Neustadt Preisträger-Quartett im Herrenhof

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Neustadt-Mussbach. Man kann es nur als glückliche Fügung bezeichnen, dass Wolfgang Glass und das Team des Neustadter Kunstvereins vor rund zehn Jahren auf die Idee kamen, die alle zwei Jahre stattfindenden Nachwuchsausstellungen in der Villa Böhm mit einem Wettbewerb zu verbinden. Denn die vier Künstler, die seitdem gekürt wurden, sind allesamt markante Persönlichkeiten mit unverkennbarer Formensprache, wie jetzt die Schau belegt, die sie anlässlich des Neustadter Querfälltein-Festivals im Herrenhof erstmals in einer Gruppenausstellung zusammenführt.

Natürlich ist der Titel „Vier der Besten aus dem Südwesten“ schon etwas plakativ. Inhaltlich freilich kann man die Aussage unterschreiben, denn Josef Rosalia Hein (früher Josef P. Werner), Dominik Schmitt, Benjamin Burkhard und Daniel Odermatt, die den Neustadter Förderpreis 2007, 2010, 2012 und 2014 gewannen, stammen alle aus der Vorderpfalz und haben sich mittlerweile längst auch überregional in der Kunstszene einen Namen gemacht. Hein, Meisterschüler von Markus Lüpertz an der Düsseldorfer Kunstakademie, etwa gewann 2012 den Pfalzpreis für Malerei. Odermatt errang die gleiche Auszeichnung in der Nachwuchssparte. Schmitt, Burkard und Odermatt verbindet darüber hinaus, dass sie alle drei an der Uni Landau studierten und konsequent der figurativen Malerei verpflichtet sind. Auch eine gewisse Neigung zu Großformaten mag man noch als Gemeinsamkeit festhalten, doch damit hören die Übereinstimmungen dann auch schon auf. Der aus Lambrecht stammende Dominik Schmitt zeigt mit acht Gemälden wieder eine charakteristische Auswahl seiner unglaublich detailreichen und verrätselten Symbolbilder, auf denen sich portraithafte Gestalten mit Fantasy-Wesen und Tieren oft regelrecht verknäueln. „Durcheinanderbild“ lautet passenderweise ein Titel. Schmitt bleibt damit dem Weg treu, den er schon seit 2008 beschreitet. Seine Werke sind surreale, alptraumhafte Gemälde in düsteren Farben, die dem Betrachter viel zu erzählen haben, wenn der die Auseinandersetzung psychisch denn verkraftet. Denn man merkt Schmitt, der studierter Biologe ist, durchaus an, dass er sich mit Anatomie und inneren Organen auskennt. Ebenso wie mit klassischer Ikonographie: „Ein Begräbnis in Landau“ etwa nimmt das Muster der Grablegung Christi auf – nur dass der Tote Schmitt selbst ist und die rund 30 Personen, die der Szene beiwohnen, größtenteils aus dem Umfeld der Uni Landau stammen. Auch Burkard und Odermatt verfolgen in ihren Gemälden die großen Linien weiter, die sie bei den Neustadter Nachwuchsausstellungen zum Erfolg geführt haben: Burkard, aus Kandel stammend und mit 29 der Jüngste des Quartetts, beschäftigt sich erneut mit dem großen Thema „Mensch und Maschine“ und bleibt dabei der Ästhetik der britischen Steampunk-Bewegung treu, auch wenn die Maschinen inzwischen vielleicht nicht mehr ganz so gigantomanisch daher kommen wie früher. Der aus Schifferstadt stammende Odermatt kombiniert in seinen Bildern weiter photorealistische Portraits mit Elementen der Colourfield-Malerei. Anrührend ist etwa sein Altersportrait „Der Lauf der Dinge“, das das Motiv des schwindenden Lebens formal noch durch einen vergilbten Rand verstärkt. Die größte Veränderung gegenüber seiner Neustadter Preisträger-Ausstellung von 2008 zeigt zweifelsohne Josef Rosalie Hein. Hatte sich der aus Weisenheim am Sand stammende Künstler damals in verrätselten Bildern mit dem deutschen Sehnsuchtsort Wald auseinandergesetzt, so präsentiert er sich jetzt in Mußbach vor allem mit Plastiken und Installationen. Die sind inhaltlich dabei so unterschiedlich, dass man sie unmöglich auf einen Nenner bringen kann. Neben surrealistischen Arbeiten wie einer zweckfrei in Kreisform arrangierten Besen-Konstruktion präsentiert er eine Wandinstallation, die aus Silbertabletts mit Ortsnamen besteht, die sich allesamt auf die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer-Raum beziehen. Eine extrem naturalistische Aluminiumskulptur mit dem Titel „Fährmann“ wiederum zeigt einen Akkordeon spielenden Jungen im Bug eines Bootes, der aus der Wand herausragt. Kurze Hosen, geschnürte Stiefel, Mütze, dazu Signalpistole und Radio – alles wirkte unglaublich „echt“, wäre da nicht die silberglänzende Farbfassung. Ganz ähnlich verhält es sich mit einer Bronze-Skulptur mit dem Titel „Jeanny“: Sie zeigt ein Kind im Thermo-Anorak, das sich einen Staubsauger in den Mund führt und am Hinterkopf ein großes, trichterförmiges Loch aufweist. Die einzige zweidimensionale Arbeit, die Hein aus Düsseldorf mitgebracht hat, heißt „Face of Jeanny“ und hängt gleich nebenan. Es ist ein aus 18 Kartons zusammengesetztes Wandbild, das aus Brandspuren und -löchern ein menschliches Gesicht bildet. Die Ausstellung Die Ausstellung „Vier der Besten aus dem Südwesten“ ist noch bis 29. Mai in der Kunsthalle des Herrenhofs zu sehen. Die offizielle Vernissage findet während des Querfälltein-Festivals am Samstag, 21. Mai, um 14 Uhr statt. Öffnungszeiten: heute 18–20 Uhr, sonst mittwochs 14–18 Uhr, samstags und an Fronleichnam 14–18 Uhr und sonntags 11–18 Uhr (am Tag der Finissage erst ab 14 Uhr). Der Eintritt ist frei.

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