Neustadt Privater Lagerplatz am Pranger
Von „Schrottplatz“ war jüngst im Bauausschuss die Rede, als es um das Gelände rund um den früheren Mußbacher Bahnhof ging. Ein Wort, das nicht gerade angetan war, um die Situation, um die es da geht, zu entspannen. Rüdiger Morio, Eigentümer des Bahnhofgebäudes und eines nördlichen davon gelegenen Lagerplatzes, war einigermaßen angesäuert. Da half es nur wenig, dass die FWG, die die Diskussion angestoßen hatte, sich wenig später bemüßigt sah, in einem Brief an Morio die Aussagen im Bauausschuss zu „ergänzen“. Der Hick-Hack um die Immobilie und den Lagerplatz zieht sich mittlerweile über Jahre hin. Gekauft haben Rüdiger Morio und seine Frau Bettina, Künstlerin in Deidesheim, das ehemalige Bahngelände 2008. Die erste Idee war, dort eine Kunstschule zu eröffnen, der damalige Ortsvorsteher Klaus Kerth war begeistert. Doch der Plan wurde wieder verworfen, und auch andere Projekte wurden nicht verwirklicht. Stattdessen gab es Ärger mit den Nachbarn, unter anderem wegen der Nutzung der Fläche vor dem Bahnhof. Einmal ging ein Streit sogar vor Gericht. Allerdings folgenlos, denn der Streifen ist Privateigentum. Rechtlich ist also nicht zu beanstanden, wenn Morio vor dem Bahnhof Fahrzeuge oder andere Dinge abstellt – so lange keine Umweltgefährdung davon ausgeht. Der Bahnhof steht indes weiterhin leer, die Fläche an der Bahnlinie nutzt Morio als Lagerplatz, unter anderem für Sandsteine, die für Kunst-Projekte verwendet werden. Morio betont, dass die zum Teil historischen Sandsteine von großem Wert für ihn und seine Frau seien und ihre Kunstwerke hoch geschätzt. Dass mit der aktuellen Situation am Bahnhof niemand wirklich glücklich ist, wird von allen Seiten betont. Dennoch scheint es schwierig zu sein, im Konsens eine Lösung zu finden. „Ich bin generell offen für eine Entwicklung des Gebiets“, betont Morio. Deshalb sei er auch, wenige Tage vor der Bauausschuss-Sitzung, auf die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG) zugegangen. Alles sei vorstellbar, doch er wolle fair behandelt werden. Dass nun just nach diesem Gespräch sein Lagerplatz im Bauausschuss als „Schrottplatz“ bezeichnet wurde, dass ihm da „ein Ei gebraten“ wurde, wie er es ausdrückt, damit habe er nicht gerechnet. Die Stadtverwaltung hält fest, dass „die korrekte Bezeichnung des Geländes Lagerplatz“ sei, und dass „das im Ausschuss durchaus nicht richtig artikuliert worden“ sei. Bei dem von Morio angesprochenen Vor-Ort-Gespräch in Mußbach sei es um mögliche Nutzungsinteressenten für den Bahnhof gegangen, wobei Morio Arztpraxen in die Diskussion gebracht habe. Das sehe die Stadt eher skeptisch, unter anderem weil das Obergeschoss nicht barrierefrei erreichbar sei. Morio sei deshalb „ermuntert worden, über die Schaffung von Wohnraum nachzudenken“. Darüber hinaus betont die Verwaltung, dass es „schön wäre, die unmittelbar an den Straßenraum angrenzenden Lagerstätten zu räumen, damit der Bahnhof und seine Nebengebäude wieder ordentlich in Erscheinung treten“. Damit wird einer der wunden Punkte angesprochen, die Nutzung des Gelände-Streifens vor dem Bahnhof, die auch vielen Bürgern aus optischen Gründen ein Dorn im Auge. Morio gibt offen zu, dass er die Fläche nicht zuletzt auch deshalb zustellt, weil er verhindern will, dass sie als öffentlicher Parkplatz genutzt wird. „Das ist Privatgelände“, betont er. Trotz der jüngsten Irritationen durch die Diskussion im Bauausschuss sei er bereit, mit der Stadt über Veränderungen zu sprechen, betont Morio. Das Bahnhofsgebäude werde zurzeit saniert, er wolle es vermieten oder verkaufen. Interessenten gebe es. Auch ein Verkauf an die Stadt sei möglich, allerdings habe er noch kein Angebot abgegeben. Morio weist im Übrigen darauf hin, dass es bei dem ganzen Thema noch einen weiteren Beteiligten gibt, der mit ins Boot geholt werden muss: Eines der Grundstücke an der Bahnlinie gehört dem Gerüstbauer Süß, der es vor einigen Jahren von Morio gekauft hat. |kkr