Neustadt Offen für neue Wohnformen im Alter

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Wie wollen die Neustadter im Alter leben? Um diese Frage ging es bei einer Studie der Gesellschaft für Dienste im Alter (GDA). Ergebnis: Wohnformen mit enger nachbarschaftlicher Anbindung und einem Pflegedienst in unmittelbarer Nähe stoßen auf ein sehr hohes Interesse.

Sowohl die GDA als auch die Stadt Neustadt sehen sich durch die Studie „Wohnen und Leben im Alter“ bestätigt: Der Bedarf an Wohnformen mit „Quartierscharakter“ ist groß. Darunter werden Wohnviertel verstanden, die auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind: mit barrierefreien Wohnungen, einem Pflegedienst in erreichbarer Nähe sowie sozialen Angeboten, durch die die nachbarschaftlichen Beziehungen gestärkt werden. Die GDA entwickelt – für kaufkräftige Kunden – ein solches Modell mit ihren „Quartierhäusern“ neben dem Wohnstift. Die Stadt geht ähnliche Wege für weniger Betuchte: mit einem Projekt in Branchweiler, das sich an dem so genannten Bielefelder Modell orientiert. An der Idee eines Quartiers haben in Neustadt 83 Prozent der bei der Studie Beteiligten Interesse. Gefragt worden waren 1500 Bürger über 50 Jahre, von denen 339 den Fragebogen abgegeben haben. Ein Ergebnis, das für die GDA unter anderem deshalb wichtig war, weil das „Quartier“ in zwei Bauabschnitte unterteilt ist, von denen der zweite noch keine beschlossene Sache ist. Die Stadt hatte bei der Studie, die vom Freiburger Sozialforschungsinstitut AGP durchgeführt wurde, lediglich unterstützende Funktion. Nichtsdestotrotz profitiert sie davon, sagt Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer. „Wir haben für die weitere Pflegestrukturplanung jetzt eine Datenbasis, die wir ohne die GDA nicht bekommen hätten.“ Neustadt sei im Vergleich zu anderen Städten „ein Stück hintendran“, räumte der Bürgermeister ein. Doch die Studie zeige, dass die Richtung stimme. Ein Beleg dafür sieht Röthlingshöfer unter anderem in der Tatsache, dass 64 Prozent der Befragten angibt, in Neustadt im Verwandtenkreis niemand Jüngeres zu haben, der bei der Pflege helfen könnte. Und dass 54 Prozent der Befragten in Wohnungen wohnen, die nicht barrierefrei sind. 36 Prozent der Befragte wäre bereit, in eine altengerechte Wohnung umzuziehen, 32 Prozent erwägen einen altersgerechten Umbau. „Die Veränderungsbereitschaft der Menschen ist da, wenn die Angebote da sind“, folgerte Holger Horrmann, Geschäftsführer der GDA. Was häufig als störend empfunden werde, sei das Bad, das in Neustadt bei 62 Prozent der Befragten nicht barrierefrei ist. Ziel der GDA sei es, die Menschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren dazu zu bewegen, ihre Wohnsituation zu verändern. Schließlich fänden 77 Prozent der Befragten eine „freie und unabhängige Gestaltung des eigenen Lebens“ sehr wichtig. Aufschlussreich für die Stadt sind auch die Antworten im Bereich Freizeit und Soziales. Das Angebot an „Sport und Fitness“ halten 51 Prozent der Befragten für ausreichend und gut, das an „Kultur und Bildung“ nur 43 Prozent. Mit der ärztlichen Versorgung sind 71 Prozent der Zielgruppe zufrieden. (kkr)

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