Luckenwalde RHEINPFALZ Plus Artikel Radsport: Neustadter Pascal Tömke erneut deutscher U23-Radcrossmeister

Pascal Tömke überquerte mit 22 Sekunden Vorsprung die Ziellinie.
Pascal Tömke überquerte mit 22 Sekunden Vorsprung die Ziellinie.

Pascal Tömke bleibt im deutschen Radcross in der Altersklasse U23 das Maß aller Dinge. Nur vier Monate nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2021 verteidigte der 21-jährige Neustadter seinen Titel. Ein Wunsch ist aber noch nicht in Erfüllung gegangen.

Pascal Tömke strahlte auf den letzten Metern. Er winkte ins Publikum und überquerte alleine den Zielstrich. Nur vier Monate nach der wegen der Corona-Pandemie verschobenen deutschen Radcross-Meisterschaften in Kehl war der 21-Jährige vom RSC Neustadt auch bei der Neuauflage 2022 in Luckenwalde nicht zu schlagen. Er verteidigte sein Meistertrikot mit dem schwarz-rot-gold gefärbten Brustring auf dem Trikot erfolgreich. „Das fühlt sich wieder gut an. Ich hoffe, ich kann es in dieser Saison noch oft tragen“, sagte Tömke.

Da er in der kommenden Saison altersbedingt nicht mehr der U23-Klasse angehört, kann er seine beiden Meistertrikots, die er innerhalb von vier Monaten geholt hat, nicht mehr so oft anziehen. „Trotzdem bin ich froh, dass die Titelverteidigung gelungen ist. Bekanntlich ist die Wiederholung schwieriger als das erste Mal.“

22 Sekunden Vorsprung

Nach 14,7 Kilometern und fünf Runden auf dem anspruchsvollen Kurs rund um die Flämingthermen östlich von Berlin war der Neustadter nicht zu bremsen. Mit einem Vorsprung von 22 Sekunden verwies er seinen Teamkollegen Fabian Eder sowie Jasper Levi Pahlke (Bike Aid) auf die Plätze. Dabei schien es nach dem Start auf einen Zweikampf mit seinem Teamgefährten Lukas Herrmann hinauszulaufen.

Vater im Materialdepot

Tömke sorgte gleich zu Beginn für die schnellste Runde. Herrmann „klebte“ an seinem Hinterrad und zog sogar kurz an ihm vorbei. Nach der zweiten von fünf Runden betrug der Rückstand des Neustadters bereits sieben Sekunden. Das brachte ihn aber nicht aus seinem Rhythmus. Im Gegenteil: Tömke, der am Materialdepot von seinem Vater Sascha bestens versorgt wurde, vertraute auf seine Stärken. Immer wieder fuhr er „das Loch“ zu, so dass das Duo auch über weite Strecken gut zusammenarbeitete und den Vorsprung auf die Verfolgergruppe bis auf 40 Sekunden ausbaute. Tömke: „Auch wenn das nicht meine Strecke war, war ich zuversichtlich, dass ich es wieder schaffen kann.“ Der Neustadter und Herrmann waren klar auf dem Weg zum Doppelerfolg. Doch dann wendete sich das Blatt für Herrmann: Der 20-Jährige stürzte und verletzte sich an der Schulter. Auf Position zwei liegend musste er aufgeben und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Kein Risiko zum Schluss

Pascal Tömke bekam das zunächst nicht mit, da er gerade die Führungsarbeit leistete. „Ich bin dann eine weitere Runde nochmals richtig schnell gefahren. Dann war mein Motto, keinen Defekt oder Sturz riskieren, um den Titel nach Hause zu bringen.“ Am Ende stand Tömke wieder ganz oben. Und erneut sicherte sich sein Team einen Doppelerfolg. Ohne Herrmanns Sturz hätte es ein Dreifach-Triumph fürs Team Schamel werden können.

Wie es nach den Titelkämpfen weiter gehen wird, ist noch ungewiss. Noch bis zum 28. Februar ist Tömkes Profilizenz gültig. Zeitgleich läuft sein Vertrag beim Team „Schamel pb Kloster Kitchen“ aus. „Meine Konzentration in den vergangenen Wochen war ganz der Titelverteidigung gewidmet. Ich bin auch keiner, der großartig im Voraus Pläne schmiedet“, so Tömke.

Sechs Wochen in Belgien

Die Grundlagen für seine Titelverteidigung legte der Neustadter in den vergangenen sechs Wochen im Mutterland des Radcross’: Der 21-Jährige bezog mit seinem Teamkameraden Lukas Herrmann und dem Briten Toby Barnes ein Haus in Lichtart in Belgien. 40 Kilometer östlich von Antwerpen in der Provinz Flandern verbrachte er fünf Wochen, konzentrierte sich ganz auf den Sport und reiste von dort zu den jeweiligen Rennen. Mit seinen beiden Kameraden kümmerte er sich um alles, war Selbstversorger und trainierte täglich. „Es ist ein Unterschied, ob man noch seinem Beruf nachgeht oder sich ganz auf den Sport konzentriert“, sagte Tömke. Nur das er erstmals an Weihnachten nicht bei der Familie weilte, „das war schon irgendwie komisch“. Zum Weltcup in Namur kurz vor den Feiertagen kamen seine Eltern und sein Bruder Dominik nach Belgien. Über Silvester unterstützten sein Vater und Bruder ihn beim Rennen in Hulst.

Die Bedingungen für den Radcross sind in Flandern einmalig. „Wir hatten dort richtige Cross-Trainingsstrecken, die von November bis Februar genutzt werden können. Der Weg zu den Rennen ist nicht länger als eine Stunde vom Teamquartier entfernt“, erzählte Tömke. Dazu nutzte er das Technik- und Intervalltraining mit seinem belgischen Sportdirektor, Ex-Profi Nico Verhoeven. „Um sich sportlich weiterzuentwickeln, muss man in Belgien Rennen fahren.“

Großzügiger Arbeitgeber

Pascal Tömke hat noch ehrgeizige Ziele. Bei den Weltcups in Europa war er regelmäßig am Start und platzierte sich stets um Platz 30. Seine Rückstände zum Sieger sind deutlich geringer geworden. Trotzdem konnte er sich bisher nicht für die WM Ende Januar in den USA qualifizieren. Die Norm von zwei Platzierungen unter den ersten 15 bei den Weltcups war eine zu hohe Hürde für den 21-Jährigen. Trotzdem sieht er erste Fortschritte. Das war aber nur möglich, weil sein Arbeitgeber, die Heiza-Werkstätten in Lambrecht, sehr großzügig bei der Gewährung von Urlaub und den Freistellungen ist. Tömke weiß, dass seine Sportart im eigenen Land ein Schattendasein führt, da Radcross nicht olympisch ist und deshalb keine Fördergelder fließen. Umzusatteln ist nicht sein Ding. „Ich habe mich bewusst für Cross entschieden, weil ich glaube, dass das diese Radsportdisziplin ist, die mir am meisten Spaß macht und wo ich erfolgreich sein kann.“ Jetzt hofft er, dass auch sein nächster Wunsch in Erfüllung geht und der Bund Deutscher Radfahrer ihn für die WM nominiert.

Pascal Tömke aus Neustadt (Mitte) ist nach 2021 auch 2022 deutscher Meister der U23-Klasse im Radcross. Sein Teamkollege Fabian
Pascal Tömke aus Neustadt (Mitte) ist nach 2021 auch 2022 deutscher Meister der U23-Klasse im Radcross. Sein Teamkollege Fabian Eder (/links) wurde Zweiter, Jasper Pahlke Dritter.
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