Neustadt
Röthlingshöfer: Neue Kultur-Saison im Saalbau ist wegen Corona in der Schwebe
„Stellen Sie sich ein Orchester mit 100 Leuten auf der Bühne vor. Wie soll das gehen?“, wirft er als Frage in den Raum. „Ein Trio bekämen wir natürlich locker hin, aber keine großen Formationen.“ So ist es vielleicht ein Glücksfall, dass die städtische Konzertsaison laut Plan diesmal anders als gewohnt nicht mit einem großen Orchesterkonzert, sondern mit Kammermusik beginnt. Fritz Burkhardt, Konzertberater der Stadt, hat für den Saisonstart am 8. September schon Mitte letzten Jahres, als von Corona noch überhaupt keine Rede war, das „Busch-Trio“ verpflichtet, ein junges Klaviertrio mit Sitz in Amsterdam, das gemeinsam mit Partnern seit seiner Gründung 2012 schon fünf CDs mit Kammermusik von Antonin Dvorak beim Label Alpha/Outhere eingespielt hat. In diesem Jahr wollen sie sich nun Schubert vornehmen, und dessen berühmtes „Forellenquintett“ wäre auch der Höhepunkt beim Neustadter Saisonauftakt – wenn er denn stattfindet.
1,50 Meter Abstand in alle Richtungen – das ist im Saalbau kaum zu schaffen
Denn Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer sieht im Saalbau nicht nur auf der Bühne ein gravierendes Problem, sondern auch im Zuschauerraum: 1,50 Meter Abstand nicht nur nach links und rechts, sondern auch nach hinten und vorne – „da würden wir mit den Stuhlreihen nicht zurechtkommen“. Man könne den Saalbau zwar auch mit 300 Zuschauern betreiben, doch ob man die Menschen damit glücklich mache, wage er zu bezweifeln. Schließlich hat jede der drei städtischen Kulturreihen schon allein mehr als 300 Abonnenten – insgesamt sind es über 1000.
Noch schwieriger stellt sich die Situation beim Theater dar: Während man Musiker – zumindest, wenn die Anzahl überschaubar bleibt, noch notfalls auf der Bühne auseinander setzen kann, ist die darstellende Kunst ohne mitunter engsten Körperkontakt einfach undenkbar. Nach derzeitigen Planungen startet die „Leichte Muse“-Reihe am 15. Oktober mit der französischen Komödie „Das Abschiedsdinner“ des Duos Matthieu Delaporte/Alexandre de la Patellière („Der Vorname“), das Schauspiel folgt am 27. Oktober mit der Bühnenadaption des Holocaust-Dramas „Schindlers Liste“. Insgesamt stünden bis Jahresende dann noch zwei weitere Theaterstücke an, darunter Shakespeares ziemlich personalintensive Komödie „Was ihr wollt“. Und bei den Konzerten wären im November die „Stuttgarter Philharmoniker“ angemeldet, ein A-Orchester, das mit 86 Planstellen etwa genauso viele Musiker in seinen Reihen hat wie die Staatsphilharmonie in Ludwigshafen.
Was sind „Großveranstaltungen“? Das wüssten alle gerne im Moment
Alle Überlegungen kranken derzeit allerdings ohnehin daran, dass von der Politik noch nicht einmal klar definiert wurde, was die ominösen „Großveranstaltungen“ überhaupt sind, die ja bekanntlich auf jeden Fall bis 31. August, wahrscheinlich aber noch viel länger untersagt bleiben. Dass ein Absagewelle, die eventuell bis ins neue Jahr reicht, für viele Orchester und Tourneetheater eine wirtschaftliche Katastrophe wäre, räumt Ingo Röthlingshöfer gerne ein, verweist aber auf die Verantwortung von Bund und Land. „Das können wir kommunal nicht lösen.“ Den Kunden gegenüber allerdings will man sich in Neustadt großzügig zeigen: „Die Abo-Entgelte werden erst eingezogen, wenn feststeht, dass die Reihen auch wirklich stattfinden“, sagt der Kulturdezernent. Und sobald man konkrete Realisierungsmöglichkeiten sehe, werde man die Abonnenten umgehend informieren.
Zur Sache: die geplante Saison 2020/21
Konzerte
8. September: Busch-Trio und Gäste
10. November: Stuttgarter Philharmoniker
4. Februar: Staatsphilharmonie
16. März: Tschechisches Nonett
22. April: Staatsphilharmonie
11. Mai: Rheinische Philharmonie
Schauspiel
27. Oktober: Schindlers Liste
12. November: Was ihr wollt
28. Januar: Mr. Präsident first
18. Februar: Die Räuber
20. April: Tartuffe
20. Mai: Onkel Wanja
Leichte Muse
15. Oktober: Das Abschiedsdinner
5. November: Drei Männer und ein Baby
14. Januar: Der Mann von La Mancha (Musical)
2. März: Bei Anruf Mord