Haßloch / Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzischer Bergläufer ist Dauergast auf dem Popocatépetl

Michael Stumpp
Michael Stumpp

Zwei herausfordernde Ehrenämter füllt der Neustadter Michael Stumpp aus: Er ists Präsident der Deutsch-Mexikanischen Gesellschaft und Vorsitzender des LC Haßloch.

Michael Stumpp wollte bei der jüngsten Generalversammlung des LC Haßloch sein Amt als stellvertretender Vorsitzender niederlegen, um sich voll seiner zweiten ehrenamtlichen Aufgabe widmen zu können. Doch seit den Wahlen steht der 68-Jährige an der Spitze des Vereins und muss seine Zeit nun gut einteilen, denn er ist noch Präsident der Deutsch-Mexikanischen Gesellschaft.

Leidenschaft Bergläufe

„Schon vor meinem Ruhestand im Jahr 2017 hatte ich mir vorgenommen, mich sportlich und kulturell ehrenamtlich zu engagieren“, betont Michael Stumpp, der seit 25 Jahren in Neustadt wohnt. Der erfahrene Marathonläufer mit einer Bestzeit von 2:28 Stunden und einer der drei besten europäischen Bergläufer der Saison 1987/88 erwarb 2018 die Trainerlizenz und übernahm eine wettkampforientierte Läufergruppe im LC Haßloch. „Als ich bei der BASF angefangen hatte und in Deidesheim wohnte, bin ich 1985 zu dem Verein im Großdorf gekommen, der damals etliche starke Läufer in seinen Reihen hatte“, berichtet Stumpp. Bergläufe nennt er seine Lieblingsdisziplin. Seit 50 Jahren hält er sich täglich sportlich fit.

Auch während seiner beruflichen Auslandsaufenthalte, die ihn in die USA und für insgesamt elf Jahre nach Mexiko führten, blieb er sportlich aktiv. „Auf den Popocatépetl bin ich bis zur Sperrung des noch aktiven Vulkans insgesamt 18-mal gestiegen. Auf dem ebenfalls über 5200 Meter hohen Iztaccíhuatl war ich ebenfalls sehr oft. Die Landschaft faszinierte mich als im Allgäu aufgewachsener Bergfan von Anfang an“, betont Stumpp. Von 1990 bis 1997 und 2013 bis 2017 lebte er in Altamira und Mexiko-Stadt und lernte Land und Leute kennen und schätzen. Dabei erlebte er ein grundsätzlich positives Klima gegenüber dort lebenden Deutschen. „Die freundschaftlichen Beziehungen gehen auf Alexander von Humboldt zurück, der in Mexiko eine wichtige Rolle spielt.“ In Mexiko ließen sich zunächst Bergbauspezialisten und später Bierbrauer nieder, und das Land nahm viele Exilanten auf.

„Mexikanische Kreativität und deutsche Präzision sind eine gute Kombination“, sagt Stumpp aus seinen Erfahrungen als Managing Director bei der BASF Mexicana und Zentralamerika. Die deutsche Wirtschaft ist mit 2100 Firmen im Land stark präsent, seitdem der zuvor abgeschottete mexikanische Markt 1994 durch das Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada (NAFTA) geöffnet wurde. „Das war eine sehr spannende Phase.“ Auch das Nachfolgeabkommen USMCA von 2020 hat positive Auswirkungen auf den Handel. Die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump könnte dies nun allerdings gefährden. „Wir sollten unsere Chancen intelligent nutzen und nicht in Panik verfallen. Zusammen sind wir stärker“, sagt Stumpp.

Verbindungen stärken

Stumpp betont bei Vorträgen vor Wirtschaftsverbänden, dass Mexiko aus deutscher Sicht viel zu bieten hat. Ein großer Binnenmarkt mit 130 Millionen Einwohnern, Zugang zu zwei Ozeanen über gut ausgebaute Häfen und ein ausgezeichnetes Bildungssystem sind Punkte, die seiner Meinung nach zugunsten anderer lateinamerikanischer Länder vernachlässigt wurden. „Mexiko kann unter der wirtschaftsfreundlicheren neuen Präsidentin Claudia Sheinbaum die Führerschaft in Mittel- und Lateinamerika übernehmen. Die EU sollte schnell das Freihandelsabkommen ratifizieren“, meint Stumpp.

Die wirtschaftlichen Verbindungen beider Nationen zu stärken, ist daher auch eine der Aufgaben der Deutsch-Mexikanischen Gesellschaft, der er seit fünfeinhalb Jahren als Präsident vorsteht. „Nach meiner Rückkehr wurde ich Mitglied und später von meinem Vorgänger auf die mögliche Übernahme des Postens angesprochen“, beschreibt er seinen Weg ins Ehrenamt.

Zusammen mit der Geschäftsstelle in Pulheim, dem Vorstand und Kuratorium führt er den Verein: „Es geht uns darum, ein authentisches Bild zu zeichnen und Vorurteile abzubauen,“ sagt Stumpp, der jährlich das Partnerland besucht und sich auch einen Eindruck über die laufenden Sozialprojekte der Gesellschaft in Bildung, Gesundheit und Frauenförderung verschafft.

Förderung der Kultur

Die Netzwerke der 150 Mitglieder zur Unterstützung der rund 33.000 in Deutschland lebenden Mexikaner und 100 Firmen zu nutzen und Hilfen bei Integration und Förderung von Start-ups zu geben, ist ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich der 1972 unter der Schirmherrschaft von Helmut Schmidt gegründeten Gesellschaft. Carlo Schmidt, einer der „Väter des Grundgesetzes“, war erster Präsident. Stumpp legt auch Wert auf die Förderung der Kultur, „denn sie bringt Bevölkerung und Wirtschaft zusammen.“ Ein wichtiger Termin im Jahresablauf ist der Tag der Toten (Día de los Muertos) Anfang November. Dabei wird mit großen Festen der Verstorbenen gedacht. In der Frankfurter Festhalle und im Linden-Museum Stuttgart lernten viele Deutsche mit traditioneller Mariachi-Musik, Tanzdarbietungen und dem fröhlichen Piñata-Schlagen mexikanische Lebensart kennen.

5452 Meter hoch: der Popocatépetl, der als einer der aktivsten Vulkane Mexikos gilt.
5452 Meter hoch: der Popocatépetl, der als einer der aktivsten Vulkane Mexikos gilt.
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