Neustadt Power-Rock im Kelterhaus

Neustadt-Mussbach. Ausverkauftes Haus und vier Stunden Power-Rock, der Wände und Eingeweide vibrieren ließ – das war die Bilanz des Konzerts mit dem kanadischen Trio „Wild T & the Spirit“, mit dem der Kulturverein Wespennest am Samstag erstmals als Veranstalter im Kelterhaus des Weinlands Meckenheim in Mußbach aktiv wurde.
Es ist, als wäre es ihm unmöglich, seine einmal begonnenen Rocksalven im Kelterhaus zu stoppen. Die Fransen seiner Cowboyjacke folgen Frontmann Toney „Wild T“ Springers Bewegungen ebenso wie seine langen Locken in wilden Schwingungen zum rhythmischen Schlagen der E-Gitarre. Mit ihm heizen Bassist Guenther Kapelle, geheimnisvoll mit schwarzer Sonnenbrille im Dunkel der Halle, und Drummer Dave Langguth, mächtig hinter seinen Drums mit neckisch schwarzem Hütchen, dem Publikum ein. Im schummrigen Bühnendämmer, pink und lila hinterstrahlt, liefert das kanadische Trio Titel an Titel ab und dröhnt seinen enormen Sound in den Saal, der Zuhörerinnen wie Zuhörer zu ekstatischen Bewegungen animiert. Spätestens nach dem halbstündigem Titel „Every-Thang“ sind alle völlig aus dem Häuschen. Wild T – das T steht für seine Heimatstadt Tunapuna – interpretiert auch die bereits von Jimi Hendrix gecoverte Version von „Hey Joe“, einem von seiner Frau betrogenen, rachsüchtigen Schützen, auf seine Weise: mit Gitarre statt Pistole, aber ebenso leidenschaftlich. Mit Elementen aus Rock, Funk, Blues bis Reggae offenbart das 1990 gegründete Trio seine ganze musikalische Bandbreite. Hier darf auch Bob Marley nicht fehlen, und es erklingt „Everythings gonna be allright“, allerdings mindestens fünfmal so lang wie im Original. Immer wieder überraschend spielt Wild T Ausschnitte anderer Songs instrumental ein. Wenn es ihn reitet, dann sind da unter breitem Grinsen auch einmal ein paar Takte „Bonanza“ dabei. Einige rauchende Schlagzeugeinlagen weiter, wummert ein „Smoke on the water“ von „Deep Purple“ mit. Und mit „China Girl“ erinnert Springer auch an die Zeit seiner Zusammenarbeit mit David Bowie. Für das zweite Set wird ein Medley mit Reggae-Titeln angekündigt, das genauso überzeugt. Es spricht dabei für große musikalischer Fähigkeiten, im Spielfluss Stücke über Tonbrücken so nahtlos, ungehemmt und ungestört zu vernetzen, dass der Zuhörer verblüfft überlegt, ob der gerade herausgehörte Titel ein Trugschluss war. Wie ein Schießhund behält Drummer Langguth dabei seinen Frontsänger im Blick, sieht seine Rhythmen- und Themenwechsel kommen und unterlegt überaus sauber. Mit dem ebenso versierten Bassisten Kapelle stellen alle drei in minutenlangen Soli ihr Können heraus. Klar, dass das Trio nicht ohne Zugaben gehen darf, die dann ein wahres Gitarrengewitter bieten. Nicht nur Rolf Raule, künstlerischer Leiter des des Wespennests, ist hell begeistert von der Premiere und berichtet, dass man für 2016 bereits vier weitere Termine im Weinland-Kelterhaus festgelegt habe. (aew/Foto: mehn)