Neustadt Pastoralreferentin Melanie Müller: Über Kennzeichen vernetzt
Mein Blick fällt wie automatisch auf die Nummernschilder der Autos, die mir entgegenkommen. Mittlerweile sehe ich auch fast auf den ersten Blick, aus welchem Land ein Auto kommt. Es fasziniert mich, diese Vielfalt zu entdecken. 765 Kennzeichen gibt es in Deutschland. Meine Tochter hat mich im Herbst dazu gebracht, mit einer App Kennzeichen zu sammeln. Wir waren nahe an der französischen Grenze unterwegs, ein perfekter Ort, um zu beginnen. Seither sehe ich überall Kennzeichen.
Es ist nicht nur interessant, welche Gemeinde oder welche Region sich hinter einer Buchstabenkombination verbirgt. Es ist auch schön, Deutschland und Europa auf diese einfache Art und Weise ein bisschen zu entdecken. Die Kennzeichen, die ich sehe, werden gleich gefiltert in ein „Hab’ ich schon“ und „Das ist neu“.
Die Geschichten hinter den Kennzeichen
Meine Karte in der App ist schon sehr gut gefüllt. Das Sammelfieber packt mich regelmäßig, in Städten, auf Parkplätzen oder als Beifahrerin. Aber es ist mehr als der bloße Reiz, Kennzeichen einzugeben und Punkte zu machen. Ich sehe die Menschen in den Autos und frage mich, wo sie hinfahren und wie es ihnen geht. Ich sehe weite Wege und Pendler und Pendlerinnen. Bei den Lastwagenfahrern, die überwiegend aus Polen, Litauen oder aus Frankreich kommen, denke ich oft darüber nach, wie lange sie von zu Hause weg sind.
In meiner App ist schon ein richtiges Netz entstanden. In Rheinland-Pfalz fehlen mir nur noch zwei Kennzeichen. „Schaffbar“, denke ich mir und sammle weiter. Wir Menschen sind über dieses Netz verbunden, weit über Deutschland hinaus. Manchmal reicht ein kleiner Blick auf das Nummernschild, um das zu spüren.
Oft erlebe ich Gräben in unserer Gesellschaft, die tief sind und ausgrenzend. Auf meinem täglichen Weg im Auto kommt mir das Gegenteil in den Sinn, wir sind gemeinsam unterwegs. Wir teilen Wege, Plätze und Straßen. Auf Korsika hat neben uns ein Auto geparkt mit gleichem Kennzeichen. Ich habe eine Nachricht hinterlassen, weil ich mich so gefreut habe: darüber wie klein die Welt ist und über die Verbundenheit, die ich spüren konnte.
Die Autorin
Melanie Müller ist Pastoralreferentin in der Pfarrei Heilige Theresia von Avila Neustadt.