Neustadt „Potenzielle Abräumer dabei“
Der internationale Weinwettbewerb „Mundus Vini“ des Neustadter Fachverlags Meininger ist weiter auf Wachstumskurs: Bei der laufenden 22. Auflage im Neustadter Saalbau stehen über 6700 Weine aus aller Welt zur Verkostung an – etwa 500 mehr als bei der Frühjahrsverkostung 2016, die ihrerseits einen Rekord einstellte.
270 Weinexperten aus 48 Ländern sind angereist, um die Still-, Schaum-, Perl und Likörweine aus 44 Herkunftsländern unter die Lupe zu nehmen. „Das ist eine Größenordnung, die eine Erweiterung notwendig gemacht hat“, erläutert Verkostungsleiter Christian Wolf: Um den Weinen gerecht zu werden, wurde die Dauer des Wettbewerbs erstmals auf sechs Tage erhöht, die Jury auf zwei Gruppen verteilt: Die erste Gruppe war von Dienstag bis Donnerstag, die zweite ist von Freitag bis Sonntag im Einsatz. 1100 Weine werden so Tag für Tag geprüft – „eine Menge, die gerade so handhabbar ist“, meint Wolf. Dafür, dass die in zwei Thermoaufliegern hinter dem Saalbau temperierten Weine rechtzeitig an die Jurytische kommen, sorgen im zehnten Jahr Auszubildende der Hotelfachschule Südliche Weinstraße in Edenkoben, dafür, dass die Verkostungsbögen elektronisch erfasst werden, etliche Verlagsmitarbeiter an ihren Terminals. Bereits am Dienstag soll veröffentlicht werden, welche Weine eine der Auszeichnungen Silber, Gold und Großes Gold erhalten werden. Insgesamt etwa 150 Fachleute sitzen verteilt auf die 24 Jurytische und widmen sich intensiv und konzentriert der Verkostung, bei der erneut im Vorfeld klar ist, dass nur ein Teil der Weine eine Medaille erhält, selbst wenn alle Weine preiswürdig wären: „Mundus Vini-Auszeichnungen sollen eine verlässliche Empfehlung sein und bleiben“, sagt Wolf zu der Kappungsgrenze, die sich der Verlag von Anfang an selbst auferlegt hat: „Wir wollen eine inflationäre Preisverleihung vermeiden.“ Dass in diesem Jahr bereits etliche Weine aus dem Jahrgang 2017 stammen, erkläre sich aus den historisch niedrigen Lesemengen des 2016ers: „Die Keller sind weitgehend leer, die Produzenten unter Druck“, so Wolf. Bereits gestern zeichnete sich ab, dass die Qualitäten durch die Bank gut bis sehr gut seien, und dass unter den 200 Weinen aus der Pfalz „durchaus ein paar potenzielle Abräumer sind, was den Lokalpatrioten in mir freut“, so Wolf. „Die Kunden können sich über das Angebot auf dem Markt nicht beschweren“, meint er zu den Produkten aus dem In- und Ausland: „Auch aus für unsere Begriffe exotischen Anbaugebieten wie China, Russland, Mexiko und Peru kommen tolle Sachen“, sagt Wolf und erzählt die Geschichte eines Verkosters aus Indien, der via Facebook ein großes Lob für einen 1992er Grasevina aus einer Verkostung osteuropäischer Weißweine verbreitet hat: Gerade die autochthonen Rebsorten seien es, die die Verkostung so anspruchsvoll und spannend selbst für Profis machten. Die Siegerweine werden auf der internationalen Weinfachmesse ProWein von 18. bis 20. März in Düsseldorf vorgestellt: In der Verkostungszone des Meininger Verlags finden die etwa 10.000 erwarteten Fachbesucher dann eine Vorauswahl von etwa 700 Spitzenweinen aus aller Welt.