Neustadt Pferdeunfall auf A 65: Zaun wohl aufgeschnitten

Albtraum am frühen Donnerstagmorgen für Fahrzeuginsassen und Tierbesitzer: 15 Pferde rissen von einer Koppel bei Haßloch aus und verirrten sich auf die Autobahn. Im Bereich der Anschlussstelle Nord kollidierten acht Tiere mit zwei Autos und einem Lastwagen. Unbekannte sollen den Zaun aufgeschnitten haben.
„Wir können noch nichts sagen. Die Ermittlungen dauern sicher noch einige Tage. Wir wissen nicht, wie die Tiere entkommen konnten“, sagte gestern Nachmittag Ursula Jahn von der Polizei Edenkoben, die für den Autobahnabschnitt zuständig ist. Am Abend sickerte aus Reiterkreisen durch, dass der Koppelzaun durchtrennt worden sein soll. Die Polizei habe ihn beschlagnahmt, um ein Gutachten erstellen zu lassen. Drei Fahrzeugführer wurden verletzt, davon eine Frau schwer. Die Pferde waren von einer Koppel des Reitsportvereins (RSV) Pfalzmühle Haßloch entwichen, der seit den 1960er Jahren von der Familie Blaul als Reitbetrieb geführt wird und dessen Gelände sich etwa auf halber Strecke zwischen Mußbach und Haßloch befindet. RSV-Vorsitzender Markus Blaul wollte sich unter dem Eindruck der Ereignisse nicht äußern. Stellvertretend für ihn sagte Rechtsanwältin Uta Wingen aus Ludwigshafen, selbst aktive Reiterin beim RSV und Besitzerin eines der verunglückten Pferde, der Reitsportverein bedauere sehr, dass Personen bei dem Unfall zu Schaden gekommen sind. „Wir sind alle geschockt“, sagte sie. Bei den Tieren handle es sich um die sogenannte „Rentner-Herde“ – Pferde, die wegen ihres Alters nicht mehr geritten würden und auf der Anlage an der Pfalzmühle ihr Gnadenbrot bekämen. Wie es möglich war, dass die Pferde von der Koppel entkamen und bis zur zwei bis drei Kilometer entfernten Autobahn gelangten, konnte sich Wingen nicht erklären und verwies auf die derzeit noch laufenden polizeilichen Ermittlungen. Normalerweise sei die Koppel, auf der sich die Pferde nachts in einem Unterstand befinden würden, abgeschlossen und gesichert. Bernd Kaiser, der Sprecher der Neustadter Feuerwehr, berichtet, dass bei der ersten Meldung nur von einem normalen Autounfall die Rede gewesen sei: „Wir haben dann aber bei der Ausfahrt auf die B 38 in Richtung Mußbach einen VW Sharan angetroffen, in dessen Windschutzscheibe ein totes Pferd lag, und die Fahrerin geborgen.“ Wenig später habe es dann geheißen, auf der Autobahn, etwas südlich der Ausfahrt Neustadt-Nord, seien weitere Pferde unterwegs. Dort habe sich den Einsatzkräften ein schreckliches Bild geboten. „Überall lagen Tiere oder was von ihnen noch übrig war“, so Kaiser. Das Einfangen der noch unverletzten Pferde sei relativ einfach gewesen, weil sie unter Schock gestanden hätten. Sie hätten sich bereitwillig abführen lassen. Stadtfeuerwehrinspekteur Stefan Klein berichtet ebenfalls von einem „furchtbaren Einsatz“. Die Informationslage sei am Anfang sehr unübersichtlich gewesen. „Ich wusste nicht, wie viele Pferde es überhaupt sind. Deshalb haben wir als Erstes die Autobahn gesperrt. Dann war der Reitstall-Besitzer der Tiere kurz da, aber auch schnell wieder verschwunden.“ Klein erinnerte sich an ein auf Pferde spezialisiertes Tierarztehepaar aus dem Nonnental, das auf seinen Anruf hin herbeieilte. Die Mediziner untersuchten die Tiere und beschlossen, ein Tier von seinen Leiden zu erlösen. Hierzu war ein Pferdemetzger aus Wachenheim dazu gerufen worden, der seinen Schussapparat mitbrachte. |wkr/guh In eigener Sache Der Redaktion liegen zahlreiche schockierende Fotos von dem Geschehen vor, die wir den Lesern, zu denen auch Kinder gehören, nicht zumuten wollen.