Grünstadt
Ramon Chormann in der Filmwelt
Mit seinem neuen Programm „Lauter Experte“ begeisterte der Musiker und Kabarettist Ramon Chormann aus Mainz am Freitag in der Filmwelt Grünstadt. Mit seinen Texten traf er den Puls der Zeit und sprach sicherlich vielen aus dem Herzen. Nur noch wenige Plätze waren frei im großen Saal der Filmwelt, als Chormann in grauem Anzug die Bühne betrat und in reinem Pfälzisch den Unterschied zwischen Comedy, Satire und Kabarett erklärte, von denen das Publikum abwechselnd in verschiedene Bereiche des „Expertentums“ entführt werden sollte. Experten gibt es nämlich seiner Meinung nach fast überall: Ob das in der Politik, wie beispielsweise im Gesundheits-, Finanz- oder Wirtschaftswesen ist, so findet man sie auch in der Wissenschaft, im persönlichen Alltag oder in der Kommunikation miteinander. Chormann entführte sein Publikum plaudernd in die verschiedenen Welten und verstand es gekonnt, den oft wunden Punkt der Zeit auf den Kopf zu treffen.
So erzählte er beispielsweise von seinem letzten Besuch in Baumarkt, wo er nach den Platten gesucht habe, die rein gar nichts können und schließlich bei den Span-Platten landete. Auch auf die Corona-Zeit kam er zu sprechen: „Am Anfang hatten wir die Maskenpflicht, da gab es nicht genug Masken, dann hatten wir die Impfpflicht, da hatten wir nicht genug Impfstoff, dann die Testpflicht und wir hatten nicht genug Tests – geht alles auf das Span-Platten-Konto“, schimpfte er. Doch auch andere Politiker nahm er gehörig aufs Korn.
Zahlen am Montag
Flüster-Olaf mit seiner Augenklappe, der aussah wie Kapitän Hook und der in Corona-Zeiten darauf hinwies, dass montags die Zahlen nicht stimmen. „Na ja, was willste mache, montags stimmen halt die Zahlen net“, meinte er entnervt. Auch die frühere Verteidigungsministerin, Christine Lambrecht bekam ihr Fett weg: „Die hat so gekuckt, wie das Gewehr schießt“, wetterte er. Besonders über Wirtschaftsminister Robert Harbeck ließ sich Chormann immer wieder aus, beispielsweise als er an die wassersparenden Duschköpfe erinnerte, die Harbeck propagierte – fortan war Harbeck nur der Duschkopf-Minister.
„Der ist gar nicht so blöd, er hat nur Pech beim Denken“, so Chormann. Als anfangs das Publikum noch nicht richtig in Schwung war und der Applaus erst spärlich kam, fragte Chormann ins Publikum, wer denn heute freiwillig da sei und wer mitgebracht worden sei. „Insbesondere den mitgebrachten Männern sieht man schon im Gesicht an, dass sie nur mitgebracht wurden und eigentlich lieber zu Hause auf ihrer zugefurzten Couch sitzen würden“: Schon war der Applaus entsprechend. Auch die Zuschauer in der ersten Reihe nahm er hin und wieder aufs Korn. „Wir wollen nie wieder so abhängig wie von Russland sein“, erinnerte er und konterte: „Deshalb verkaufen wir auch die Hälfte des Hamburger Hafens an die Chinesen. Und viele haben zwar Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach, die sind aber nicht in Betrieb, weil nämlich der Wechselrichter fehlt oder der Chip für den Wechselrichter, weil der auf dem Schiff ist und das steht in Shanghai – auch das wird uns Flüster-Olaf nicht erklären können.“
E-Bike und Lastenfahrrad
Lauter Experten findet man laut Chormann auch in beliebigen Behörden, beispielsweise beim Finanzamt. „Die Strafzettel kann man jetzt schon mit Strichcode bezahlen, das klappt perfekt, aber stellen Sie sich bloß mal vor, jemand will einen Ausweis beantragen, ein Auto ummelden und gar eine Baugenehmigung – lauter Experte“, schimpfte er kopfschüttelnd. Neben bekannten Politikern bekamen aber auch die Männer im allgemeinen ihr Fett weg, außerdem Donald Trump, Boris Johnson, Boris Becker, Queen und King, der Gender-Gedanke, Ricarda Lang, die Mütter vor der Kita sowie E-Bike und Lastenfahrrad.
Im zweiten Teil erinnerte er an seine bisherigen neun Bühnenprogramme und zitierte daraus. Nachdenklich machte er, als er auf die Doppelmoral Deutschlands zu sprechen kam, die sich bei der Fußball-WM in Katar mehr als deutlich zeigte, beim Umgang mit Putin als das Gas noch billig war und auch bei VW, die wegen Lieferengpässen die Bänder stillstehen lassen müssen. Es wurde viel gelacht, aber auch mitgedacht, denn viele von ihm angesprochene Themen waren Alltagsthemen, treffsicher auf den Punkt gebracht. Im Laufe des Abends setzte sich Chormann, der zwei Theater in Kirchheimbolanden und Mainz unterhält, mehrmals ans E-Piano und präsentierte eigene, tiefgreifende Stücke, in denen er sich selbst vorstellte mit „Ramon ist in seinem Element“, „Deutschland, du kannst mehr“ und am Ende beim Publikum musikalisch bedankt. Er sagte: „Vielleicht denkt ihr auf dem Heimweg mal an mich und habt ein Lächeln auf den Lippen, wenn ihr an den Mann denkt, der ins Bett furzt, an Flüster-Olaf und den Duschkopf-Minister. Und eines ist gewiss: Es gibt gar nix, was ich lieber mache deet, als vor me Saal mit Mensche spreche, vun denen jeder lache duut.“