Neustadt Ohne eigene Einkünfte nicht überlebensfähig
Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH Deidesheim (TS), hat in den Ratssitzungen der Stadt Deidesheim sowie in mehreren Gemeinden der Verbandsgemeinde über die Lage der Einrichtung berichtet. Den Tätigkeitsbericht hatte die SPD-Fraktion Meckenheim beantragt.
Neben Wemhoeners Arbeitsplatz gibt es in der TS noch zweieinhalb Stellen. Davon wird ein Mitarbeiter zur Hälfte von der Stadt Deidesheim bezahlt. „Wir sind die kleinste Touristeinheit in der Region“, so Wemhoener. „Personell sind wir am Limit. Dabei gelten wir in Sachen Effizienz als Musterbeispiel.“ Die Geschäftsstelle berate jährlich 11.000 Kunden, beantworte 24.000 E-Mails, versendete 6000 Postsachen, führe 8000 Telefonate. Das Hauptgeschäft, die Marketingentwicklung, laufe im Hintergrund. Alle Veranstaltungen in der Verbandsgemeinde würden rechtzeitig beworben. Über 900.000 Zugriffe im Jahr bekomme die Internetseite der TS. „Diese sollte jedoch dringend modernisiert und mobilen Endgeräten angepasst werden“, riet er, aber dafür reiche der Etat zurzeit nicht aus. Judith Becker (FWG Niederkirchen) kritisierte die geringe Präsenz der Gemeinde Niederkirchen auf der Internetseite. Übernachtungen seien nicht direkt buchbar, ergänzte Jürgen Schnautz (CDU Niederkirchen). Mängel und Ideen sollten der TS möglichst schnell gemeldet werden, so Wemhoener. Die TS berate auch über die Beantragung von Fördermitteln für einen barrierefreien Umbau. Das Statistische Landesamt liefere Übernachtungszahlen nur für Deidesheim, Forst und Ruppertsberg. Die Gemeinde Meckenheim zahle der TS einen jährlichen Beitrag von 25.000 Euro, ein Anteil von acht Prozent. Der Tourismusertrag komme auf rund 3,5 Millionen Euro, wovon die Gemeinde 60.000 Euro Steuern einnehme. Niederkirchen sei mit neun Prozent beteiligt. Der Jahresbeitrag liege bei 35.000 Euro. Die Einnahmen aus dem Tourismus kämen auf rund 3,6 Millionen Euro. Die Steuereinnahmen der Gemeinde lägen bei 70.000 Euro. Die TS sei finanziell betrachtet die am schlechtesten ausgestattete Tourismusorganisation an der Weinstraße, moniert Wemhoener. Die Gesellschafter, die Stadt Deidesheim und die Ortsgemeinden, zahlten jährlich zusammen rund 300.000 Euro. Den größten Anteil trage die Stadt. Das reiche gerade für Personal-, Sach- und Nebenkosten. Schon die Kopierkosten seien nicht mehr gedeckt. Wemhoener: „Wir sind ohne eigene Einkünfte nicht überlebensfähig.“ Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, verkaufe die TS Artikel wie Stofftiere, Taschen und Bücher. Das bringe etwa 40.000 Euro pro Jahr ein. Wegen der Änderung des EU-Rechts müsse die TS mit den Gesellschaftern ein Betrauungsakt abschließen. Dieser gelte für 2018 bis 2025 und sei jederzeit kündbar. Damit gäben die Gesellschafter ihr Einverständnis, dass die TS weiterhin Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse übernehmen könne. In Meckenheim wurde der Beschluss einstimmig angenommen. In Niederkirchen kam es hingegen zu einer größeren Diskussion. Von Seiten der Freien Wählergruppe gab es Einwände. Es fehle an Transparenz, die Trennungsrechnung sei nicht erstellt. Die einzelnen Sätze der Beschlussvorlage müssten einzeln abgestimmt werden. „Wir schützen mit diesem Betrauungsakt unsere eigene Gesellschaft“, sagte Bürgermeister Josef Seckinger. Seit 2001 würde jährlich ein Prüfungsbericht für die TS erstellt, den jeder Gesellschafter erhalte. Diese würden von Wirtschaftsprüfer kontrolliert und könnten jederzeit eingesehen werden. Die Trennungsrechnung sei in Arbeit. Der Niederkirchener Gemeinderat stimmte, mit drei Enthaltungen der Beschlussvorlage zu. Termin Öffentlicher Tourismusstammtisch, 26. Juni, 16 Uhr, Weingut Braun, Meckenheim.