Neustadt Projekte zur Zukunft der Arbeit
Auch wenn über zwei Drittel der 10.200 aktiven Mitglieder in Wörth und Germersheim bei der Daimler AG arbeiten und die Gewerkschaft mit ihren Büroräumen im Neustadter Telekom-Hochhaus nicht glücklich ist – die IG Metall gibt auch unter ihrem neuen ersten Bevollmächtigen Ralf Köhler eine Standortgarantie für Neustadt ab.
„Der Sitz einer Verwaltungsstelle ist in der Satzung festgeschrieben. Wo man versucht hat, das zu ändern, gab es Probleme, die wir uns ersparen wollen“, erklärt der zweite Bevollmächtigte Harald Lange. Acht Hauptamtliche betreuen von Neustadt aus 14.900 Mitglieder, inklusive Rentner und Arbeitslose, zwischen Bad Dürkheim und Wörth. Für Neustadt spricht, dass die Stadt Sitz des Arbeitgeberverbandes der Pfalz ist. Das hat historische Gründe wie der 2009 von der damaligen Geschäftsführung beschlossene Umzug vom DGB-Haus in der Konrad-Adenauer-Straße (dem heutigen Domizil des Jobcenters) ins Telekom-Hochhaus, das einem Hochsicherheitstrakt gleicht. Am Empfang klärt eine Bewachungsfirma erst im Auftrag einer Telekom-Tochter, zu welchem der wenigen Mieter der Besucher will. Mehrere Etagen der ehemaligen Fernmeldezentrale (Baujahr 1973) stehen weiterhin leer. Noch Anfang der 1980er Jahre war die Oberpostdirektion auf dem Gelände mit 2000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Stadt. „Es ist kein Geheimnis, dass wir uns hier nicht wohlfühlen, weder von der fußläufigen Erreichbarkeit noch vom Eindruck, den das Gebäude vermittelt“, erklärt Köhler. Die Bürofrage habe aber derzeit keine oberste Priorität. „Wir wollen erst den Mitgliederstand ausbauen und Antworten geben auf die bevorstehenden Veränderungen der Arbeitswelt“, erklärt Köhler. In zwei bis drei Jahren könne das Thema Umzug dann verstärkt in den Blickpunkt rücken. Köhler ist seit April Nachfolger von Uwe Schütz, der zum Bezirksvorstand Mitte nach Frankfurt gewechselt ist. Der neue Mann kündigt für die Region eine Initiative an, bei der Mitarbeiter von nicht tarifgebundenen Unternehmen angesprochen werden sollen. Das gelte unter anderem für den Neustadter Tacho-Hersteller Sigma, für dessen 130 Mitarbeiter man sich stark machen wolle. Bei der Bettwarenfabrik Häussling (45 Mitarbeitern) sei man schon einen Schritt weiter und habe erste Lohnsteigerungen in Verhandlungen mit der Geschäftsführung erreicht. Als sehr stabil bezeichnete Lange die Situation bei dem tarifgebundenen Haßlocher Fasshersteller Duttenhöfer (220 Mitarbeiter), der nach dem Aus für Sulo in Neustadt zehn Mitarbeiter übernommen habe. Gut Nachrichten gebe es auch von IAC in Lambrecht (85 Mitarbeiter). Der Automobilzulieferer habe sogar Investitionen angekündigt, was mit einem Großauftrag von Opel in Verbindung stehe. Köhler ist der Meinung, dass auch eine Gewerkschaft im Hinblick auf die Digitalisierung Antworten geben muss. „Wir wollen nicht nur reagieren, sondern auch agieren in Kooperation mit den Arbeitgebern“, kündigt er mehrere Projekte an, die zum Teil der Europäische Sozialfonds mitfinanziert und die sich mit der Zukunft der Arbeit beschäftigen würden. Auch das Thema Arbeitszeit gerate dabei verstärkt in den Blickpunkt. „Smartphones sorgen für die ständige Bereitschaft, auch im Urlaub oder außerhalb der Schichtzeiten. Wie damit in einem Betrieb umgegangen wird, ist in ganz vielen Fällen offen“, erklärt Köhler. Um die Aufgaben bewältigen zu können, würden die Verwaltungsstellen Neustadt, Kaiserslautern und Ludwigshafen drei zusätzliche Mitarbeiter bekommen, die jeweils pfalzweit zuständig sind. „Da wird einer davon seinen Schreibtisch in Neustadt stehen haben, allerdings auch für die Kollegen in den beiden anderen Verwaltungsstellen arbeiten“, so Köhler. |wkr