Neustadt Pfälzer Kunst in Neubrandenburg

Maikammer. Wenn der Prophet im eigenen Land nichts gilt, dann sucht er am Besten das Weite. So hat sich das auch der Maler und Restaurator Aribert Frosch aus Maikammer gedacht, dessen Ehrgefühl von der Verbandsgemeindeverwaltung Edenkoben recht unsensibel verletzt wurde. Sechs Gemälde seiner aus der Verbandsgemeindeverwaltung rüde aussortierten Schenkung schmücken nun bald ein großes Schulzentrum in Neubrandenburg, das vor wenigen Tagen mit einem Loblied auf den Pfälzer Künstler eingeweiht wurde.
In der Ausgabe vom 31. Januar berichteten wir, worüber sich der geschätzte Maler und Restaurator Aribert Frosch ärgert. Und der Beitrag, in dem der ehemalige Kunstlehrer des Speyerer Gymnasiums am Kaiserdom diesem Ärger Luft machte, hat auch über Facebook und das Fernsehen so hohe Wellen geschlagen, dass sie weit in den Osten bis an die Mecklenburger Seenplatte schwappten. In Neubrandenburg nämlich konnte es die Schulleiterin der Regionalen Schule Ost, deren Neubau jetzt eingeweiht wird, nicht fassen, was mit den ausdrucksstarken Werken des renommierten Malers passiert war. Die Bildersammlung, die Aribert Frosch anlässlich seines 80. Geburtstags der Gemeinde Maikammer schenkte und die zunächst für jedermann zugänglich in der Kreisverwaltung aufgehängt war, kam wie berichtet bei der Gemeindegebietsreform unter Edenkobener Räder und wurde unsanft abmontiert und ausrangiert. So blieb dem verdutzten Künstler nichts anderes übrig, als 32 Werke im Wert von etwa 40.000 Euro, die er zwischen Malereimer und Abdeckfolien auf renovierungsbedürftigen Verwaltungsfluren fand, wieder einzusammeln und in seinem Atelier zu sichern. Dass sich viele Künstlerfreunde, ehemalige Schüler und sonstige Bewunderer seiner Arbeit in zahlreichen Briefen und Telefonaten emotional mit ihm verbündeten und ihrer Empörung Luft machten, hat seinen Ärger gemildert. Der spontane Anruf von Regine Stieger aber, die Froschs Gemälde in einem neuen Schulkomplex aufhängen will, haben dem 82-jährigen Träger der Euro-Ehrennadel in Gold neue Energie eingeflößt. Dabei wollte er die Bitte der unbekannten Mathe- und Physiklehrerin an einer fremden Schule anfangs ablehnen, wie er schmunzelnd erzählt: „Denn ich habe noch nie was verschenkt ohne persönlichen Bezug.“ Aber die Schulleiterin war so begeistert von Froschs farbenfrohen Bildern, die sie im Fernsehen und im Internet sah, dass sie nicht locker ließ. Und nachdem der Maler und „Lehrerkollege“ mit ihr dann einen virtuellen Rundgang durch die Räume und Flure der Ganztagsschule unternommen hatte, ist er dort, wo man ihn so herzlich aufnehmen will, fast schon heimisch geworden. Schnell hat er sich zusammengereimt, welche seiner Gemälde in den modern gestalteten Schulkomplex passen und sechs große abstrakte Werke ausgewählt. Ein Bild hat den Weg in den Osten schon hinter sich und war kunstvoller Mittelpunkt bei den Einweihungsfeierlichkeiten des Neubaus der Regionalen Schule Ost im Juri-Gagarin- Ring. Die anderen fünf Werke – alle Schenkungen – müssen noch behutsam verfrachtet werden, damit auch sie als besondere Botschafter Pfälzer Kunst energetische Farben und strahlende Leuchtkraft in das ambitionierte Schulleben einer 65.000 Einwohner großen Stadt in Mecklenburg-Vorpommern bringen. (ttg)