Neustadt Nicht einfach auf die Straße setzen
Sieben Jugendliche aus Litauen nehmen zurzeit an einem Projekt des Europäischen Förderprogramms Erasmus plus in Neustadt teil. Sie sind für eine Woche im Naturfreundehaus im Heidenbrunnertal untergebracht und werden vom Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) betreut.
Auch vier Betreuer aus Litauen begleiten die Gruppe, die gestern von Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer im Ratssaal empfangen wurde. Die jungen Litauer sollen durch das Projekt die Chance erhalten, beruflich und gesellschaftlich wieder Fuß zu fassen. Das Programm ist in Nordirland vor über zehn Jahren entwickelt worden und wurde mit Erfolg mit jugendlichen Straftätern und Drogenkonsumenten erprobt. Das Konzept wird unter dem Namen „Time of Change Europe“ nun in Deutschland, Spanien, Litauen und Nordirland getestet. „Es ist oft eine Herausforderung, die Gefühlswelt und die Verhaltensweisen von Jugendlichen, die Probleme haben, zu verstehen“, so Röthlingshöfer, dessen Aussagen von einem Dolmetscher übersetzt wurden. Die Jugendlichen schilderten, dass sie das Vertrauen bei Erwachsenen vermissten. Nicht selten würden sie in Litauen einfach auf die Straße gesetzt. Röthlingshöfer zeigte sich betroffen. Seine Antwort: „Es muss ein Vertrauen aufgebaut werden durch das gegenseitige Einhalten von klaren Spielregeln.“ Staat und Stadt stünden in der Pflicht, sich um solche Menschen zu kümmern. Das Konzept sieht eine intensive Eins-zu-Eins-Betreuung der Jugendlichen vor. Durch dieses Vertrauen wachse auch das Selbstvertrauen der Jugendlichen, wodurch sich eine offenere und freundlichere Persönlichkeit entwickele, so CJD-Projektleiter Roland Hüttmann. Ein wichtiger Punkt bei dem Projekt sei der Wille zur Veränderung. Denn nur aus eigenem Antrieb könne man über sich selbst hinaus wachsen. (müma)