Neustadt Papierfabrik in Vietnam verkauft

Die Glatz-Gruppe will ihre Forschung und Entwicklung stärker in Neidenfels und Neustadt konzentrieren. Dies sagte Roman Reischl, Geschäftsführer der Julius Glatz GmbH, in Neidenfels zur Meldung, dass die Firmengruppe ihre Papierfabrik in Vietnam verkauft hat (siehe Wirtschaftsseite). Allerdings steht auch die Stilllegung einer Papiermaschine bevor.
Käufer der Papierfabrik in Vietnam ist die Delfort-Gruppe in Traun, Österreich. Die Delfort-Gruppe ist ein Mitbewerber von Glatz und möchte mit diesem Kauf den Zugang zum südostasiatischen Markt erreichen. Glatz hat diese Papierfabrik erst im Jahr 2009 errichtet und mit der Tochtergesellschaft Glatz Finepaper Vietnam Co, Ltd in der Nähe von Ho Chi Minh-Stadt seit 2010 mit 200 Mitarbeitern Zigarettenpapier produziert. Das Geschäft sei von Anfang an nicht sehr einträglich gewesen, so Reischl, und das sei auch der Hauptgrund für den Verkauf: „Vietnam hat viele Ressourcen verbraucht.“ Die Glatz-Gruppe bleibt in Asien aber vertreten mit einem Werk in der Provinz Yunnan (China), einem Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Zigarettenhersteller. Dort werden im Jahr 24.000 Tonnen Papier für die Zigarettenindustrie hergestellt. Insgesamt sollen nach Aussage des Geschäftsführers die Standorte in Deutschland wieder eine größere Rolle spielen. Glatz produziert Zigaretten- und Dünndruckpapiere in Neidenfels und Frankeneck. Dazu gibt es die Tochtergesellschaften Liptec GmbH in Neustadt und Garntec GmbH in Neidenfels. Liptec produziert LIP-Papiere für den europäischen Markt. LIP steht für englisch „low ignition propensity“. Damit ist gemeint, dass das Zigarettenpapier leichter erlischt, etwa wenn der Raucher die Zigarette irgendwo auf festem Untergrund hat liegen lassen. Bei Garntec werden Garne und Kordeln aus Papier für die Kabelindustrie hergestellt. Beim wichtigsten Produkt Zigarettenpapier hat Glatz allerdings mit einer rückläufigen Nachfrage zu tun. Und deswegen wird nach Auskunft Reischls voraussichtlich im ersten Quartal 2015 eine Papiermaschine in Neidenfels stillgelegt. Das wird auch den Abbau von Arbeitsplätzen zur Folge haben. Reischl spricht von zehn bis 15 Stellen, nachdem in diesem Jahr bereits einige Stellen, auch in der Verwaltung, abgebaut worden seien. Es handele sich dabei aber nicht immer um Kündigungen. Reischl: „Relativ viele Mitarbeiter haben bei uns von der Rente ab 63 profitiert.“ Darüber hinaus liefen im Unternehmen einige Umstrukturierungen. Bei Glatz laufen derzeit vier Papiermaschinen in Neidenfels und Frankeneck. Mit dem Betriebsrat wurde ein Sozialplan vereinbart. Dieser mildert laut einer betriebsinternen Mitteilung des Betriebsrats die Nachteile für „die Betroffenen, die ihre Arbeitsplätze verlieren, ab“. In dieser Mitteilung ist von einem Abbau von 15 Stellen in diesem Jahr und weiteren etwa 20 bis Ende März die Rede. Ziel von Umstrukturierungen und Kapazitätsanpassung ist demnach, „die Firma in Deutschland nachhaltig erhalten zu können“. Das deckt sich mit Reischls Aussage, dass die Standorte in der Pfalz eher gestärkt werden sollten. Die Firmengruppe Glatz erzielte zuletzt nach eigenen Angaben mit 1200 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 110 Millionen Euro. (ff)