Neustadt
Radler in der Fußgängerzone: Natürlich klappt es nur mit Rücksicht
Am Freitag, 9 Uhr, in der oberen Hauptstraße in Neustadt. Noch anderthalb Stunden dürfen Radfahrer durch die Fußgängerzone fahren. Das gefällt nicht jedem. Warum nicht, macht ein Radler gerade überaus deutlich. Der geschätzte Mittvierziger ist sehr sportlich unterwegs, hält selbst zu einem anderen Radfahrer kaum Abstand, drängelt ein wenig und erschreckt eine Fußgängerin. Schlimm ist das nicht, aber nervig. Doch sind eben nicht alle so drauf, wie der andere Radler beweist. Er tritt langsam und mit voller Übersicht in die Pedale.
Ins Hirn brennen
In der Tat könnte es so einfach sein. Wenn die Parole „Mit Rücksicht klappt’s“ lautet und sie sich bei allen ins Hirn einbrennt. Darauf hat auch Umweltdezernentin Waltraud Blarr am Freitagmittag in einer Pressemitteilung noch einmal hingewiesen – ohne etwas von der Begegnung am Morgen zu wissen.
Hintergrund ist, dass die Neustadter Fußgängerzone seit einigen Tagen länger als bisher für den Radverkehr geöffnet ist – von 19 bis 10.30 Uhr haben sie für ein Jahr auf Probe freie Fahrt, so wie der Lieferverkehr.
Rücksicht muss natürlich zuallererst auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer genommen werden, sprich: die Fußgänger, gerade in der Fußgängerzone. Was vorneweg langsam fahren bedeutet. Und in der nächsten Stufe: absteigen, wenn die Fußgängerzone zu belebt ist.
Studie belegt Vorteile
Ausschließen müssen sich Radverkehr und Fußgänger in einer solchen Zone aber keinesfalls. Auch darauf weist Blarr hin. Als Beleg führt sie eine Studie des Bundesverkehrsministeriums in Zusammenarbeit mit dem Land Thüringen und dem hessischen Offenbach an.
Dabei habe sich gezeigt: Die Probleme hätten nach der Freigabe für den Radverkehr nicht zugenommen. Und auch die Aufenthaltsqualität sei nicht als schlechter empfunden worden. Vielmehr hätten sich Fußgänger und Radler umso besser vertragen, je mehr Fußgänger unterwegs gewesen seien. Und unterm Strich hätten die Radler als Kunden dem Einzelhandel höhere Umsätze beschert als jene, die mit dem Auto anreisten.
Wer es nicht glaubt, für den hat die Beigeordnete auch noch die einschlägige Internet-Adresse parat. So ist die Studie hier zu finden.