Neustadt Nurmehr ein Häuflein Asche

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Als beim Sommertag auf dem Hof der Lambrechter Grundschule der Winter in Flammen aufging, hatte Petrus den kalten Wind zurückgepfiffen und die Sonne durch die Wolken blinzeln lassen. Der Frühling hatte tatsächlich gesiegt. Reges Treiben herrschte zur gleichen Zeit auch auf dem Heiligenberg zwischen Edenkoben und Maikammer, wo ebenfalls Hunderte Kinder dem Winter die Stirn boten.

Mehr als 100 Mädchen und Jungen hatten den Frühling in Lambrecht mit Tänzen, Spielen und einer Steckenparade begrüßt. An fast allen Stecken waren Symbole angebracht, Äpfel etwa oder Eier, Brezeln, Schneemänner, Sonnen und bunte Bänder, die die Mädchen und Jungen selbst gebastelt hatten. Miriam Zieglers mächtiger und origineller Stecken schmückte den Nachbau eines Weberschiffchens, das der Papa der Fünfjährigen gemacht habe, wie die Kleine verriet. Die boot-ähnliche Holzform, Weberschiffchen genannt, transportiert für die Tuchproduktion auf dem Webstuhl die Fäden. An den Ursprung des Sommertags im Jahr 1755 erinnerte Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller. Das Brauchtum geht demnach auf einen Streit um Trockenwiesen für gewalkte Tuche auf dem Sommerberg im einstigen Grevenhausen zurück. Damals bestand Lambrecht aus den Dörfern Grevenhausen und Sankt Lambrecht. Beim Sommertag wird an diesen Streit und an den Frieden, den die Dörfer schließlich schlossen, erinnert. Um Platz für die nassen Tücher wird beim Sommertag aber längst nicht mehr gestritten, sondern für den Einzug des Frühlings gekämpft. Das geschieht in Form eines Ringkampfs, den diesmal Simon-Lukas und Jonas Nowotny austrugen, sowie mit einem Stammhacken, am Sonntag zelebriert von Tobias Laubscher und Andreas Zimbrich. Erstmals spielte die Stadtkapelle beim Sommertag nicht auf. Wie berichtet, ist sie wegen fehlender Musiker nicht mehr spielfähig und will sich neu formieren. Die Musik kam deshalb diesmal vom Band. Die Mädchen und Jungen der Kitas „Sankt Lambertus“, „Rappelkiste“ und „Arche Noah“ führten ein Singspiel von Rolf Zuckowski auf, einen Tanz als Osterhasen und das Stück „Das Sommerfest auf der Wiese“. Die „Brezelträgerin“ Lara Nowotny und die „Korbträger“ Elisa und Ole Nowotny verkörperten die historischen Lambrechter Sommertagsfiguren. Viel los war auch auf dem Heiligenberg zwischen Edenkoben und Maikammer. Dorthin hatten die beiden Gemeinden mittlerweile zum fünften Mal eingeladen, um den Frühling zu begrüßen. Und dort wurde nach einem kleinen Gerichtsprozess der Winter schließlich schuldig gesprochen und seinem Schicksal überlassen. Ungezählte Familien hatten sich eingefunden, lauschten dem kleinen Theaterstück, das Schauspieler des Jugendzentrums Edenkoben zu Hansel Fingerhut aufführten. Hoch loderten bald die Flammen der Strohpuppe, die den scheidenden Winter symbolisierte. (awk/giw)

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