Haßloch / Weisenheim am Sand RHEINPFALZ Plus Artikel Physik, Mathematik, Umwelttechnik – was ein Abwassermeister alles wissen muss

Hat seine Ausbildung als Drittbester im Land abgeschlossen: Nicolas Schreck in der Kläranlage Haßloch.
Hat seine Ausbildung als Drittbester im Land abgeschlossen: Nicolas Schreck in der Kläranlage Haßloch.

Eigentlich hatte Nicolas Schreck, Abwassermeister bei den Gemeindewerken Haßloch, einen anderen Berufswunsch. Inzwischen ist der 32-Jährige froh, dass der nicht geklappt hat.

Umwelttechnologe für Abwasserbewirtschaftung ist seit 2024 die offizielle Berufsbezeichnung für eine Fachkraft für Abwassertechnik. Trotz des klangvollen Namens ist es ein Beruf, der kein allzu gutes Image hat, weiß Nicolas Schreck, der gerade seine Prüfung zum Abwassermeister bestanden hat. „Ich wollte was im Büro machen“, erzählt der gebürtige Neustadter, der in Weisenheim lebt und bei den Gemeindewerken Haßloch arbeitet. Was genau, habe er nach der Fachhochschulreife nicht gewusst. Er begann eine Banklehre. Nach etwa eineinhalb Jahren wusste er, dass das nichts für ihn ist.

Als er die Ausbildung bei der Bank abbrach, war es nicht lang bis zum Beginn des neuen Ausbildungsjahrs. Durch seine Mutter, die bei der Gemeindeverwaltung Haßloch arbeitet, habe er erfahren, dass bei den Gemeindewerken noch zwei Ausbildungsplätze frei waren – einer für eine Bürotätigkeit, einer als Fachkraft für Abwassertechnik.

Der damals 21-Jährige absolvierte ein Praktikum bei der Haßlocher Kläranlage. „Danach hätte ich für jeden der zwei Ausbildungsplätze einen Vertrag bekommen können“, erzählt Schreck. Er entschied sich für den praktischen Job – und obwohl er zwei Monate nachholen musste, da das Ausbildungsjahr schon begonnen hatte, schloss der Neustadter die Ausbildung als drittbester in Rheinland-Pfalz ab. Und ihm sei auch schon während der Ausbildung klar geworden, dass er weiterkommen will, erzählt Schreck.

„Schifferstadt hat eine Top-Kläranlage“

„Bei Abwasser denkt jeder, da muss man den ganzen Tag in der Scheiße wühlen, das ist aber nicht so“, sagt Schreck. Man brauche Kenntnisse in Physik, Mathematik, Umwelttechnik und Biologie, auch sei die Arbeit sehr abwechslungsreich. Zudem tue man Umwelttechnologe für Abwasserbewirtschaftung aktiv etwas für die Umwelt.

Das Team beim Abwasserwerk der Gemeindewerke Haßloch sei sehr nett, trotzdem sei er nach Abschluss seiner Ausbildung im Jahr 2018 zu den Stadtwerken Schifferstadt gewechselt. Er habe nicht der ehemalige Lehrling sein wollen und er habe Erfahrung sammeln wollen, um im Beruf weiterkommen zu können. „Schifferstadt hat eine Top-Kläranlage, da habe ich viel gelernt“, erzählt Schreck.

Zwei Gründe nennt er, warum er seit Oktober 2023 wieder bei den Gemeindewerken Haßloch arbeitet. Dort war inzwischen der Geselle, der ihn ausgebildet hatte, Meister geworden. „Er hat mich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, mit ihm zusammenzuarbeiten“, erzählt Schreck. Zudem habe er von den Gemeindewerken die Möglichkeit bekommen berufsbegleitend seinen Meister zu machen. Das heißt: Er wurde für die Tage, an denen er zur Meisterschule musste, freigestellt.

Am Bau einer Klärschlammanlage beteiligt

Die zweijährige Meisterschule sei anspruchsvoll und er habe vieles gelernt, mit dem er vorher nichts zu tun gehabt habe, etwa Planung und Personalführung. Zwar seien Arbeit, Schule und Lernen manchmal anstrengend gewesen, stressig sei es aber erst geworden, nachdem seine Lebensgefährtin und er im April 2024 Eltern einer Tochter geworden sind, erzählt Schreck.

Er habe die Haßlocher Kläranlage ja schon gekannt, doch die Arbeit sei letztlich ganz anders, wenn man die rechte Hand des Meisters ist und „den Hut aufhat, wenn der Meister nicht da ist“. Auch habe sich seine Arbeit geändert, er sei mehr im operativen Bereich tätig. Zudem habe er jetzt Möglichkeiten selbst zu gestalten. So war Schreck an Planung und Bau einer neuen Klärschlammanlage beteiligt.

Seit Januar arbeitet Schreck nur zwei Tage pro Woche, die anderen drei Tage ist er in Elternzeit. Mit seiner Lebensgefährtin hat er in Weisenheim am Sand ein Haus gekauft, das er renoviert hat. Ab November wird Schreck wieder voll arbeiten, dann will er auch bei den Gemeindewerken Haßloch mehr Verantwortung übernehmen.

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