Neustadt Orte und Räume

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Deidesheim. Sieben Künstler aus fünf Ländern arbeiten derzeit anlässlich der zwölften Auflage des internationalen Künstlersymposiums „Intonation“ gemeinsam bei Friederike Zeit in Deidesheim. Noch heute und morgen haben Kunstinteressierte die Gelegenheit, den Protagonisten bei der Arbeit in der Zeit’schen Galerie und in der ehemaligen Synagoge über die Schulter zu schauen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Eine Gelegenheit, die man nutzen sollte.

„Wir haben wieder ungeheuer viel Spaß“, sagt Friederike Zeit, die sich – wieder einmal – über eine bunt gemischte Truppe und vor allem über ein hohes künstlerisches Niveau bei der „Intonation“ freut: „Wenn man es so ausdrücken möchte, ist aus der ,Intonation’ eine Institution geworden“, sagt sie über den regen Zuspruch zur „Halbzeit“ am Mittwoch. Übergreifendes Thema ist in diesem Jahr die Architektur, dem sich die sechs Gäste und die Gastgeberin in höchst unterschiedlicher Weise widmen. Wir beginnen unseren Spaziergang durch die mannigfaltigen Facetten der Keramikkunst in der ehemaligen Synagoge, dem Kulturhaus am Schlosspark, wo sich ein Deutscher, ein Ungar und ein Spanier den Raum teilen: Simon Horn arbeitet hier an seinen „Räumen“, inszeniert aus Ton, Holz, Beton und anderen Materialien spannende Perspektivwechsel: „Es geht mir darum, Orte und Räume wirksam werden zu lassen“, meint er zu seinem Projekt, das er „gebaute Räume“ nennt: Er sammelt dabei Momentaufnahmen, die er in seinen Skulpturen verdichtet, und versucht so aufzuzeigen, wie Architektur auf den Menschen wirkt. An der „Intonation“, an der er 2013 erstmals teilgenommen hatte, schätze er vor allem die unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Kollegen: „Das hat hier eine tolle Arbeitsatmosphäre auf hohem Niveau“, beschreibt er die vielen Stunden, die er mit József Zsolt Simon und Juan Ortí gemeinsam in der ehemaligen Synagoge verbringt. Derweil arbeitet Simon an einem kleinen Porzellanteil, das später einmal in einer seiner zusammengesetzten Formen aufgehen wird: Fast zehn Stunden täglich verbringt mit „Kleinarbeit“, den Gipsformen, die am Ende in regelrechte Landschaften münden. Manche seiner Skulpturen bestehen aus fast 100 filigran zusammengefügten Einzelteilen. Juan Ortí sitzt gemeinsam mit seinem achtjährigen Sohn Arturo an der Drehscheibe und baut seine an Industriearchitektur gemahnenden Skulpturen: Ungeheuer präzise lässt er seine strengen Formen auf den Betrachter wirken, spielt mit Farben und Licht bei Perspektivwechseln. Deren Entstehung zu beobachten ist spannend, doch noch spannender sind die Ergebnisse nach Glasur und Brand. Die sind in diesem Jahr in der Zeit’schen Galerie im Schloss zu sehen – nachdem im Vorjahr die Spedition nicht rechtzeitig zur Stelle war. Beim erneuten Besuch an der Weinstraße hat er nun neben seinem Sohn – auch der hat schon so manches eher informelle Objekt zur „Intonation“ beigesteuert – auch seine Frau Myriam Jiménez mitgebracht: Sie arbeitet gemeinsam mit der Gastgeberin, Svein Narum und der Schwedin Inger Södergren in den Zeit’schen Räumen im Deidesheimer Schloss. Fast wie aus Papier wirken Jiménez’ Assemblagen aus Porzellan, entfalten ihre Wirkung aus dem Spiel von Licht und Schatten und ihrer fast poetischen Anmutung. Sie vermitteln dem Betrachter ganz nebenbei eine Ahnung vom immensen Aufwand, der in der Herstellung der filigranen Einzelteile steckt, aus denen sie die Räume und Landschaften zusammensetzt. Mal eher emotional, mal beinahe mathematisch kommen hingegen die Arbeiten der Schwedin Inger Södergren daher, die international vielleicht am bekanntesten von allen Teilnehmern ist: Auch sie setzt ihre Objekte sorgfältig zusammen, schafft phantasievolle Gärten und Skulpturen, die bisweilen an Holz erinnern, obwohl sie aus Keramik sind. Und weil sie mit dem Zug aus ihrer Heimat Schweden angereist ist, verarbeitet sie die 20-stündige Fahrt aktuell mit dem Projekt „Hauptbahnhof“, das bis zum Ende der „Intonation“ fertig sein dürfte. Auf gebrauchstaugliche Formen setzt hingegen Svein Narum, langjähriger Begleiter des Künstlersymposiums: Bei seinen Arbeiten, aus denen man notfalls auch trinken kann, begeistern besonders die Glasuren und die individuelle Haptik. Friederike Zeit schließlich arbeitet in diesem Jahr an Pipelines – gewundenen und geknickten Schlauchobjekten, die mit der Plastizität des Materials spielen. Termin Abschlussausstellung mit Einzelpräsentationen der Künstler am Samstag/Sonntag, 16. und 17. April, jeweils 12 bis 18 Uhr im Deidesheimer Schloss.

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