden in die äußersten Winkel Osteuropas verfrachten“, sagte Hopbach. Eine Langzeitplanung habe aber auch die Bahn als Transporteur nicht. Nur so viel wusste Klaus Bollinger als Disponent der Wagenmeister: „Wir erfahren frühestens vier Wochen vorher, ob zum Beispiel ein Manöver ansteht.“ Auch das sei in den vergangenen viereinhalb Monaten schon vorgekommen. „Aber zuletzt ist hier in Mannheim vor allem Fracht angekommen.“ Und die bestand neben 250 Panzern und Einsatzfahrzeugen auch aus zirka 1200 nicht näher bezeichneten „Ausrüstungsgegenständen“ für die US-Armee. (env)

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