Neustadt Parteibuch hat wieder Auflage
Dass die SPD mit Martin Schulz an der Spitze in die Bundestagswahl im September zieht, hat der Partei auf Bundes- und Landesebene positive Umfragewerte und ein Emporschnellen der Eintrittszahlen beschert. „Dass Martin Schulz Kanzlerkandidat ist, merken wir auch hier in der Provinz“ stellt Christoph Glogger fest. Wobei das eher „gefühlt“ scheint, die reinen Zulaufzahlen geben das nicht her: Seit Januar sind im SPD-Unterbezirk, der laut Geschäftsführer Herbert Berberich rund 2980 Genossen im Landkreis Bad Dürkheim und in der Stadt Neustadt umfasst, 18 neue Mitglieder eingetreten (Zuzüge aus anderen Gemeinden nicht mitgerechnet). Mehrere Aufnahmeanträge lägen allerdings noch unbearbeitet auf dem Schreibtisch, sagt Glogger, und die Ortsvereine signalisierten, dass es weitere Interessenten gäbe. In der Partei sei man von der großen Euphorie und Begeisterung positiv überrascht worden, berichtet Glogger, im Hauptberuf Dürkheimer Bürgermeister. Die Grundstimmung im Kreisverband habe sich positiv verändert. Glogger sieht die lähmende Wirkung des andauernden Umfragetiefs überwunden. „Man hat wieder Lust mitzudiskutieren. Die Leute haben das Gefühl, es lohnt sich, es ist was möglich“, so der 47-Jährige. Den Zuspruch bringt er freilich nicht allein mit dem SPD-Kanzlerkandidaten in Verbindung. Dass Trump Präsident in den USA wurde, habe wohl auch hier Bürger wachgerüttelt, denkt Glogger. Dem CDU-Kreisverband gehören aktuell 1450 Personen an. Die Zahl sei tendenziell stabil, sagt Vorsitzender Markus Wolf. Allerdings spüre die CDU seit Jahren das Problem, wie es auch andere etablierten Parteien haben: Es sei schwierig, Sterbefälle nummerisch auszugleichen. Daher gebe es in den letzten Jahren einen schleichenden Rückgang der Mitgliederzahlen. In der aktuellen SPD-Euphorie sieht der Dürkheimer „eher ein Strohfeuer“. Auch die Stimmung im CDU-Kreisverband sei gut, sagt der 36-Jährige: Die Einigung von CDU und CSU auf Bundesebene wirke sich positiv aus. Im 153 Mitglieder starken FDP-Kreisverband sind die Zahlen seit langer Zeit stabil, sagt Vorsitzende Heidi Langensiepen. Verluste durch Austritt, Wegzug oder Tod könnten durch Zuzüge und Neueintritte ausgeglichen werden. Neue Mitglieder seien in der Regel junge Menschen, so die Dürkheimerin. Sie hat den Eindruck, dass die Mitglieder zufrieden sind mit dem, was die Liberalen vor Ort machen und wie sie sich nach außen darstellen. Könnte sich angesichts internationaler politischer Entwicklungen und der Bedrohung demokratischer Werte die Stimmung zugunsten der etablierten Parteien ändern? „Das halte ich für gut möglich“, räsoniert Langensiepen. Der SPD-Aufwind, so die FDP-Chefin, könne allen nur recht sein, weil sich Menschen damit zu einer demokratischen Partei bekennen. Die Wahl des amerikanischen Präsidenten, unterstreicht sie, könnte insofern eine positive Auswirkung haben, als sich mehr Menschen wieder bewusst darüber werden, was Demokratie und Gewaltenteilung bedeuten. Die Mitgliederzahl im Kreisverband der Grünen liegt momentan bei rund 110. Auch hier seien die Zahlen relativ stabil, sagt Vorstandssprecherin Monika Maleri. Ein Zuwachs von vier Prozent könne seit drei Jahren gehalten werden. Dass die SPD gerade einen enormen Zuwachs verzeichnet, versteht die Dürkheimerin gut: „Den Martin Schulz mag ich auch.“ Sie sieht aber auch, dass die Grünen sich nun stärker mit eigenen Themen befassen müssen. Generell empfindet Maleri die öffentliche Stimmung derzeit gut, „weil sich die Leute durch die extreme Politik des neuen US-Präsidenten stärker politisch interessieren und informieren.“ Die Menschen nähmen wieder eine kritischere Haltung ein. Der Samen dafür, dass bei der Bundestagswahl auch die etablierten Parteien wieder mehr Stimmen bekommen, sei gesät. „Die Linke freut sich gerade über einen guten Zulauf“, berichtet Barbara Seid vom Kreisvorstand. In Dezember/Januar sind vier neue Mitglieder zwischen 16 und 19 Jahren in die Partei eingetreten. In Relation zur Gesamtmitgliederzahl von gut zwei Dutzend bedeutet dies einen Zuwachs von rund 16 Prozent. Seid vermutet in Einklang mit dem Landesvorstand der Linken, dass die Bundespolitik wie auch internationale Entwicklungen hier eine Rolle spielen. Den linken Kreisverband sieht die Freinsheimerin gerade in einer „Aufbruchsstimmung“. Die AfD hat kreisweit nach schriftlicher Auskunft des Vorsitzenden Wolfgang Kräher zur Zeit 82 Mitglieder. 2016 seien „überdurchschnittlich viele“ neu hinzugekommen. Dafür sind nach Ansicht des Dürkheimers weniger kommunale als vielmehr Bundes- und internationale Themen von Bedeutung. „Es spielt eben nicht nur die Migrationspolitik, sondern auch Themen wie Euro, EU, Sozialpolitik, Außenpolitik, direkte Demokratie und andere eine Rolle.“ Die Wahl Donald Trumps, „der demokratisch gewählt wurde“, wirke sich für die AfD „bisher eher positiv aus, meint Kräher. Die Angst vor Demokratieverlust, die es tatsächlich gibt, führt zu mehr Aufwind und Zustimmung für die AfD“, so der 67-Jährige.