Neustadt Platz für 60 Flüchtlinge
Innerhalb von fünf Tagen musste die Stadtverwaltung ihre Planung bei der Unterbringung der Flüchtlinge weiter korrigieren. Statt 25 Asylbewerber pro Woche werden aufgrund jüngster Meldungen 44 erwartet, wie Marion Walz, Fachbereichsleitern Jugend, Familie und Soziales am Mittwoch bei der Bürgerversammlung im Mußbacher Herrenhof erläuterte.
Ortsvorsteher Dirk Herber (CDU) hatte sich verschätzt. Zur Infoveranstaltung zum Thema Schulturnhalle als Gemeinschaftsunterkunft drängten sich über 120 Mußbacher im Raum der Trachtengruppe, weitere warteten vor der Tür. „Zum nächsten Termin nehmen wir doch den großen Saal“, sicherte Herber den Bürgern zu. Die Bürger waren gekommen, um Dampf abzulassen, kritische Bemerkungen zu machen, Ängste zu formulieren, aber auch Lösungsvorschläge und Hilfe anzubieten. Zunächst informierte Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU). Die Schulturnhalle sei in den Planungen bislang zwar als absolute Notlösung behandelt worden, doch nun rücke der Zeitpunkt näher, zu dem die 400 Quadratmeter große Halle gebraucht werde. Daher appelliere er an die Bevölkerung, Wohnraum zur Verfügung zu Stellung. Dankbar registrierte Dagmar Wolf-Matzenbacher vom Gebäudemanagement der Stadtverwaltung Angebote der Zuhörer. Ein Bürger bot einen Wohnwagen an. Walz hält diese Unterbringung für denkbar. Man habe auch selbst schon versucht, Wohnwagen zu beschaffen. Fehlen werden bis zum Jahresende auch 200 Betten, die auf dem leer gefegten Markt ebenso schwierig zu beschaffen seien wie Container oder Holzbauten. Gustav Adolf Bähr, Vorsitzender der Fördergemeinschaft Herrenhof, bot spontan drei Wohnungen im Herrenhof an. Auch die Gemeinschaftsküchen seien nutzbar, so Bähr. Die Flüchtlinge sollen sich ihre Verpflegung möglichst selbst organisieren. „Die Nutzung der Schulturnhalle wird so lange wie möglich aufgeschoben“, sicherte Röthlingshöfer den Mußbachern zu. Komme es dazu, gebe es rund zwei Wochen Vorlaufzeit. Dann solle es ein weiteres Treffen für jene geben, die ehrenamtlich bei der Integration oder der Versorgung helfen wollen. Nachbarn der Schulturnhalle formulierten ihre Ängste. „Wie viele Menschen kommen maximal, wie sieht es mit der Lärmbelästigung aus?“, wollten Anwohner wissen. „Geht man von sieben Quadratmetern je Bewohner aus, sind 60 Menschen für die knapp 400 Quadratmeter große Halle das Maximum“, so Wolf-Matzenbacher. So schnell wie möglich möchte die Stadt Ankommende weiter verteilen. Denn auch die städtischen Verantwortlichen halten die Hallenunterbringung für ungeeignet. Ängste der Nachbarn konnte Röthlingshöfer entkräften. „Bislang gibt es an keinem Standort nennenswerte Probleme. Wenn etwas sein sollte, rufen Sie uns direkt an“, betonte er. Eine Anwohnerin fürchtete um den Schulstandort Mußbach, würde sich die Problematik weiter verschärfen. „Eine schwachsinnige Idee, das zu denken“, wehrte Röthlingshöfer sichtlich genervt ab. Kritik an der Haltung der Bundesregierung und dem Asylrecht, die zwei Bürger wortreich formulierten, wies Röthlingshöfer ebenfalls zurück: „Das ist hier nicht das Thema. Wir reden davon, wie wir hier vor Ort vernünftige Strukturen herstellen können.“ Als Ausweichquartier für den Schulsport ist die Halle des TV Mußbach vorgesehen. Auch Schwimmunterricht im Stadionbad ist als Alternative für die Grundschüler geplant. Nötig sind auch Alternativen für die Sportvereine. Wie Vorsitzender Alexander Utech von der TTG Mußbach erklärte, trainieren zurzeit 40 Tischtennisspieler in fünf Teams in der Schulsporthalle. Auch die SG Mußbach nutzt mit sieben Jugendmannschaften die Halle. Rolf Müller, bei der Stadtverwaltung zuständig für Schule und Sport, sicherte den Clubs zu: „Wir werden eine Lösung finden.“ (kle)