Neustadt „Omas Küche mit Pfiff“
Die Jury hat einstimmig entschieden: Das Turmrestaurant im Ebertpark wird wohl schon ab November von einem Paar aus Neustadt geführt. Anatol und Anna Elert haben in der regionalen Gastro-Szene einen guten Namen. Die künftigen Pächter erhalten einen Zehn-Jahres-Vertrag.
„Omas Küche mit Pfiff“ – unter diesem Motto hat das Paar gestern der achtköpfigen Jury sein Konzept präsentiert und auf der ganzen Linie überzeugt, wie Ernst Merkel berichtet, der ins Schwärmen gerät. „Die Akribie und Leidenschaft des Vortrags hat uns allen sehr gut gefallen. Der Auftritt war hoch professionell. Ich bin guten Mutes“, sagt der Chef der Wohnungsbaugesellschaft GAG, die das denkmalgeschützte Gebäude vor fünf Jahren für vier Millionen Euro saniert hat. Der Zehn-Jahres-Vertrag soll demnächst unterzeichnet werden, laut Merkel ist das reine Formsache. „Unser Ziel ist es, das Restaurant im November zu eröffnen.“ Das Repertoire von Anatol Elert und seiner Frau, die von einem branchenerfahrenen Manager verstärkt werden, reiche vom einfachen Gericht über Kaffee und Kuchen bis zum anspruchsvollen, aber bezahlbaren Menü. „Er kann alles“, sagt Merkel über die Qualitäten des künftigen Restaurant-Chefs. Anatol Elert selbst, den wir gestern telefonisch auf dem Bad Dürkheimer Wurstmarkt erreichen, beschreibt sein Motto so: „Omas Küche mit Pfiff bedeutet, dass auch Klassiker wie Schnitzel, Königsberger Klopse und Wurstsalat mit Pommes serviert werden, aber ein bisschen im geschliffenen Stil.“ Ein profunder Kenner der regionalen Gastro-Szene, der anonym bleiben will, sagt über den 41-Jährigen: „Der Anatol kocht gigantisch.“ Entsprechend liest sich Anatol Elerts Vita. Zum Koch ausgebildet wurde er in den „Kurpfalz Terrassen“ in Gimmeldingen. Erfahrungen sammelte er danach in Deidesheim im Restaurant „St. Urban“, im Hotel „Deidesheimer Hof“ sowie im „Gasthaus zur Kanne“, bevor ihn sein Weg in die Schweiz nach St. Moritz in „Mathis Food Affairs“ führte. Nach der Rückkehr als Souschef ins „Gasthaus zur Kanne“ waren das Restaurant „Zum Lamm“ in Gönnheim und das „Da Nico“ im Schloss Edesheim weitere Stationen. Bei der IHK war Anatol Elert im Anschluss als Ausbilder tätig und übernahm leitende Positionen im Hotel „Adler“ in Asperg, im Schloss-Hotel Edesheim sowie im Mundus-Vini-Weinhaus (Scheffelhaus) in Neustadt, wo er aktuell lebt. Gekocht hat er auch schon für die Gäste der VIP-Lounge des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Zuletzt war er als Gastro- und Unternehmensberater tätig. Geboren ist Anatol Elert in Kasachstan, aufgewachsen ist er in Sibirien. 1994 kam er in die Bundesrepublik. Mittlerweile besitzt er einen deutschen Pass. Was ihn am Turmrestaurant reizt? „Die ganze Anlage“, sagt er. Zur Seite stehen wird ihm Ehefrau Anna. Die 40-Jährige führte bisher einen Catering-Service. Neben den Elerts waren Bewerber aus Ludwigshafen und Karlsruhe in der Finalrunde, die von anfangs 30 auf fünf und schließlich auf drei Interessenten begrenzt wurde. Das Trio hat sich der Jury gestern im GAG-Sitz in Süd präsentiert. Ihr gehörten Vertreter des Aufsichtsrats, GAG-Mitarbeiter sowie die Gastronomen Alexander Freiherr von Imhof (Kallstadter Hof) und Michael Rauser (früher Wartburg-Hotel Mannheim) an. Der vormalige Pächter Thomas Mutschler war mit seinem eher hochpreisigen Konzept gescheitert und kündigte im Juli an, sich in seiner Heimatstadt Stuttgart beruflich neu zu orientieren. Er leitete das Turmrestaurant ab Ende Mai 2011.