Neustadt
Polizei-Vizechef Landwich geht in Pension: Was ein Polizist in vier Jahrzehnten alles erlebt
Von seinem Büro in der Karl-Helfferich-Straße genießt Helmut Landwich einen Panoramablick über Neustadt. Noch. Denn der 60-Jährige ist nur noch bis Freitag im Dienst. Dann hat er zwei Tage Urlaub und kann ab 1. Mai als Pensionär sein Leben genießen. „Ich gehe mit einem schönen Gefühl“, sagt er. Nach 43 Jahren und drei Monaten gebe es natürlich auch ein „kleines wehmütiges Auge, aber das lachende Auge ist größer“. Es sei nun Zeit für Neues. Er freue sich auf mehr Zeit für die Familie – insbesondere für die drei Enkel, mit denen er gerne zur Gitarre greife, um gemeinsam zu musizieren.
Landwich ist seit November 2015 stellvertretender Leiter der Neustadter Polizeiinspektion. Kurios: Inspektionsleiterin Katja Weickert (inzwischen verheiratete Falkenstein) stammt wie er aus Schifferstadt und ist im Januar als Leiterin der Wasserschutzpolizei im Land nach Mainz gewechselt. Führungslos wird die Neustadter Polizei ab 1. Mai aber nicht sein. Mit Peter Fuchs steht ein neuer stellvertretender Leiter schon fest, und über die Leitung soll auch bald entschieden werden.
Als Polizist immer an der Basis
Landwich betont, dass er sich ganz bewusst für den Polizeiberuf entschieden hat: „Ich hatte mich damals beworben, weil es mich gereizt hat, dass ich nie wusste, was ich an einem Tag erleben würde. Man muss sehr flexibel und bereit für Abenteuer sein.“ Außerdem liebe er das Arbeiten an der Basis, er denkt deshalb noch sehr gerne an die Jahre in seiner Heimatinspektion in Schifferstadt zurück, wo der Schutzpolizist bis zu seinem Wechsel nach Neustadt 18 Jahre lang Dienstgruppenleiter im Schichtdienst war. „Da hat man die unmittelbare Berührung zum Bürger. Das kann mal eine Lappalie sein, aber eben auch ein Mord. Denn man begegnet allem, was auf der Wache einläuft“, sagt Landwich. Ist es als Schifferstadter, der noch dazu über viele Jahre bei der örtlichen Feuerwehr aktiv war, nicht schwierig, dort auch als Polizist für Recht und Ordnung zu sorgen? Landwich lacht. Er verstehe Kollegen, die lieber nicht am Wohnort im Dienst sind. Er habe damit aber kein Problem gehabt – auch wenn er es dann mal mit Bekannten zu tun bekam. „Die haben dann meist gesagt: Die Sanktion hätte ich jetzt eh bekommen. Und wenn es schon so ist, dann lieber von dir.“
In Neustadt hat er als stellvertretender Inspektionsleiter den Bezirksdienst organisiert und die Leiterin vertreten. Aber er sei weiter im Alltagsgeschäft eingebunden gewesen und habe mit dem Tagdienst die Einsätze zu Unfällen und Straftaten besprochen. Die Jahre in Neustadt haben ihm sehr gut gefallen, betont Landwich. Die vielen Weinfeste, der große Winzerfestumzug und große Veranstaltungen mit politischer Prominenz seien Einsätze, die es woanders nicht gebe. „Das ist alles anstrengend, macht aber Spaß. Auch weil man Politikern sonst nie so nahe kommt.“ Und man lerne bei den Weinfesten, dass ausgelassenes Feiern leider eben auch mit „alkoholbedingten Gewalttaten“ einhergehe.
Mehr Ausrüstung für Polizisten
Seit Corona seien die vielen Demonstrationen in Neustadt und am Hambacher Schloss zu einer enormen Belastung geworden: „Da müssen auch Kollegen extra aus der Freizeit zum Einsatz kommen.“ Er verstehe den Frust der Bürger, als Polizist müsse er aber die ihm zugewiesene Schutzaufgabe erfüllen: „Demokratie muss solche Versammlungen erdulden.“ Überhaupt habe sich der Polizeiberuf über die Jahre gewandelt und sei anstrengender geworden. Durchs Internet gebe es Straftaten wie Betrug oder Formen der Beleidigung, „die wir so früher nicht kannten“. Außerdem seien Einsätze durch die ständige Verfügbarkeit von Smartphones schwieriger. Da werde oft gefilmt und fotografiert, „aber veröffentlicht wird nur das, was man eben zeigen will“.
Er sei früher in Uniform sowie mit Handfessel, Schlagstock und Waffe zum Dienst gegangen. Heute hätten die Kollegen zudem noch Pfefferspray, Taser, Bodycam und zum Teil besondere Schutzkleidung dabei. „Für die Sicherheit der Polizisten ist es besser, das alles zu haben. Aber die Entwicklung zeigt auch, wie hoch die Anforderungen geworden sind an den Beruf“, sagt Landwich. Dazu gehöre mittlerweile das intensive Aufarbeiten von schwierigen Einsätzen. „Solche Hilfsangebote gab es zu meiner Anfangszeit nicht, da musste das jeder mit sich klären. Es ist aber wichtig, darüber zu sprechen, wenn es zu Gewalt gegen Polizisten kommt oder wenn Kollegen Todesfälle miterleben.“
An seinen letzten Arbeitstagen hat Helmut Landwich eine Reihe von Aufgaben. Die Ausrüstung wie die Dienstwaffe hat er im Präsidium in Ludwigshafen abgegeben. Für die Rückgabe der Dienstkleidung fuhr Landwich zur Kleiderkammer der Bereitschaftspolizei in Enkenbach. Am Donnerstag ist die offizielle Verabschiedung beim Polizeipräsidenten. Am Freitag wird der 60-Jährige sich nach Dienstschluss mit einem kleinen Fest im Hof der Inspektion von den Kollegen verabschieden. „Und dann schreibe ich auch meine allerletzte Mail an die Kollegen und bedanke mich noch einmal“, so Landwich. Im Mai freut sich Landwich auf eine Hausboot-Tour in Holland mit Freunden, im Juni steht ein Urlaub mit seiner Frau in Italien an. „Danach schauen wir mal.“ Er wolle alles auf sich zukommen lassen und nichts mit Planungen überfrachten.