Neustadt Notfallplan wird umgesetzt
Die Stadt kann sich bei der Suche nach Asylunterkünften nicht mehr anders behelfen: Das Mehrgenerationenhaus in der Von-Hartmann-Straße, die Mußbacher Schulturnhalle und die Schöntalschule werden für Flüchtlinge freigeräumt. In Lachen-Speyerdorf entsteht ein weiteres Containerdorf.
Die Schaffung neuer Kitaplätze hatte in den vergangenen zwei Jahren in Neustadt oberste Priorität. Das ist nicht mehr so. Der Plan, dass im Schöntal die Grundschule in die ehemalige Hauptschule umzieht, um Platz für eine neue Kindertagesstätte zu schaffen, ist in der vergangenen Woche überraschend auf Eis gelegt worden. Die Grundschule bleibt vorerst in dem Altgebäude. Dafür wird das ehemalige Hauptschulgebäude auf dem Gelände zur provisorischen Asylbewerberunterkunft umgebaut. „Wir müssen jetzt dort handeln, wo der Kittel am meisten brennt“, erklärte gestern Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU). Neustadt betreut zurzeit 370 Flüchtlinge. Wie am Freitag berichtet, rechnet die Stadt mit weiteren 350 in diesem und nochmal 1000 im nächsten Jahr. „Es gibt auch erste Anzeichen dafür, dass es nicht bei den prognostizierten 30 Neuankömmlingen in der Woche bleibt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass uns deutlich über 100 Asylbewerber binnen weniger Tage zugewiesen werden. Darauf müssen wir uns jetzt alle einstellen“, so Röthlingshöfer. Damit wird der Notfallplan viel schneller umgesetzt, als es alle Beteiligten bei der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag erwartet hatten. Der Sozialdezernent kündigte für die kommenden Tage mehrere nichtöffentliche und öffentliche Versammlungen an, bei denen Ratsmitglieder, Ehrenamtliche und die Bevölkerung ausführlich informiert werden sollen. Den Anfang für die Öffentlichkeit macht am Donnerstag um 17.15 Uhr eine Bürgerinformation in der Kulturhalle in Lachen-Speyerdorf. In dem Ortsteil wird ein Containerdorf aufgebaut. Die Stadt hat 14 gebrauchte Mobilheime von Campingplatzbetreibern gekauft, die Anfang Oktober geliefert werden. Sie sollen pro Container mit vier bis fünf Personen, vor allem Familien, belegt werden. Sie haben auch Nasszellen und eine Küchenzeile. Laut Röthlingshöfer sind zwei Standorte in dem Ortsteil im Gespräch. „Wichtig ist mir auch der Aufbau von ehrenamtlichen Strukturen, um den Menschen zur Seite zu stehen“, begründete Röthlingshöfer den Schritt, am Mittwoch erst mit dem Ortsbeirat in Lachen-Speyerdorf nichtöffentlich zu reden. Diese Vorgehensweise habe sich auch in Hambach bewährt bei der Diskussion um das Gästehaus in der Andergasse. Gesucht werde zum Beispiel noch eine Anlaufstelle, wo Deutschkurse abgehalten werden könnten. Gestern Abend gab es in Mußbach ein Vorgespräch. Am 30. September sollen die Bürger darüber informiert werden, dass die Turnhalle der Grundschule für Asylbewerber vorgehalten wird. „Das ist unsere Reserve, die nur zum Tragen kommt, wenn von heute auf morgen eine große Anzahl von Asylbewerbern eintrifft“, erklärt Marion Walz, die Leiterin des Referates Familie, Jugend und Soziales. Für den Donnerstag ist im Mehrgenerationenhaus auf dem Gelände der Volkshochschule eine Hausversammlung angesetzt. Die Organisatoren der bis zu 70 offenen Angebote in dem städtischen Gebäude werden darüber informiert, dass sie Asylbewerbern Platz machen müssen. Dazu gibt es am Samstag um 11 Uhr im Ratssaal auch eine Bürgerinformation. Nicht betroffen ist das Willkomm-Café und der Keller als Veranstaltungsraum. Für den Bandproberaum wird eine Alternative gesucht. Die Bürger im Schöntal sollen bereits am Freitag informiert werden. Der Ort ist noch offen. Für den 1. Oktober lädt die Schule zu einer Elternversammlung ein. (wkr)