Neustadt
Polizeichefin Weickert wechselt nach Mainz
Als Chefin einer Polizeiinspektion ist sie immer mittendrin im Geschehen. Daher kommt Katja Weickert am Dienstagmorgen auch etwas verspätet zum RHEINPFALZ-Gespräch. Zunächst musste sie sich mit ihren Kollegen um den Amokalarm am Käthe-Kollwitz-Gymnasium kümmern. Es waren bange Minuten, ehe klar war: Fehlalarm, es besteht keine Gefahr. Sie mag dieses Unvorhergesehene im Polizeiberuf, sagt die 44-Jährige.
Dass sie nun trotzdem ihre Stelle wechselt, „obwohl ich Neustadt sehr schätze, liegt in erster Linie am höheren Dienst der Polizei: „Wechsel alle paar Jahre gehören eben dazu.“ Sie sei mit ihrer neuen Aufgabe aber überglücklich, sagt Weickert, denn ab Montag ist sie Leiterin der Wasserschutzpolizei in Rheinland-Pfalz und damit für über 200 Wasserschutzpolizisten zuständig. Ihr Dienstsitz wird Mainz sein. Sie habe schon bei der Wasserschutzpolizei in Germersheim gearbeitet, woran auch ein Foto im Büro erinnert, und habe „alle Zusatzqualifikationen, wie den Bootsführerschein“. Weickert spricht von einem „Sechser im Lotto, denn mein Herz schlägt für die Wasserschutzpolizei“.
Inspektion knapp 100 Polizisten groß
Zugleich bedauert sie den Abschied „von den gewachsenen Strukturen in Neustadt“. Im Oktober 2014 hatte sie die Leitung der Inspektion übernommen. Mit der Stadt und der Tätigkeit verbinde sie viele prägende Momente: etwa die Geburt ihrer inzwischen acht Jahre alten Tochter sowie den plötzlichen Tod ihres Ehemanns im Jahr 2019. Der berufliche Wechsel erfolgt zu einem kuriosen Zeitpunkt. Denn die Schifferstadterin wird zum 1. März nach Neustadt ziehen – „der Liebe wegen“. Für sie sei das trotzdem eine gute Konstellation, „denn so fällt mir der Abschied nicht ganz so schwer, da mir die Stadt erhalten bleibt“.
Am Freitag wird Weickerts letzter Arbeitstag in Neustadt sein. „Dann gehe ich auch noch einmal durchs Haus und verabschiede mich von jedem.“ Die knapp 100 Polizisten große Inspektion habe sich seit 2014 deutlich verändert, sagt sie. Das Team sei derzeit viel jünger als damals. Und auch die Aufgaben seien komplexer geworden. Weickert nennt als Beispiel die Weinfeste wie das Gimmeldinger Mandelblütenfest. „Das ist alles größer und umfangreicher geworden“, sagt sie. Und meint damit auch: anstrengender. 2019 war dies in Gimmeldingen besonders eklatant: „Da musste ich wegen des Andrangs gemeinsam mit Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Stefan Klein sogar vorübergehend das Festgelände schließen.“ Obwohl sie als Pfälzerin stolz sei, dass bis auf die im Prinzip unvermeidbaren Streitereien und Prügeleien die Weinfeste „schön und friedlich sind“, vermeide sie aufgrund ihrer Polizeierfahrungen solche Massenveranstaltungen. „Ich war auch schon auf dem Rettichfest in Schifferstadt im Dienst. Den Rummel meide ich eher, gehe nur meiner Tochter zuliebe mal hin, um auch Riesenrad zu fahren“, sagt sei.
Fall Edenkoben belastet
Ohnehin seien ihr Kind und ihr Partner wichtig, um nach dem Dienst abzuschalten. Außerdem gehe sie auch gerne auf Wandertouren im Pfälzerwald. Zudem ist Weickert in der katholischen Kirche engagiert: „Das gibt mir Halt und Kraft.“ Das sei angesichts der beruflichen Anforderungen wichtig. Denn seit der Corona-Pandemie muss die Neustadter Polizei regelmäßig Demonstrationen von Kritikern und Querdenkern begleiten. „Bei diesen Einsätzen sind wir mit der Stadt und der Feuerwehr zusammengewachsen. Die gemeinsame Arbeit ist von großer Wertschätzung geprägt“, lobt sie. Auch wenn sie es persönlich schwer erträglich findet, wenn alle zwei Wochen in Hambach die Trommelschläge der Querdenker-Demonstranten zu hören sind, „so ist unsere Aufgabe doch, die Wahrnehmung der Grundrechte, wie der Versammlungsfreiheit, zu gewährleisten“.
Wichtig sei es, den Kollegen nach schweren Einsätzen psychologische Hilfe anzubieten, um das Gesehene (etwa Unfallopfer) verarbeiten zu können. Das habe im Spätsommer 2023 sogar die ganze Inspektion in Anspruch genommen – nach den aufwühlenden Wochen nach der Entlassung eines Sexualstraftäters aus Neustadt, der trotz Überwachung schließlich im September in Edenkoben ein Schulkind entführte und missbrauchte. „An dem Tag haben wir den Einsatz koordiniert und die Festnahme über Funk mitverfolgt. Wir haben alle funktioniert, und doch hatten selbst die erfahrenen Kollegen dabei Tränen in den Augen“, sagt Weickert. Von den Ereignissen sei jeder „geschockt und belastet“ gewesen: „Das legt man privat dann auch nicht mit der Uniform ab.“
Gespräche mit Promis
Mit Neustadt verbinde sie aber auch schöne Erinnerungen an große Einsätze. Vor allem, wenn Prominenz aufs Hambacher Schloss kam. Weickert nennt als Beispiele Wolfgang Schäuble, Joachim Gauck und Frank-Walter Steinmeier. „Da gab es auch persönliche Gespräche, das bleibt. Und auch Stolz, in der Demokratiestadt für das Hambacher Schloss zuständig gewesen zu sein“, sagt Weickert, über deren Nachfolge noch nicht entschieden ist.
Über manche Momente könne man auch im Nachgang schmunzeln. Etwa als sie und Feuerwehrchef Stefan Klein beim großen Waldbrand im Sommer 2022 zum Polizeihubschrauber rannten, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Wegen einer Sperrung mussten wir durchs Feld. Er lief ebenso los wie ich. Es war heiß, ich war total kaputt und bin nur gerannt, weil Stefan Klein rannte“, so Weickert. Später stellte sich heraus: „Stefan Klein war genauso kaputt und rannte nur wegen mir weiter. Da nahmen wir uns vor, das nächste Mal einfach zu laufen, weil wir uns ja nichts mehr beweisen müssen.“