Neustadt Pfälzer Weine, japanische Handschrift
Deutscher Spitzenwein und japanische Spitzenküche treffen sich in Deidesheim. Dort führt die Japanerin Fumiko Tokuoka das Weingut Josef Biffar mit zugehörigem Restaurant „Fumi“. Sie möchte den Beweis antreten, dass beides aufs Beste zueinander passt. Neuerdings auch mit einem zweiten Restaurant „Fumi“ in Heidelberg.
Bekannt ist Fumiko Tokuokas Familie schon seit Jahrzehnten in Deidesheim. Zunächst war ihr Vater 24 Jahre lang einer der Pächter des Weinguts Reichsrat von Buhl. Nach Ablauf der Pacht kaufte der Geschäftsmann im Jahr 2013 mit seiner Tochter das Weingut Biffar, in dem seit einigen Jahren keine Weine mehr ausgebaut worden waren. 2010 war das Gebäude „Im Kathrinenbild“ bereits zur Lagerhaltung gekauft worden. Das Weingut Biffar trägt nun Tokuokas Handschrift. Aufgeräumt, funktional und gepflegt präsentiert es sich als Herzstück ihrer Ambitionen, charaktervolle Weine und lange auf der Hefe gereifte Sekte aus biologischem Anbau herzustellen und auf dem deutschen, aber auch japanischen Markt zu platzieren. Es wird begleitet von ihren Restaurants – nach dem zweiten „Fumi“ mit japanischer Esskultur zu Biffar’schen Weinen und Sekt in Heidelberg sind weitere bundesweit in Planung. Ihren zunehmenden Erfolg sieht sie in fairer Teamarbeit mit ihrem langjährigen St. Martiner Kellermeister Michael Leibrecht und „ab und zu auch strenger“, aber gerechter Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern. „Ich glaube an Gerechtigkeit“, meint sie nachdenklich. Bevor sie weitreichende Entscheidungen treffe, prüfe sie, ob diese auch ihrem Umfeld gerecht würden. Aufgewachsen ist Fumiko Tokuoka in der Millionenstadt Osaka. Die Mutter sei ausgebildete Grundschullehrerin gewesen, während der Vater den Lebensmittel- und Feinkosthandel aufbaute. Nach der Grundschule besuchte sie die Highschool in der Präfektur Osakas bis zur 12. Klasse. „Deutsch hat damals noch keine Rolle gespielt“, meint sie lächelnd. Erst in ihrem Studium der Chemie und Biochemie mit Bachelorabschluss an der Universität in Kyoto habe sie Deutsch als Fremdsprache gewählt. Während ihres Studiums habe sie als Zimmermädchen gejobbt, in der Freizeit das Skilehrerzertifikat gemacht und „Skigruppen in Nagano betreut“, erzählt Tokuoka. Ins Ausland sei sie damals nicht gereist. Als Schülerin habe sie Schwimmwettkämpfe bestritten und bis zum 18. Lebensjahr leidenschaftlich gerne Geige gespielt, allerdings ohne große öffentliche Auftritte. Begeistert meint sie: „Das ist so ein Traum von mir. Wenn ich irgendwann einmal Zeit habe, dann würde ich gerne im Orchester spielen. Klassik, besonders Bach liebe ich.“ Derzeit aber haben Weingut und Familie Vorrang. Die Geschäftsführerin hat zwei Kinder, die sie nach ihrer gescheiterten Ehe alleine großziehe, erklärt sie. Im April 1996, nach dem Studienabschluss, habe sie den Vater ins Weingut Reichsrat von Buhl begleitet, wo sie ein Praktikum als „Mädchen für alles“ absolviert habe. Ihr Interesse am Weinbau war geweckt. Nach Intensivkursen in Deutsch wegen des vielen „Fachchinesischs“ im Weinbau konnte Tokuoka den Studiengang „Weinbau und Oenologie“ als Diplom-Ingenieurin in Geisenheim abschließen. Danach brachte sie ihr Wissen für eineinhalb Jahre in Japan im Brauereikonzern Asahi in der Qualitätskontrolle der Sparte Wein ein. Doch sie wollte wieder nach Deutschland. „Hier gefällt mir die meist direkte Art, etwas zu sagen“, erklärt sie. Sie hänge aber auch an ihrer Heimat Japan, die sie einige Male im Jahr privat und wegen des Weinvertriebs besucht. Wieder in Deutschland, gründete sie eine Familie, arbeitete zehn Jahre als Angestellte in Geisenheim in der mikrobiologischen Laborforschung für industriell einsetzbare Zuchthefen und schwang den Kochlöffel im Gutsausschank des Weinguts ihres damaligen Mannes im Rheingau. Tokuokas Erzählungen zeugen von Respekt und Pflichtgefühl besonders dem Vater gegenüber, den sie als starke Persönlichkeit mit großem Einfluss auf ihre Entwicklung empfindet. „Ich werde in Deidesheim bleiben, solange mein Vater keine anderen Pläne hat“, meint sie. Doch selbst dann bliebe ja immer noch die Möglichkeit, mit ihm zu verhandeln. (aew)