Neustadt „Ohne Schule stirbt das Dorf aus“

Das Gebäude der Grundschule Esthal ist in gutem Zustand, Investitionen sind derzeit nicht erforderlich.
Das Gebäude der Grundschule Esthal ist in gutem Zustand, Investitionen sind derzeit nicht erforderlich.

Sollte die Grundschule Esthal geschlossen werden, dann betreffe das nicht nur die Schule und ihre Eltern. Das Bestehen des gesamten Dorfes gerate dadurch in Gefahr. Das befürchtet der Ortsgemeinderat, der „mit großer Sorge“ sieht, dass die Existenz der Schule vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium auf den Prüfstand gestellt wurde.

„Wenn die Grundschule schließt, stirbt das Dorf aus. Wenn sie nicht mehr da ist, bricht alles weg. Das ist meine feste Überzeugung“, sagt Ortsbürgermeister Gernot Kuhn (CDU). Wie mehrfach berichtet, zählt die Grundschule in Esthal zu den 41 kleinen Grundschulen in Rheinland-Pfalz, deren Fortbestand auf den Prüfstand gestellt wird. In Esthal werden derzeit 29 Kinder in zwei kombinierten Klassen von je zwei Jahrgangsstufen unterrichtet. „Aufgrund unserer geografischen Lage haben wir große Bedenken, ohne Grundschule junge Familien in unserem Dorf halten zu können, oder sie dazu zu bewegen, in unser Dorf zu ziehen. Anstatt Dörfern im ländlichen Raum, die zudem noch mit hoffnungslos überschuldeten Haushalten zu kämpfen haben, junge Familien zuzuführen und somit die Einnahmesituation zu verbessern, werden ihnen durch solche Maßnahmen junge Familien entzogen, die Dörfer überaltern und sterben mittel- und langfristig aus“, heißt es in der Stellungnahme, die Kuhn und die CDU-Fraktion aufgesetzt und im Ortsgemeinderat zur Diskussion gestellt haben. Bereits jetzt gebe es erste Fälle, dass junge Familien einen Hauskauf in Esthal vorerst auf Eis legten, weil sie die Entscheidung über den Fortbestand der Schule abwarten wollten. „Das ist ein alarmierendes Signal“, so Kuhn. Der Gemeinderat führt auch die „hervorragende pädagogische Arbeit“ in der örtlichen Schule an, die sehr gut auf die weitere schulische Laufbahn vorbereite. Das werde bereits in ersten Stellungnahmen von weiterführenden Schulen bestätigt. Die Fraktionen der SPD und der Freien Wählergruppe sahen keine Probleme, eine gemeinsame Stellungnahme des Rates abzugeben. „Rheinland-Pfalz wirbt damit, ein familienfreundliches Land zu sein“, führte Kurt Ertel (FWG) ein Zusatzargument an, und die Pläne des Ministeriums seien alles andere als ein familienfreundlicher Ansatz. Ilona Datzer (SPD) hob auch den hervorragenden Zustand der Esthaler Schule hervor, der keine Investitionen notwendig mache. Sie ist „top in Schuss“, sagte Verbandsbürgermeister Manfred Kirr. Er wies auch darauf hin, dass der Transport der Esthaler Schulkinder in eine andere Schule der Verbandsgemeinde zeitaufwendig sei, und unter anderem die Betreuungsangebote gefährde. Einige Nachbarschulen kämen für die Übernahme von Esthaler Schülern nicht infrage, bei anderen wären Baumaßnahmen dazu nötig. Man spare also auch nichts mit einer Schließung. Am kommenden Montag wird sich der Haupt- und Finanzausschuss der Verbandsgemeinde mit der Grundschule Esthal befassen, am 26. Juni der Verbandsgemeinderat. Die Verbandsgemeinde ist der Träger der Grundschulen in ihrem Gebiet. Kuhn und Kirr sprachen sich dafür aus, dass alle Betroffenen, die Schüler, Eltern Lehrer gemeinsam mobil machen sollten gegen die mögliche Schließung. Gelegenheit dazu gibt es am 31. Mai. Dann wird dem Landtag in Mainz eine Petition für den Erhalt der kleinen Grundschulen im Land übergeben. Die Online-Petition „rettet-unsere-zwergenschulen-kleine-grundschulen-muessen-bleiben“ haben über 25.000 Menschen unterschrieben, darunter 19.094 aus Rheinland-Pfalz. „Da fahren auch einige Eltern mit“, sagte Kuhn. Man werde auch Transparente vorbereiten. Denn die Unterstützer der Petition nutzen die Übergabe auch zu einer Demonstration für den Erhalt der Schulen.

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