Neustadt Nicht nur das Gestern, sondern auch das Heute

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Deidesheim. Noch ganz unter dem Schock des Dachstuhlbrands in der ehemaligen Synagoge, hält der „Freundeskreis“ dennoch eisern an seinem Veranstaltungsprogramm fest: So wird morgen, wie vorgesehen, zum „Tag der jüdischen Kultur“ in Deidesheim eine kleine, aber feine Ausstellung zu Geschichte und Gegenwart des Judentums eröffnet. Ausweichort ist der Ratssaal der Verbandsgemeinde, der kurzfristig von Bürgermeister Peter Lubenau zur Verfügung gestellt wurde.

Die Ausstellung ist eine Leihgabe des „Museum unterm Trifels“ in Annweiler, das im Jahre 2015 unter dem Titel „Die Kinder Israels“ eine umfängliche Schau zur Geschichte und Kultur des Judentums realisiert hat. Eine Auswahl davon ist nun auch in Deidesheim zu sehen, darunter auch einige charakteristische Kultgegenstände aus der Privatsammlung des Dahner Historikers Otmar Weber, Autor unter anderem eines Standardwerks über die Synagogen in der Pfalz. Eyecatcher ist dabei eine profanierte Tora-Rolle, die ausgerollt 32 Meter lang ist und wohl um 1915 in Süddeutschland geschaffen wurde. Auch sonst begegnet man zahlreichen Exponaten, die im Zusammenhang mit jüdischen Kulthandlungen stehen, so etwa den Tefillin, den charakteristischen schwarzen Lederriemen mit Kapseln, die gläubige Juden zum Morgengebet anlegen, oder einem Schofar, dem Widderhorn, das traditionell zum Neujahrsfest Rosch ha-Schana und am Ende des Versöhnungstages Jom Kippur zum Einsatz kommt. Beide stammten wohl ursprünglich aus einer jüdischen Gemeinde in Griechenland. Interessant ist auch ein zweisprachiges Gebetsbuch aus Pirmasens, das 1926 in Nürnberg gedruckt wurde und jetzt über den Umweg New York zurück in die Pfalz kam. Es belegt ebenso wie ein aus Dahn stammendes Reklameschild, das Werbung für eine „Buchbinderei David Besenstiel“ macht, die Präsenz jüdischen Lebens in der Pfalz bis zur Zäsur des Holocausts. Ergänzt wird die Schau durch eine digitale Präsentation von Bilddokumenten und Fotos, die per Beamer in Endlosschleife an die Wand projiziert werden und sich mit Geschichte und Gegenwart des Judentums, aber auch dem europäischen Judenhass und Antisemitismus befassen. „Wir wollen nicht nur das Gestern, sondern auch das Heute zeigen“, erklärt Georg Maybaum, der zweite Vorsitzende des Freundeskreises dazu. Die gleiche Mischung spiegelt sich in den 36 Infotafeln, die auf dem Tischrund des Ratssaals ausgelegt sind und unter anderem jüdische Feste dokumentieren. Die Ausstellung Die Ausstellung zur Geschichte und Kultur des Judentums ist an den kommenden beiden Wochenenden jeweils samstags und sonntags von 14–18 Uhr im Ratssaal der Verbandsgemeinde Deidesheim zu sehen. Den Einführungsvortrag morgen, Samstag, um 16 Uhr hält der Historiker und Politiker Bernhard Kukatzki. Der Eintritt ist frei. |hpö

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