Neustadt Paris, Deidesheim, New York

Private Connections machten Adam Millers Auftritt in Deidesheim möglich. Normalerweise spielt der Australier in größerem Rahmen.
Private Connections machten Adam Millers Auftritt in Deidesheim möglich. Normalerweise spielt der Australier in größerem Rahmen.

«Deidesheim». Private Connections machten es möglich, dass der australische Super-Gitarrist Adam Miller am Samstag zwischen Auftritten in Paris und New York noch einen kleinen, intimen Gig in der Galerie von Friederike Zeit in Deidesheim einlegte. Rund 50 Musikbegeisterte lauschten bei perfektem Biergarten-Wetter den groovenden Basslinien, treibenden Rhythmen und eingängigen Melodiesätzen des 37-Jährigen, die das Gefühl vermittelten, hier wären gleich mehrere Gitarristen gleichzeitig am Werk.

Eingefädelt hatte das Konzert der in Deidesheim lebende Gitarrensammler Michael Meier, der Miller bei einer USA-Reise kennen und schätzen gelernt hat. Der Künstler aus „Down Under“ hatte damals einen Auftritt als Sideman der japanischen Gitarrenlegende Tomo Fujita in Los Angeles, beschränkte sich dabei aber nicht darauf, für den nötigen Rhythmus zu sorgen, sondern übernahm an einer Stelle ungefragt selbst die Initiative. Fujita ließ ihn gewähren, blickte aber nach einer Weile über die Schulter nach hinten, um sich den ihm bis dato unbekannten Kerl anzusehen, der es gewagt hatte, aus seinem Schatten zu treten. Fujitas Szenenapplaus kam für Miller einem Ritterschlag gleich. Michael Meier sprach den Australier gleich im Anschluss an, die beiden verstanden sich auf Anhieb, blieben danach in Kontakt, und als Folge daraus saß Miller an diesem Abend im kleinen Deidesheim auf der Bühne. Miller gilt heute weltweit als einer der besten seiner Zunft. Schon 2002 wurde er als „Australian Fingerstyle Champion“ ausgezeichnet, das australische „Guitar Magazine“ listete ihn später unter dem Begriff „Future Legends“ (künftige Legenden). Was er drauf hat, bewies Miller an diesem Abend gleich mit seiner Eigenkomposition „Parker“, bei der er dem Publikum Stück für Stück seine Vorgehensweise als Songwriter demonstrierte. „Beim Lieder schreiben stelle ich mir immer zuerst den Rhythmus vor, den die Bassdrum vorgibt“, erklärte er und erzeugte dabei mit dem Daumen auf der tiefen e-Saite einen stampfenden Rhythmus. „Jetzt füge ich mit einer bestimmten Fingertechnik Toms, Snare und Hi-Hat dazu“, erläuterte er weiter, und tatsächlich klang jetzt alles nach einem groovenden Schlagzeug. Mit den Worten „Ich erweitere das Ganze nun um einen gewissen Swing. Bis hierher war alles noch recht simpel“, löste er schließlich ungläubiges Staunen der Zuhörer aus, unter denen sich vermutlich viele Hobby-Gitarristen befanden, die schon jetzt nicht mehr fassen konnten, was ihnen da gerade geboten wurde. Aber Miller setzte noch eins drauf, denn nun erst ließ er zusätzlich die Melodieführung folgen, während die Rhythmusarbeit scheinbar wie von Zauberhand im Hintergrund weiterlief. Spätestens jetzt wurde auch dem letzten in der Runde klar, was für ein Meister da auf der Bühne saß. Miller, der seinen ersten Auftritt als 15-Jähriger im Vorprogramm von Star-Gitarrist Tommy Emmanuel hatte, versteht es, dissonante Akkorde mit eingängigen Riffs zu verbinden und seiner Musik damit, trotz Jazzeinflüssen, immer eine gewisse Eingängigkeit mit auf den Weg zu geben. In Deidesheim verzichtete er auf eine Setliste und wählte die Titel spontan nach der jeweilige Stimmung im Saal. Dabei brachte er mal auf der Akustik-, mal auf der E-Gitarre spielend etwa je zur Hälfte eigenes Material, darunter Titel wie „The Full Pisani“, „Noah’s Little Nod“ oder „Blues For Bert“, und geschickt arrangierte Fremdkompositionen von den „Dire Straits“ („Money For Nothing“), Jimi Hendrix („Little Wing“) oder Whitfield/Strong („I Heard It Through The Grapevine“) zu Gehör. Zu einem Höhepunkt des Konzerts wurde schließlich die in rasendem Tempo gespielte Zugabe „Scuttle Buttin’“, im Original von Stevie Ray Vaughn. Fazit: Es war ein grandioses Konzert, das sich angesichts von Millers gut dotierten, weltweiten Engagements aber vermutlich nicht wiederholen wird.

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