Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Rathaus wird saniert

Vor genau 40 Jahren bezogen: das Rathaus der Verbandsgemeinde Maikammer.
Vor genau 40 Jahren bezogen: das Rathaus der Verbandsgemeinde Maikammer.

Eines der größten Projekte in der Geschichte der Verbandsgemeinde Maikammer ist auf den Weg gebracht: Das Rathaus wird saniert. Für Bürgermeisterin Flach und die Ratsmehrheit gibt es triftige Gründe, das Projekt anzugehen – trotz immens gestiegener Baukosten.

Mit großer Mehrheit beschloss der Verbandsgemeinderat die Sanierung des Rathauses, verbunden mit einem Anbau im Norden. Die Kosten sollen sich auf rund 4,9 Millionen Euro belaufen. Noch im Dezember 2020 waren 3,9 Millionen kalkuliert worden, doch die immensen Preissteigerungen auf dem Bausektor warfen die Planungen über den Haufen. Die Steigerung um 26 Prozent entspricht dem momentanen Baukostenindex.

Während 18 Ratsmitglieder für das Vorhaben stimmten, votierten die SPD-Räte gegen die Ausführung. Ihnen waren einige Einzelkomponenten zu teuer beziehungsweise nicht unbedingt notwendig, so beispielsweise die vorgesehene komplette Neuverkabelung. Architekt Florian Feth vom gleichnamigen Architekturbüro aus Landstuhl erklärte den Hintergrund, konnte die Genossen aber nicht umstimmen. SPD-Fraktionssprecher Dieter Weber befürchtete, dass es zu einer Anhebung der VG-Umlage kommen könnte, um die Kosten zu bestreiten.

Wie sich diese bis zum für 2025 geplanten Baubeginn entwickeln, könne man noch nicht abschätzen. Folglich seien Annahmen bezüglich einer Erhöhung nicht angebracht, hielt Bürgermeisterin Gabriele Flach (CDU) entgegen.

Keine optimalen Arbeitsbedingungen

„Wenn wir nicht sanieren, müssten wir künftig immer wieder an verschiedensten Stellen reparieren, was mit Kosten in nicht kalkulierbarer Höhe verbunden wäre“, sagte CDU-Fraktionssprecher Volker Stephan. Rolf Metzger von der Bürgerliste ergänzte: „Wir sollten uns doch einig sein, dass die Sanierung sein muss, auch wenn wir nicht in allen Einzelheiten mit den vorgesehenen Maßnahmen zufrieden sind.“ VG-Beigeordneter Timo Glaser (CDU) sprach die derzeit nicht immer optimalen Arbeitsbedingungen an. Hier gebe es dringenden Verbesserungsbedarf. „Wenn drei Mitarbeiter in einem Büro gleichzeitig Telefonate mit Bürgern führen müssen, die gerade ein Anliegen haben, so ist das ein absolutes Unding.“

Flach nannte das Rathaus eine zentrale Anlaufstelle für die Bürger, die Anspruch auf eine zukunftsfähige Verwaltung hätten – insbesondere auf ein zeitgemäßes größeres Bürgerbüro, „was übrigens die meisten Verbandsgemeinden bereits haben“.

Das Rathaus ist Arbeitsstätte von über 40 Mitarbeitern, die 220 Tage im Jahr in Voll- beziehungsweise Teilzeit hier arbeiten. „Wir sind in Maikammer eine besondere Verwaltung“, stellte Flach fest. Die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße attestiere immer wieder einen sparsamen Personalbestand. Mit dem Umbau nehme man die neuen Aufgaben bei Digitalisierung, Klimaanpassung und Klimaschutz in Angriff. Es gelte auch flexible Arbeitsplätze zu schaffen. „Ich kenne kein Rathaus, das zu groß ist, aber einige, bei denen nicht lange nach der Einweihung festgestellt wurde, dass sie eigentlich zu klein sind“, so Flach.

Land übernimmt Hälfte der Kosten

Die SPD hatte ursprünglich einen barrierefreien Umbau des Rathauses beantragt, unter anderem mit dem Einbau eines Aufzugs und der Umgestaltung des Eingangsbereichs. Schnell wurde deutlich, dass man so einschneidende Veränderungen nicht angehen kann, ohne weitere Bereiche, insbesondere Brandschutz, Elektrik oder energetische Verbesserungen, zu betrachten.

Die Kosten werden zu 50 Prozent vom Land aus dem Investitionsstock gefördert. Das sei deutlich mehr, als einer VG normalerweise zustehen würde, so Flach. Hier habe sich besonders Ratsmitglied Bernhard Blumenstiel (SPD) eingesetzt, um eine Förderzusage in dieser Höhe zu bekommen. Die Zusage stamme zwar vom Dezember 2020. Da zu diesem Zeitpunkt die Höhe der Förderung nicht gedeckelt gewesen sei, sollte die Zusage auch für die mittlerweile gestiegenen Kosten gelten. Der Anspruch auf erhöhte Förderung beziehe sich ausschließlich auf Maßnahmen der VG. Er gelte nicht für die Ortsgemeinden.

Beim Aufzug entschied man sich für den Standort neben dem Treppenhaus, auch wenn deshalb zwölf Quadratmeter verloren gehen, die man, wie Rolf Metzger anmerkte, anderweitig hätte nutzen können. Gegenüber einem Standort „Treppenauge“ mit Glasschacht könnten mit dem jetzt verabschiedeten Plan alleine für den Aufzug rund 50.000 Euro eingespart werden. „Die nun gefundene Lösung ist die beste für die Menschen mit Einschränkungen“, so der Architekt.

12,59 Euro pro Kopf im Jahr

Der Maikammerer Ortsbürgermeister Karl Schäfer (CDU) erinnerte daran, dass auf den Tag genau vor 40 Jahren die Verwaltung in dieses Gebäude einzog. Das Rathaus sei ein wichtiger Anker für die Bürger. Gerade ältere Menschen brauchten den persönlichen Kontakt mit den Mitarbeitern. Schäfer wartete mit einer Berechnung auf, wie man die Kosten in den nächsten Jahren stemmen könnte. Die jährliche Belastung von 86.000 Euro zu Beginn werde in den Folgejahren abnehmen. Nach seiner Berechnung beträgt die jährliche Pro-Kopf-Belastung durch das Projekt 12,59 Euro. Schäfer sprach wie zuvor Flach von einer historischen Chance, was die Fördergelder angehe, die es in dieser Form wohl nicht mehr lange geben werde.

Die Kosten für den Anbau im Norden bezifferte Flach auf 300.000 Euro. Es sei zwar nicht sicher, ob auch hierfür Fördergelder fließen, doch sei die zusätzliche Fläche unbedingt notwendig. Der Rat entschied sich dafür, den Anbau auf jeden Fall anzugehen. Der Förderantrag für Um- und Anbau muss bis 16. Oktober gestellt werden.

Charakter wird nicht zu sehr verändert

Florian Feth sah die Außenfassade, aber auch das Gebäude als solches als besondere Herausforderung, da der bisherige Charakter nicht zu sehr verändert werden soll. Dies werde bestmöglich berücksichtigt.

Für die anderthalbjährige Bauzeit sind Containerlösungen angedacht, um eventuell Büros für Mitarbeiter einzurichten. Die Kosten von rund 100.000 Euro sind in den Gesamtkosten berücksichtigt. Flach präferiert eher Unterbringungslösungen im Bereich der Ortsgemeinden, um die Kosten für die Container einzusparen. Das Rathaus sei nicht irgendein funktionaler Zweckbau, „es ist etwas Besonderes, ein Schmuckstück“, so Flach. Es solle „nun wieder die nächsten 40 Jahre überdauern – mindestens“.

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